Tiere mit in den Gottesdienst? Weihrauch und nasser Hund

27.08.2018

Sollen Tiere mit in den Gottesdienst dürfen, oder sind 30 nasse Hunde an einem Regentag doch zuviel für die Nase des Kirchenbesuchers? Tanja Bergold hat ein klare Meinung dazu:

Der Gottesdienst - auch ein tierisches Vergnügen? Aufgenommen wurde dieser Schnappschuss bei der Viecherlmesse in Sankt Maximilian in München.
Der Gottesdienst - auch ein tierisches Vergnügen? Aufgenommen wurde dieser Schnappschuss bei der Viecherlmesse in Sankt Maximilian in München. © Kiderle

Gerade im Sommer nutzen einige Pfarreien die Gelegenheit und bieten eine Messe für Mensch und Tier an. Da treffen sich Katzen, Hasen, Hunde und Hamster mit ihren Herrchen und Frauchen, um gemeinsam zu beten. Na ja!

Sollen Tiere mit in den Gottesdienst? Hm, ich weiß nicht recht. Und ich bin selbst stolze Besitzerin einer zehnjährigen, wie ich finde äußerst lieben, und gut erzogenen Labradorhündin.

Als Hundebesitzer hat man es manchmal schwer. Ein Hotel suchen, in dem der Vierbeiner willkommen ist. Im Restaurant einen geeigneten Tisch finden, unter dem das 30-Kilo-Tierchen Platz hat. Es gibt Hundeverordnungen, böse Blicke, immer neue Vorschriften. Schwierig und lästig. Da ist man doch froh, wenn es einen Ort gibt, bei dem erstens von vorneherein klar ist: Hier dürfen wir nicht herein. Außerdem: Wenn ich zwei Wochen in Urlaub fahre, muss ich meinen Hund mitnehmen. Ein Stündchen während des Sonntagsgottesdienstes allein zu Haus – das sollte ein Tier aushalten. Und wenn nicht: Dann ab in die Hundeschule statt in die Kirche

Das Problem sind nicht die Tiere

In meiner Jugend gab es im Ort eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Jedes Mal, wenn die sonntags in die Kirche gingen, verdrehte die gesamte Gemeinde inklusive Chor, Ministranten und Pfarrer die Augen. Denn den gesamten Gottesdienst lang kletterten die Kinder lautstark redend, lachend und schreiend über sämtliche Bänke. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dieses Schauspiel würde noch durch Bellen, Miauen oder Fiepen untermalt – nein Danke. Und wie gesagt: Das Problem sind oftmals ja nicht die Kinder oder die Tiere – sondern die Eltern oder Besitzer, die nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass ihr Liebling mal für 45 Minuten die Klappe beziehungsweise die Schnauze hält.

Ich stelle mir – so ganz nebenbei – auch noch das romantische Bild eines Regentages vor, wenn sich 30 nasse Hunde zwischen den festlich herausgeputzten Menschen schütteln und sich der Duft von nassem Fell mit dem des Weihrauchs vermischt. Wie wunderbar.

Respekt vor der Schöpfung

Aber was ist mit Begleithunden? Bei einem Blindenhund ist sicherlich nichts einzuwenden. Aber wie häufig kommt das schon vor. Ansonsten ganz klar: Nein zu Tieren im Sonntagsgottesdienst.

Ja allerdings zu der Idee, ein paar Mal im Jahr eine Messe unter freiem Himmel für Mensch und Tier anzubieten. Das ist mit Sicherheit eine wunderbare Stimmung. Aber in geschlossenen Räumen sollte sich das Thema Tier eher in die Predigt verlagern. Das wir nicht vergessen, dass unsere lieben Bellos, Minkas oder Flockis eine Seele haben, Schmerz empfinden wie wir, und dass wir als Christen gefälligst kein Billigfleisch aus dem Supermarkt kaufen sollen. Respekt vor der gesamten Schöpfung – dieses Thema würde ich gerne öfter in der Kirche hören, während meine Hündin Jackie ein gemütliches Vormittagsschläfchen zu Hause in ihrem Hundebett macht. (Tanja Bergold)

Zur Autorin

Tanja Bergold ist Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tiere

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