Ein ungewöhnliches Weihnachtsfest Weihnachten hinter Gittern

23.12.2018

Auch in der JVA Stadelheim wird Weihnachten gefeiert. Allerdings anders als zu Hause unterm Baum, wie Anja Moser von der Katholischen Jugendfürsorge erzählt.

Die JVA Stadelheim in München
Die JVA Stadelheim in München © JVA Stadelheim

München – Ein leuchtender Weihnachtsbaum, strahlende Kindergesichter und die feierliche Christmette – Heilig Abend für die meisten von uns. Anja Moser aber verbringt diesen Tag seit 18 Jahren in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim. Wohlgemerkt nicht als Insassin: Sie arbeitet für die Katholische Jugendfürsorge und feiert mit den Jugendlichen in der JVA Weihnachten. Sie kümmert sich um „besonders schutzbedürftige Häftlinge“. Also Jugendliche, die entweder sehr jung oder körperlich oder psychisch beeinträchtigt sind. Auch Drogen- und Suchtberatung gehören zu ihren Aufgaben. Trotz der schweren Themen mache es ihr immer noch Spaß, sagt sie.

Bereits in der Woche vor Weihnachten gibt es bereits einen ganzen „Weihnachtstag“. Da wird zusammen gekocht und gelacht. Hier geht es vor allem darum „echt viel Spaß zu haben“. Auch die nicht christlichen Jugendlichen feiern mit. Konfessionslose sowieso, aber auch viele muslimische Insassen kennen Weihnachten von ihren Familien zuhause. Sie genießen die freie Zeit mit der Familie und tauschen auch Geschenke aus. In Deutschland kommt kaum jemand drum herum, weil man pausenlos Lichterketten, Weihnachtsmusik in Kaufhäusern und schwer bepackten Einkäufern begegnet. Für die muslimischen Familien "ist das auch berührend, auch wenn sie damit jetzt keinen religiösen Hintergrund damit verbinden“, erklärt Moser.

Alles ist ein bisschen ernster

An Heilig Abend, ein paar Tage später, ist die Stimmung ein wenig anders: Die Jugendlichen sind frisch rasiert und in sauberer Häftlingskleidung erschienen. Sie geben sich Mühe, schick zu sein. Man liest zusammen die Weihnachtsgeschichte, spricht darüber und wie sie früher mit ihren Familien verbracht haben. Dann wird natürlich auch zusammen gegessen und ein wenig gefeiert. „Aber es ist ein bisschen ernster“, sagt Anja Moser. Klar, wie auch bei der Weihnachtsfeier ein paar Tage zuvor, freuen sich alle, „dass es was Tolles zu Essen gibt und feierlicher ist als sonst.“, aber da ist auch noch eine andere Stimmung, die wenig greifbar ist.

Weihnachten berührt die Jugendlichen an diesem Abend weit über die Feier hinaus: „Das Besondere ist, dass man versteht, dass Weihnachten nicht etwas Reiches ist mit vielen Geschenken, sondern dass es beides ist, was Schönes und etwas, was einen ein bisschen klein macht, erklärt Anja Moser. „Man denkt darüber nach, was im Leben wirklich wichtig ist.“ Bei vielen werden auch ganz starke Erinnerungen aus Kindertagen geweckt, an Weihnachten in der Kirche und festlich geschmückte Christbäume. Da findet bei allen ein gewisser Rückzug statt, jeder ist ein bisschen für sich. Anja Mosers Blick auf Weihnachten hat sich dadurch auch verändert: Es ist nicht nur das Hochfest, sondern für sie wirklich eine Gelegenheit, zurückzublicken, sich zu besinnen.

Ein besonderes Geschenk

Geschenke gibt es nicht. Allerhöchstens für Anja Moser. Ab und zu bekommt sie etwas Kleines, Gebasteltes von ihren Jugendlichen. Und eine Klosterschwester, mit der sie zusammenarbeitet, bringt zur Weihnachtsfeier oft Strohsterne mit. Die entdeckt Anja Moser manchmal später an der Wand einer Zelle. Für sie ein schönes Geschenk: Monate später die sichtbare Erinnerung an die Weihnachtsfeier. (Thomas Stöppler)

Weihnachten: endlich Zeit für die Familie. Doch für viele Menschen, wie Obdachlose oder Alleinstehende, sind die festlichen Tage sehr schwer. Genau für diese Menschen engagieren sich die Sozialverbände auch an Weihnachten. Mehr dazu in der Sendung "Total Sozial" im Münchner Kirchenradio. Hier geht es zum Podcast.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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