Tüten-Aktion in Sankt Bonifaz Weihnachtsgeschenke für Obdachlose

03.12.2020

Obdachlosen Menschen an Weihnachten eine Freude bereiten: An der Aktion der Abtei St. Bonifaz kann sich jeder beteiligen.

Andrang bei der Ausgabe der Päckchen im Jahr 2018
Großer Andrang in Sankt Bonifaz: Die Ausgabe der Geschenke an Obdachlose im Jahr 2018, damals noch als Weihnachts-Päckchen. © Kiderle

München – Was in den vergangenen Jahren als „Weihnachtspäckchenaktion“ bekannt war, steht jetzt unter dem Motto „Weihnachtstüten“. Hier kann sich jeder beteiligen und eine Tüte packen, die die Abtei Sankt Bonifaz im Rahmen ihrer Obdachlosenhilfe als Weihnachtsgeschenk verteilt.    

Tüten statt Päckchen

Wer mitmachen will, befüllt eine möglichst 40x40 Zentimeter große Tüte mit verschiedenen Alltagsgegenständen und gibt sie anschließend an der Klosterpforte ab. Sankt Bonifaz hat auf einem Wunschzettel notiert, was hineingehört: Handschuhe und Mütze, Zahnpflege, Dusch- und Rasierzeug. Dazu etwas Weihnachtliches wie Plätzchen oder eine Kerze. Zigaretten und Fleisch- oder Fischkonserven sind ebenfalls erwünscht. Insgesamt werden mehr Männer- als Frauensachen benötigt, wobei Geschenke speziell für Frauen mit einem „F“ gekennzeichnet sein sollten.

Der Wunschzettel mit den genauen Inhalten der Tüten ist auf der Homepage der Abtei Sankt Bonifaz zu finden. Die Tüten können bis zum 24.12. an der Klosterpforte zu deren Öffnungszeiten oder vor und nach den Sonntags-Gottesdiensten abgegeben werden.

Es ist wichtig, sich an die inhaltlichen Vorgaben des Wunschzettels zu halten, betont Frater Emmanuel. Der Prior von Sankt Bonifaz ist Begründer der Obdachlosenhilfe und Leiter des Haneberghauses. Dass nur die gewünschten Gegenstände abgegeben wurden, habe nicht immer funktioniert, erklärt er. „Es ist immer gut gelaufen, bis wir 2018 einen Ansturm von Leuten hatten. Es gab unschöne Szenen. Sie haben untereinander um den Inhalt gestritten, sodass wir sogar für Ruhe sorgen mussten. Deshalb mussten wir die Aktion letztes Jahr aussetzen.“ In manchen Päckchen sei mehr als gewünscht und teilweise sogar Geld gewesen. „Das war gut gemeint, aber hat nicht zur Zielführung beigetragen“.

Aus demselben Grund werden in diesem Jahr Tüten statt Päckchen verwendet: Zum einen wird damit einiges an Müll gespart, zum anderen können die Tüten leichter geöffnet und passend gepackt werden. So werde im Vorhinein besser koordiniert, dass die Verteilung gerecht und nach den Vorgaben des Wunschzettels abläuft.

„Wie große Kinder“

Entstanden ist die „Aktion Weihnachtstüten“ vor knapp zehn Jahren, erklärt Frater Emmanuel. Immer öfter seien Nachfragen aus der Bevölkerung gekommen, was man denn Gutes tun könne an Weihnachten. Mit den Päckchen und Tüten sollen nun auch Obdachlose „an dem Weihnachtsgeschehen der Gesellschaft teilhaben“. Es gehe schlichtweg darum, ihnen eine Freude zu bereiten.

Genau das bewirken die Tüten und Päckchen auch: „Wie große Kinder“ beschreibt der Prior die Reaktion der beschenkten Obdachlosen. Bei der Ausgabe sei deren Freude und besonders deren Dankbarkeit deutlich spürbar.

Ausgeteilt werden die Tüten am ersten Weihnachtsfeiertag. Gemeinsam mit den Essenspaketen, die es derzeit anstelle der warmen Mahlzeiten in der Obdachlosenhilfe gibt. Immer zehn Personen gleichzeitig können sich im Speisesaal eines abholen – und sich am 25. Dezember über eine zusätzliche Weihnachtsüberraschung freuen. (hw)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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