Kardinal Reinhard Marx zu Christi Geburt Weihnachten ist das Fest der Ankunft

18.12.2018

Für Kardinal Reinhard Marx ist Weihnachten das große Fest der Ankunft. Was das bedeutet, und warum Gott Mensch geworden ist, das hat der Erzbischof von München und Freising zusammengefasst.

Kardinal Marx: Weihnachten ist die Feier von Sehnsucht, Verheißung und Erfüllung.
Kardinal Marx: Weihnachten ist die Feier von Sehnsucht, Verheißung und Erfüllung. © Stefan Körber - stock.adobe.com

München – Weihnachten ist das große Fest der Ankunft: ER ist da! So hat er sich offenbart: „Ich bin der ‚Ich-bin-da‘“ (Ex 3,14). Es ist die Feier von Sehnsucht, Verheißung und Erfüllung. Die Adventszeit und auch das Weihnachtsfest selbst mit dem gesamten Festkreis sind eine Zeit voller Symbole, Traditionen und Bräuche, die dieses Da-Sein Gottes unter uns deutlich machen wollen. Mit all den Lichtern, dem Glanz, den typisch weihnachtlichen Düften und – wenn es denn so kommt, wie es sich viele wünschen – sogar mit der Natur und ihrer Schneepracht in den Bergen und in den Städten können wir zur Ruhe finden, zur Besinnung kommen und die Erfahrung machen: ER ist da in diesem Kind!
Zwar steigt gerade rund um Weihnachten der Stresspegel bei vielen deutlich an, aber die meisten treibt ja nicht der Wunsch nach Stress an, sondern sie wollen es an Weihnachten eben besonders schön haben, das Fest genießen im Kreis von Menschen, die nahestehen, eben Nähe spüren, auch die Nähe Gottes! Diese Sehnsucht teilen, glaube ich, doch sehr viele Menschen.

Das Geheimnis, das wir Gott nennen

Das fällt zusammen mit einem Trend, der sich schon länger zeigt: Zuhauf gibt es Zeitschriften, Bücher, Produkte, Angebote und Kurse, die stark darauf zielen, unsere Aufmerksamkeit wieder mehr auf die wesentlichen Dinge zu lenken, den Blick nach innen zu richten. Vordergründig geht es dabei oft um Wohlfühlen und Wellness, um ein gemütliches Zuhause, um Konsumgüter, aber auch um das Selbermachen, um Einklang mit der Natur, um mehr Verbundenheit untereinander. Jenseits der Logik, dass sich mit all diesen Sehnsüchten, Versprechungen und vor allem den dazugehörigen materiellen Angeboten viel Geld verdienen lässt, liegt doch eine tiefe menschliche Sehnsucht zugrunde: die Sehnsucht, mit sich selbst im Reinen zu sein, dem Eigenen treu zu bleiben, bei sich selbst anzukommen und darin bei dem Geheimnis, das wir Gott nennen. Diese Ur-Sehnsucht beginnt in dem Augenblick, in dem wir Mensch werden.

Gottesdienste an Weihnachten

Die Christmetten am Heiligen Abend, Montag, 24. Dezember, feiern Kardinal Reinhard Marx um 22 Uhr im Münchner Liebfrauendom, Weihbischof Bernhard Haßlberger um 22 Uhr im Freisinger Mariendom und Weihbischof Wolfgang Bischof um 23 Uhr in der Pfarrkirche St. Johann Baptist in München-Haidhausen. Am Tag des Hochfestes selbst, Dienstag, 25. Dezember, ist im Münchner Liebfrauendom um 10 Uhr der Gottesdienst mit Kardinal Marx, um 17 Uhr die feierliche Weihnachtsvesper, um 10 Uhr der Gottesdienst mit Weihbischof Bischof in St. Johann Baptist. Am Fest des heiligen Stephanus, Mittwoch, 26. Dezember, feiert Domdekan Prälat Lorenz Wolf um 10 Uhr den Gottesdienst im Liebfrauendom, Weihbischof Haßlberger die Messe um 10.30 Uhr in St. Martin in Landshut. Der 10-Uhr-Gottesdienst am Sonntag, 30. Dezember, findet in St. Johann Baptist mit Weihbischof Bischof statt. Weitere Gottesdienste in ihrer Nähe finden Sie hier.

