Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher Wenn aus Unrat etwas Gutes entsteht

14.04.2019

Pfarrer Stephan Fischbacher entfernt gerade viel Müll von seinem Grundstück. Das macht ihn wütend. Dabei wird ihm klar, dass nicht nur gegenständlicher Müll produziert wird.

Wie manche Menschen aus Müll Kunstwerke herstellen – etwa diese Blumen- töpfe aus alten Plastikflaschen –, kann Gott aus dem, was uns als Abfall erscheint, etwas Sinnvolles schaffen.
Wie manche Menschen aus Müll Kunstwerke herstellen – etwa diese Blumen- töpfe aus alten Plastikflaschen –, kann Gott aus dem, was uns als Abfall erscheint, etwas Sinnvolles schaffen. © watman – stock.adobe.com

Das Pfarrhaus in Waakirchen ist zu einer Bundesstraße hin von Sträuchern umgeben, die im Sommer die Sicht und den Lärm des Verkehrs etwas abschirmen. Zum Frühlingsanfang, nachdem der Schnee geschmolzen war und bevor die Zweige austrieben, habe ich gestaunt, wie viel Müll sich im Lauf der vergangenen Monate unter den Sträuchern gesammelt hatte: Bierflaschen, leere Cola-Dosen, Feuerwerksraketen und, und, und.

Woher der Abfall kam, weiß ich nicht, und so habe ich mich daran gemacht, den fremden Müll zu beseitigen – so wie es viele Menschen in unserer Heimat tun. Es macht mich wütend, wenn Menschen ihren Müll achtlos auf die Straße oder fremde Grundstücke werfen.

Abfall als Symbol für Schuld

Im Buch Jesus Sirach steht: „Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück, so entdeckt man den Unrat eines Menschen in seinem Denken.“ (Sir 27,4) Wir Menschen produzieren nicht nur gegenständlichen Abfall, sondern ich glaube, auch manches im zwischenmenschlichen Bereich ist Mist, „Abfall“ und „Unrat“: Wenn Menschen ausgebeutet werden, wenn Vertrauen zerstört wird, wenn jemand verleumdet und die Unwahrheit behauptet wird. Es gäbe viele Beispiele. Und wir müssen dann mit dem Müll leben, den andere produziert haben. So sehe ich den Abfall als ein Symbol für Schuld, die einem Menschen zugefügt wurde. Mit den Folgen muss nun der Betroffene leben.

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Inneren Müll sammeln und entsorgen

Auch im Inneren gilt es, diesen Müll zu sammeln und bestmöglich zu entsorgen. Der Weg dorthin ist die Vergebung. Jesus mahnt uns: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.“ (Mt 6,14). Ich glaube, die Vergebung ist der einzige Weg, sich vom Unrat, den andere bei uns abladen, zu befreien.

Den Müll aus dem Garten habe ich entsorgt und, wenn möglich, dem Recycling zugeführt. Andere – kreativere – Menschen, stellen aus gesammeltem Müll sogar Kunstwerke oder Kreuze her und stellen sie auf – oft als Mahnung gegen die Umweltverschmutzung. Mir gefällt es total gut, wenn aus dem Unrat noch etwas Gutes hergestellt wird.

Als Jesus gekreuzigt wurde, war er es, der auf dem Müllberg der Geschichte landen sollte. Doch: „Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ (Ps 118,22) Gott kann sogar aus dem, was uns als Abfall erscheint, etwas Sinnvolles schaffen, nämlich unsere Erlösung. Am Kreuz durch seine Liebe.


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