Feiertage hinter Gittern Weihnachten in der JVA Erding

25.12.2017

Heiligabend und Weihnachten sind die Tage, an denen sich die meisten darauf freuen eine schöne Zeit mit den Liebsten zu verbringen. Doch nicht jeder kann das an Weihnachten. Zum Beispiel Menschen, die im Gefängnis sitzen.

Der Flur einer Justizvollzugsanstalt.
Der Flur einer Justizvollzugsanstalt. © fotolia/lettas

Erding – Die Justizvollzugsanstalt Erding liegt etwas versteckt hinter dem Amtsgericht. Wer doch hinfindet, sieht Stacheldraht über den Mauern, eine Kamera am Eingang. An der Pforte muss ich den Ausweis abgeben und Handy und Autoschlüssel in ein kleines Schließfach sperren. Ich habe ein komisches Gefühl, ich bin zum ersten Mal in einem Gefängnis. Doch eine bedrückende Stimmung kommt überraschenderweise gar nicht auf.

Weihnachtliche Stimmung im Gefängnis

Die Vollzugsbeamten sind alle sehr freundlich, lächeln, am Eingang steht ein festlich geschmückter Christbaum. Für den Leiter der JVA, Georg Gaigl ist es sehr wichtig, dass es sich auch im Gefängnis nach Weihnachten anfühlt: „Das bleibt nicht draußen an der Mauer hängen. Auch im Gefängnis gibt es Weihnachten. Die Insassen sind nicht vergessen.“ Es gäbe Weihnachtsfeiern von verschiedenen Organisationen, einen katholischen Gottesdienst, auch Geschenke von karitativen Einrichtungen, meint er und während der Feiertage werden die Aufschlusszeiten gelockert.

Weihnachten ohne Familie

Trotz der Bemühungen der JVA ist es für viele der Insassen nicht leicht, gerade diese Tage alleine hinter Gittern verbringen zu müssen: „Mit Familie wäre mir das natürlich lieber. Das wird dieses Jahr aber nicht funktionieren. Ich mache mir eigentlich die meisten Gedanken darüber, dass ich nicht für meine Frau und meine Kinder da sein kann,“ gibt einer sehr betroffen zu. Auch für einen anderen ist es eine schwierige Situation: „Ich bin schon etwas traurig, dass ich da nicht kann und dadurch die Kinder Weihnachten ohne den Papa feiern, das ist schwierig für mich.“

Strafe trifft auch die Angehörigen

Im Gespräch mit einigen Insassen wird klar, glücklich sind sie nicht, obwohl sie ganz offen über ihre Zeit hinter Gittern sprechen. Ob sie deshalb ihre Taten bereuen? Das kann ich nicht einschätzen. Was sie auf jeden Fall bereuen, ist das was sie ihren Lieben damit angetan haben. Denn die Frauen und Kinder leiden mit, einer erzählt seine Mutter wird sicher keinen Spaß an Weihnachten haben, wenn sie alles ohne ihn vorbereiten muss. Allen ist klar, dass auch die Familien unter der Haftstrafe leiden.

Gefängnisseelsorgerin hat offenes Ohr

Die Männer sind junge Familienväter, sie sprechen von ihren Frauen, von ihren Kindern. Einer konnte nicht beim ersten Geburtstag des Sohnes vor einem Monat dabei sein. Denn er war ja im Gefängnis. Gerade in der Adventszeit hängen sie solchen Gedanken nach, doch das müssen sie nicht alleine tun. Gefängnisseelsorgerin Sonja Eichelbaum ist für sie da. Und bei den Gesprächen muss es nicht unbedingt um den Glauben gehen. Sie geht offen auf jeden zu, hört sich seine Probleme an. „Die Menschen öffnen sich, egal welcher Nation, egal welcher Schweregrad der Tat, viele sind einfach nur dankbar dann auch mal einfach ganz frei reden zu können.

Zeit hinter Gittern ist lang

Im Gefängnis haben die Insassen viel Zeit, um über alles nachzudenken. Vielleicht zum ersten Mal im Leben. In den Zellen gibt es zwar einen Fernseher, aber kein Handy und vor allem kein Internet. Ein Insasse erzählt mir, dass er in den vergangenen Monaten so viele Bücher gelesen hat wie noch nie in seinem Leben. Und die Gedanken kreisen ständig, doch die Möglichkeit sich mit einer Seelsorgerin auszutauschen nehmen viele dankbar an. Es gibt auch Menschen, die in der Zeit wieder mehr zu Gott gefunden haben. Über seine Fehler nachdenken ist aber nicht jedermanns Sache. Ich habe den Eindruck, dass die Insassen damit ein großes Problem haben. Denn wer will schon über seine Fehler nachdenken, sich eingestehen, dass man etwas falsch gemacht hat?

Ein kleines Geschenk für jeden

An den Feiertagen wird das noch etwas schlimmer, meint die Gefängnisseelsorgerin Sonja Eichelbaum. Deshalb ist es für sie wichtig, genau dann im Gefängnis zu sein, einen Gottesdienst zu feiern und mit den Menschen zu sprechen. Sie bringt auch jedem ein kleines Weihnachtspaket mit, geht von Tür zu Tür und überreicht es persönlich. Darin sind zum Beispiel Kaffee, Schokolade, Orangen. Hochwertige Sachen müssen es sein, so die Seelsorgerin. Es geht für sie um Wertschätzung. Denn auch Gefangene sollen die in der Weihnachtszeit bekommen.

Die Autorin
Andrea Wojtkowiak
Radio-Redaktion
a.wojtkowiak@st-michaelsbund.de

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