Im Lauf des Lebens erweitert sich der Kern unserer unverwechselbaren Persönlichkeit um viele neue Schichten. Diese bilden sich je weiter durch Erziehung, Bildung, Arbeit, äußere Einflüsse, auch durch existentiell bedeutsame Herausforderungen und Krisen, vor allem durch Erfahrungen und Beziehungen. Und so reichert sich unsere Persönlichkeit immer mehr an, aber zuweilen gerät dabei der Kern aus dem Blick. Doch die meisten spüren ja, was sie im Innersten ausmacht und kennen deshalb diese Sehnsucht, nicht mehr nach anderem und mehr streben zu müssen, sondern einfach da zu sein, einfach zu sein.
Als Christen glauben wir, dass jeder Mensch unverwechselbar ist, weil jeder und jede ein menschgewordener Gedanke Gottes ist, und dieses Du Gottes mein Leben erst in die wirklichen Tiefenschichten führt. Das ist die Erfahrung der Liebe! Diese Zusage der Liebe gilt für alle Menschen, sie ist nicht abhängig davon, ob jemand an diesen Gott glaubt oder nicht. Eine unglaublich starke Vorstellung! Das ist im Wesentlichen auch der Grundgedanke der Menschenrechte und der Unverfügbarkeit jedes menschlichen Lebens, weil es eben ein Geschenk der Liebe Gottes ist.

Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx. © Kiderle

Fundamentale Gleichheit aller Menschen

Für mich ist das so etwas wie der innerste Kern einer wirklich menschlichen Zivilisation: Noch ehe Menschen sich Verfassungen und Gesetze geben, ehe Regelwerke aufgestellt werden und Solidarität überhaupt gedacht werden kann, ist die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen der erste und letzte Grund, jedem und jeder mit Respekt zu begegnen. Diese Grundüberzeugung können keine ausgrenzende Ideologie, kein andere herabwürdigender Populismus und kein überheblicher Nationalismus beiseitedrängen. An dieser fundamentalen Gleichheit aller Menschen zerschellen alle Ideologien, die über das Leben von Menschen verfügen wollen.Das, was wir in unserem Innersten für uns ersehnen – einfach sein zu können, so bei uns anzukommen – , das ist auch die Sehnsucht, die uns im gemeinschaftlichen Miteinander antreibt, ob in der Familie, in der Pfarrei, ob im Dorf oder in der Stadt, in unserem Land, in Europa und weltweit: Jeder sehnt sich doch danach, Mensch zu sein!

Weihnachten ist das Fest aller Menschen

Von daher betrachtet ist Weihnachten das große Fest der Menschen, aller Menschen! Denn wir feiern, dass Gott selbst Mensch wird, dass ER da ist – für alle: ER wird Mensch, ein kleines Kind, von einer Frau geboren, in eine Familie, die nicht gerade die optimalsten Bedingungen hatte für ein Kind, mitten in eine friedlose Welt. Gott kommt sozusagen auch bei sich selbst an, indem er Mensch wird, denn Gott ist die Liebe, ein „Sich-Verschenken“. Dieses Neugeborene, das wir an Weihnachten anbeten, ist so Ausdruck des Wesens Gottes selbst, es ist die unermessliche und nie endende Liebe. Wenn Gott Mensch wird, bei sich selbst ankommt, dann kommt er auch bei uns an, bei jedem einzelnen Menschen. Was uns von Gott unterscheidet, ist seine Göttlichkeit, was uns mit ihm jedoch verbindet, ist seine Menschlichkeit! Wenn Gott also Mensch wird, dann ist es gut, ein Mensch zu sein!

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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