Gesunde Ernährung Weniger Fleisch, mehr Mut zu Neuem

14.03.2019

Rund 280.000 verschiedene essbare Pflanzen hält der Planet bereit, aber wir decken 90 Prozent unseres pflanzlichen Nährstoffbedarfs aus nur 30 Lebensmitteln.

Über 280.000 essbare Pflanzen gibt es, wir benutzen aber nur etwa 30.
Über 280.000 essbare Pflanzen gibt es, wir benutzen aber nur etwa 30. © marilyn barbone – stock.adobe.com

München – Rund 280. 000 verschiedene essbare Pflanzen hält unser Planet für uns bereit, wir aber decken 90 Prozent unseres pflanzlichen Nährstoffbedarfs aus nur 30 Lebensmitteln, diese Zahlen nennt Ernährungsberaterin Ulrike Birmoser vom Verbraucherservice Bayern gern, um zu demonstrieren: Da ist noch viel Raum für Veränderung und Innovation. Für sie steht fest: „Langfristig werden wir nicht drumherum kommen, neue Lebensmittel in unseren Speiseplan einzubauen.“ Der Grund: Die Fleischproduktion, so wie sie bisher ist, verbraucht zu viele Ressourcen. „Wir müssen eine andere Grundlage für die Produktion von tierischen Lebensmitteln schaffen.“

Bunt durch die Welt

Das mache neue Ernährungstrends dringlich. Als Alternative bieten sich pflanzliche Lebensmittel an, die bei uns noch unbekannt sind. Ob sich Neuigkeiten wie Burger mit Jackfruiteinlage statt Rindfleisch durchsetzen werden, ist ungewiss, doch immerhin hat sich unsere Ernährung in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon allein durch den Einfluss fremdländischer Küchen ziemlich verändert, findet Birmoser: „Die schwäbische Küche, so wie sie meine Mutter zubereitet hat, gibt es eigentlich kaum mehr. Wir essen heute bunt durch die Welt.“

Auch Negativtrends beobachtet die Expertin: zum Beispiel den Hype um glutenfreie Produkte. Die seien wirklich nur für Menschen gedacht, die unter einer klar diagnostizierten Zöliakie leiden. Alle anderen brauchen keine glutenfreie Ernährung, betont Birmoser. Doch viele Menschen merken, dass Beschwerden mit glutenfreiem Essen verschwinden. Denn: Wenn der Brotteig keine längere Ruhezeit hat – wie oft bei industriell produziertem Brot –, ist es oft nur schwer verdaulich.

Die Lebensmittel der Zukunft

Bereits jetzt vorhanden sind viele Alternativen für weißen Zucker, der in Verruf geraten ist: Ahornsirup, Dattelsüße, Birkenzucker oder wenigstens Rohrohrzucker könnten es sein. Doch das Urteil der Ernährungsberaterin ist deutlich: Zucker ist Zucker, chemisch C6H12O6, Glukose. Teure, womöglich exotische Alternativen seien gar nicht nötig, heimischer Rübenzucker tue es genauso. Die Innovation könne darin liegen, dass man weniger davon verwendet.

Die Nahrungsmittelbranche forscht längst an den Lebensmitteln der Zukunft. Der erste Burger mit Laborfleisch wurde schon hergestellt, er kostete etwa 250.000 Euro. Dass Laborfleisch zur Marktreife weiterentwickelt werden wird, daran zweifelt Birmoser nicht, aber es werde dauern, glaubt sie. Bereits zugelassen als Nahrungsmittel sind gefriergetrocknete Insekten. Birmoser hat sie schon im Angebot eines Supermarktes entdeckt. Passende Rezeptempfehlungen hat sie dafür ausnahmsweise noch nicht. Vorerst favorisiert sie noch Gemüse nach asiatischer Art knackig gegart und Gerichte mit Hülsenfrüchten.

Neun Tipps für gesunde und ökologisch bewusste Ernährung

1. Vielseitige Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide
2. Weniger ist mehr. Kleinere Portionen lassen dem Körper Spielraum, seine Selbstreinigungskräfte in Gang zu setzen
3. Weniger Fleisch essen, mit 90 Gramm Fleisch am Tag kommt der Mensch gut über die Runden
4. Fleischlose Ernährung ist als vollwertige Ernährungsform anerkannt
5. Extreme Ernährungsformen sind nicht unbedingt positiv wie zum Beispiel vegane Ernährung
6. Ungesüßte Getränke wählen, das reduziert die Zuckeraufnahme deutlich
7. Regionale Produkte nutzen
8. Frische Lebensmittel essen
9. So oft wie möglich selber kochen.
Mehr Information zu gesunder Ernährung gibt es hier.

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de


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