Bitte um Amtsverzicht Weltweit wird Marx' Rücktrittsgesuch wahrgenommen

06.06.2021

Die Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx auf sein Amt verzichten zu wollen, hat viele überrascht. Sie zieht weiter Reaktionen im In- und Ausland nach sich.

Kardinal Reinhard Marx vor Mikrofonen
Kardinal Reinhard Marx äußert sich vor der Presse zum angebotenen Amtsverzicht. © Kiderle

Bonn/München – Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz zeigte sich erschüttert und überrascht. "Sein Brief an den Papst stellt die Gründe für die Entscheidung dar - aber seine Einsamkeit beeindruckt mich", sagte Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims "La Croix" (online Freitagabend). In Frankreich hätten alle Bischöfe gemeinsam versucht, der Krise um sexuellen Missbrauch zu begegnen.

Zur Frage persönlicher Verantwortung erklärte sich der Vorsitzende in Einklang mit Kardinal Marx. "Als Bischof fühle ich mich für die ganze Kirche verantwortlich." Sexueller Missbrauch sei ein Übel, das die Kirche nicht als ganze gewollt und begangen habe, das sie aber dennoch "nicht vermeiden konnte".

COMECE-Vorsitzender bedauert den Schritt

Mit "großem Respekt" reagierte die EU-Bischofskommission COMECE auf den angebotenen Amtsverzicht ihres früheren Vorsitzenden. "Seine Entscheidung muss das Ergebnis tiefer und mutiger innerer Einkehr sein", erklärte am Freitagabend Marx' Nachfolger als Vorsitzender, Kardinal Jean-Claude Hollerich. Diese Entscheidung spiegele "jene Ernsthaftigkeit wider, die stets Marx' Handeln als Seelsorger geleitet" habe. Er bedaure den Schritt.

Der Jesuit und Luxemburger Erzbischof würdigte Marx' Leistungen an der Spitze der COMECE. Sein Beitrag als Vertreter für Deutschland und später als Vorsitzender (2012-2018) sei "sehr kostbar" gewesen. Marx habe die Bischofskommission zu einem "dynamischeren Akteur" im Dialog mit den EU-Institutionen und im Einsatz für eine menschlichere Politik im Sinne des Gemeinwohls gemacht.

Bätzing: "Wir brauchen ihn"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hatte sich mit seinem Amtsvorgänger Marx einig gezeigt, dass die derzeitige Lage auf "eine massive Krise in der Kirche" hindeute. Am Freitagabend im ZDF-Spezial sagte er weiter, es liege "vieles im Argen". Mit einigen "Schönheitsreparaturen" sei es nicht getan. Es brauche grundsätzliche Reformen, etwa bei den Themen Klerikalismus oder der Rolle von Frauen. Er habe Respekt für Marx' Entscheidung, aber sei auch enttäuscht, denn "wir brauchen ihn".

Im Interview in den ARD-Tagesthemen am selben Abend sagte Bätzing, es brauche nun "Kontrolle auf jeder Ebene von Machtausübung in der katholischen Kirche". Auch die priesterliche Macht gelte es "einzuhegen und zu kontrollieren".

Am Freitag hatte das Erzbistum München und Freising mitgeteilt, dass Marx dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat. In seinem Brief an Franziskus schreibt Marx: "Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten." Marx wird Fehlverhalten im Umgang mit möglichen Missbrauchsfällen vorgeworfen. Für Sommer ist die Veröffentlichung eines Gutachtens über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum angekündigt.(kna)


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