Weihnachten weltweit Weihnachtlicher „isihlahla-Brauch” in Südafrika

26.12.2020

Pater Gerhard Lagleder lebt in Südafrika beim Volk der Zulu. Ein bestimmter Zulu-Weihnachtsbrauch ist für den Missionar immer noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Tanzende Füße
Beim „isihlahla-Brauch“ wird gesungen und getanzt. © mikevanschoonde - stock.adobe.com

Mandeni/Südafrika – Während wir in Bayern mit einem schönen heißen Tee oder Punsch unterm Christbaum sitzen, trinken die Südafrikaner jetzt eher eine kühle Cola und lassen die Klimaanlage laufen. Denn auf der anderen Seite der Erdkugel ist gerade Hochsommer. Trotzdem wird dort natürlich auch Weihnachten gefeiert. Pater Gerhard Lagleder ist Missionsbenediktiner aus St. Ottilien und lebt schon seit über 25 Jahren beim südafrikanischen Volk der Zulu. Zuerst wirkte er als Pfarrer im Busch, heute leitet der Ordenspriester ein Care-Zentrum in Mandeni mit einem Hospiz für aids-kranke Menschen und einem Waisenhaus für Kinder, deren Eltern in Folge der Aids-Problematik gestorben sind.

Mehrstündiger „isihlahla-Brauch

Pater Gerhard erinnert sich gerne an die Zeit, als er als Pfarrer die Bräuche der christlichen Zulus mitfeiern durfte. Natürlich sängen die Zulu an Weihnachten auch das eine Lied, das Menschen weltweit mit der Geburt Christi verbinden: „Stille Nacht“ dürfe auch im Weihnachtsgottesdienst der Zulu nicht fehlen, erklärt Pater Gerhard. Nach der Messe am ersten Weihnachtsfeiertag folge dann die Bescherung. Die Zulu nennten das den „isihlahla-Brauch“. „isihlahla” bedeute in der Sprache der Zulu “Busch”. Und weil es in Südafrika keine Tannen und Fichten gebe, werde in der Kirche oder im Pfarrgemeindezentrum einfach ein Busch aufgestellt, der mit bunten Bändern geschmückt ist. Unter die geschmückten Zweige legten die Zulu ihre Geschenke, erinnert sich Pater Gerhard. Die seien eher schlicht und für das Alltagsleben gedacht. Das könne ein Stück Seife sein, aber auch selbstgemachte Plastikperlenstickereien würden hübsch verpackt unter den Busch gelegt. Wenn die Bescherung dann endlich beginnt, erreiche der isihlahla-Brauch seinen Höhepunkt. Dann gebe es bei den Gläubigen kein Halten mehr. Einige Geschenke würden ausgeteilt, dann sängen und tanzten alle, bis schließlich wieder Geschenke verteilt würden. Der Brauch könne sich auf diese Weise Stunden hinziehen, berichtet der Benediktiner.

Frauen brauen Weihnachtsbier

Für die ausgelassene Stimmung sorge auch das Bier, das die Zulu-Frauen zu Ehren des Christkindes in der heimischen Küche brauen und zur Feier mitbringen. „Das wird aus Mais und Hirse gebraut und schmeckt ungefähr so wie eine Mischung aus Grießbrei und Federweißer, es ist etwas gewöhnungsbedürftig“, schildert Pater Gerhard seine Erfahrung mit dem Zulu-Weihnachtsbier. Auch nach über 25 Jahren in Südafrika hadert Pater Lagleder also noch mit der ein oder anderen Weihnachtstradition der Einheimischen. Das sind dann auch die Momente, in denen er wehmütig an seine alte bayerische Heimat denkt. „Es gibt kein ‚Leise rieselt der Schnee‘, weil bei uns ja Hochsommer ist. Und weil wir in keiner christlichen Umgebung sind, gibt es auch nicht den Weihnachtsschmuck, den wir in Deutschland kennen. Das alles fehlt mir natürlich schon, das ist klar“, so Pater Gerhard.

Echtes Heimweh dürfte heuer bei Pater Gerhard aber nicht aufkommen. Er hat andere Sorgen. Er muss irgendwie mit dem Coronavirus klarkommen. Und das bedeutet für ihn und die Gläubigen in Zululand vor allem eines: Weihnachtsgottesdienste und „isihlahla” nur mit Abstand und in kleiner Runde.



Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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