„Vorübergehende Verlustsituation“ Weltbild tritt Insolvenzgerüchten entgegen

11.09.2013

Seit Jahren ist die Zukunft des Augsburger Verlagshauses Weltbild ungewiss. Das Unternehmen wehrt sich nun gegen einen Zeitungsbericht, laut dem eine Insolvenz kurz bevorsteht.

Ladengeschäft des Weltbild-Verlages in München (Bild: Sankt Michaelsbund)

Augsburg - Die katholische Verlagsgruppe Weltbild wehrt sich gegen Spekulationen um eine angeblich bevorstehende Insolvenz. Der Umbau des Unternehmens führe zu einer "vorübergehenden Verlustsituation", teilte die Geschäftsführung am Montag in Augsburg mit. Aus ihrer Sicht ist der Fortbestand des Unternehmens "in keiner Weise gefährdet". Weltbild reagierte damit auf einen vorab veröffentlichten Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Laut FAZ ist die Existenz des Konzerns "akut bedroht". Der Medienhändler mache seit längerem Verluste, schreibt das Blatt. Mehrere Geschäftsbanken, auch kirchliche, verhielten sich gegenüber Weltbild "so, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen ist".


Die Gesellschafter, darunter zwölf deutsche Bistümer, der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und die Katholische Soldatenseelsorge Berlin, lägen über Weltbild "seit Jahren im Streit". Die Diözesen Köln, Trier, Aachen und Münster trügen nun nicht mehr den Gesellschafterbeschluss vom November 2011 mit, Weltbild in eine kirchliche Stiftung zu überführen. Sie bereiteten "hinter den Kulissen" den Verkauf des Unternehmens vor. "Angesichts der Uneinigkeit der Eigentümer" hätten die Geschäftsbanken Weltbild "eine Frist von wenigen Wochen gesetzt", so die FAZ.

Das Unternehmen begründete das Minus in der Bilanz unter anderem mit dem gezielten Rückbau von Filialen und zugleich hohen Anlaufinvestitionen im Digitalgeschäft. Diese würden erst zeitversetzt zu Gewinnen führen. Seit mehreren Jahren setzt Weltbild verstärkt auf den Vertrieb von Büchern und anderen Medien über das Internet und digitale Lesegeräte. Durch das veränderte Konsumverhalten werden aus Sicht der Geschäftsführung etliche Filialen künftig nicht mehr gebraucht.

Der Münchner Generalvikar Peter Beer ist Aufsichtsratsvorsitzender bei Weltbild. Er sagte dem Münchner Merkur am Mittwoch, dass der Aufsichtsrat den Umbau der Verlagsgruppe zu einem Online- und Digitalgeschäft mittrage. Er räumte ein, dass der Umbau für alle Beteiligten eine große Herausforderung und Anstrengung darstelle. Der Aufsichtsrat sehe aber „Potenziale für die Zukunft“.

Weltbild zählt mit einem Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden Euro und etwa 6.800 Mitarbeitern zu den führenden Medienhandelshäusern in Deutschland. Die Eigentümer hatten 2012 beschlossen, ihre Anteile vollständig in eine kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts zu überführen. Diese Absicht wurde seither mehrfach bekräftigt, die Umwandlung bisher aber noch nicht vollzogen. (ks/kna)


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