Kirche in der digitalen Welt im Hintertreffen? Weihnachten ohne Jesuskind

18.12.2014

Bis vor wenigen Jahren war das Jesuskind mit Maria und Joseph an der Seite eine der zentralen Weihnachtsdarstellungen. Im Zuge der Nutzung sozialer Medien hat sich dieses Bild gewandelt. Klassische Weihnachtsbilder mit Krippe und Co. sucht man beispielsweise auf dem Micro-Blogging-Dienst Instagram nahezu vergeblich.

Bild: Instagram

Die Geburt Christi war über Jahrhunderte hinweg im Zentrum aller Weihnachtsdarstellungen das gewickelte Kind, Ochs und Esel, dazu ein Hirte als Vertreter der auf Erlösung wartenden Menschen. Das waren die verbindlichen Motive seit dem 4. Jahrhundert nach – eben – Christi Geburt. Maria hat gut hundert Jahre später ihren festen Platz erhalten. Auf dem Konzil von Ephessus im Jahr 431 war sie als Gottesgebärerin proklamiert worden und deshalb im Bilde, wenn es um die Geburt Christi ging. Die byzantinische Kunst hat die Vorstellung einer Höhle als Geburtsort geprägt, Rembrandt hat 1646 die andächtige Stille im Stall besonders herausgearbeitet und Cosmas Damian Asam hat in seinen Fresken in Aldersbach und Einsiedeln vor knapp 300 Jahren die Geburt geradezu monumental ausgestaltet.

Neue Bildsprache

Unsere Tage hingegen sind geprägt davon, dass die Geburt Christi bei Bildern zum Thema Weihnachten gar nicht mehr vorkommt. So zum Beispiel im Internetportal Instagram, dem sich im vergangenen Sommer viele Jugendliche, von Facebook genervt, zugewandt haben. Dort geht es nur um Bilder, die mit thematischen Markierungen, sogenannten Hashtags, versehen werden. Dazu genügt es, eine Raute vor ein Schlagwort zusetzen. Längere Texte sind weder nötig noch sinnvoll, da die Nutzung ausschließlich per Smartphone und Tablet-PC erfolgt. So zeigt uns die Instagram-Userin valentina.viena Vanillekipferl und schreibt „#vanillekipferl #cookies #weihnachten #backen“ drunter. Tippt man auf einen der Begriffe, so erhält man alle Bilder zu diesem Thema.

Derzeit gibt es auf Instagram mehr als 500.000 Bilder mit dem Hashtag #Weihnachten. Darauf zu sehen sind Christbäume jeder Größe mit und ohne Schmuck, in Wohnungen und Städten. Weiterhin bekommt man viel Gebäck, Menschen, Kerzen, gelegentlich Adventskränze und Christkindlmärkte zu Gesicht. Die eingangs beschriebenen klassischen Motive sind nicht vorhanden.

„Wenn die Kirche nicht die Frohe Botschaft von Gottes Liebe für alle Menschen in diesem Forum verbreitet, laufen wir Gefahr, im Leben vieler Menschen an den Rand gerückt zu werden und in unserer Mission zu scheitern, das Evangelium in alle Winkel der Erde zu tragen.“ Mit dieser Aufforderung hat Paul Tighe, der Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, vor wenigen Wochen beim Katholischen Medienkongress bekräftigt, was Papst Benedikt XVI. schon erkannt hat: Die Katholische Kirche muss selbstverständlich auch in den sozialen Netzwerken von Gott künden.

Gott im Netz verkünden

Wir als Kirche müssen uns um eine Präsenz auch in der digitalen Welt bemühen und dazu können auch Sie, die Abonnenten der MK, einen Beitrag leisten! Auch wenn vermutlich nur die wenigsten aktiv in Instagram unterwegs sein dürften, ist vielerorts der Weg zu jungen Menschen, in deren Welt soziale Netzwerke ein selbstverständlicher Bestandteil sind, nicht weit. Es ist nur ein Fingerspiel und schon haben sich die heimischeKrippe, ein weihnachtliches Kirchenfenster oder auch nur ein Jesuskind unter die 500.000 Bilder zum Thema #Weihnachten gemischt und verkünden: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ (gw)


Das könnte Sie auch interessieren

Das Columba-Jesulein trägt zu jeder Jahreszeit das passende Gewand und hat eine zeitlose Botschaft.
© Kiderle

Columba-Jesulein in Altenhohenau Jesuskind mit Kleiderschrank

In Altenhohenau bei Wasserburg am Inn wird seit Jahrhunderten eine mittelalterliche Schnitzfigur des Jesusknaben mit unterschiedlichen Gewändern eingekleidet.

08.12.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren