Jahrestagung katholischer Publizisten in Passau Wenn der Troll aufschlägt

03.04.2017

Bei der Jahrestagung katholischer Publizisten ging es um das Rollenverständnis von christlichen Journalisten. Denn das Berufsbild des unabhänigen Berichterstatters ist im Umbruch.

Passaus Bischof Stefan Oster (li.) talkte mit dem GkP-Vorsitzenden Joachim Frank © Riffert

Passau. „Wir leben in einer Umbruchsphase, wo alte Vorstellungen, was Journalismus sein solle, sich in Auflösung befinden“, sagt Kommunikationswissenschaftler Ralf Hohlfeld, der bei der Jahrestagung der Gesellschaft katholischer Publizisten Deutschlands zum Thema „Journalist und Christ“ aktuelle Forschungsergebnisse zum Rollenverständnis von Journalisten vorstellt. Die meisten von ihnen sehen sich hier zu Lande noch als Berichterstatter, die selbst distanziert bleiben. Doch das wird wohl nicht so bleiben. Zum einen, weil Social Media neben den traditionellen Medien eine immer größere Bedeutung erhalten und vor allem jüngere Nutzer die Qualität einer Meldung häufig nicht mehr einschätzen können. Für sie ist manchmal eine WhatsApp-Nachricht von jemandem, den sie kennen, glaubwürdiger als ein Bericht in der Tagesschau.

Journalist und Christ passt gut zusammen

Zum anderen gibt es Verschwörungstheoretiker, die Journalisten unterstellen, gezielt falsch zu berichten. Ralf Hohlfeld sieht Journalisten deshalb in der Pflicht, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen, damit sie nicht gefährdet wird: „Wir brauchen mehr Journalismus mit Haltung“, so der Wissenschaftler. Journalist und zugleich Christ zu sein, das passe gut zusammen.

Dass sich in den Social Media nicht nur Meldungen von zweifelhaften Quellen, sondern auch manch üble Gestalten tummeln, wird in der Arbeitsgruppenphase deutlich. Jens Albers, Online-Redakteur beim Bistum Essen, informiert, dass zahlungskräftige Kunden mittlerweile bei bestimmten Agenturen einen „Shitstorm“ bestellen könnten. Daneben gibt es so genannte „Trolle“ und „Hater“. Während die Letztgenannten einen Kanal für ihre Aggressionen suchen, lieben „Trolle“ die Provokation. So hat beispielsweise ein 58-Jähriger seine Lebensberufung darin gefunden, täglich bis zu 300 provozierende Kommentare in Social Media zu schreiben. „Es kann jedem passieren, der selbst mit seiner Organisation oder seinem Verein in den Social Media unterwegs ist, dass plötzlich Trolle bei ihm aufschlagen“, erklärt Jens Albers. Manchmal hilft es nach seiner Erfahrung, konsequent freundlich ihnen gegenüber zu sein. Meist hilft nur, sie konsequent von der weiteren Diskussion auszuschließen.

Glaube ist Qualitätsmerkmal

In den anderen Arbeitsgruppen befassen sich die GkP-Mitglieder mit Kirchenberichterstattung in regionalen Tageszeitungen, der Auseinandersetzung mit dem neuen Rechtsextremismus, der Rolle der politisch polarisierten Gesellschaft in Österreich sowie mit der Frage, welche Fotos vom Krieg in Syrien zumutbar sind. Gut ausgebildete Journalisten sind als Christinnen und Christen überall gefordert und herausgefordert. Das bestätigt auch Passaus Bischof Stefan Oster, der als gelernter Journalist im Gottesdienst seine „Kolleginnen und Kollegen“ begrüßt. In der Predigt betont er, dass durch eine gläubige Perspektive bei Journalisten ein Qualitätsmerkmal in die Welt der Medien komme: Es könne helfen, dem Trend zu schneller, zu oberflächlicher und ideologieanfälliger Berichterstattung zu begegnen. (Gabriele Riffert)

Den Menschen nicht vergessen
Bernhard Remmers ist Leiter der katholischen Journalistenschule ifp in München.

MK: Herr Remmers, wie erkennt man einen guten Journalisten?

REMMERS: Einen guten Journalisten zeichnet aus, dass er neugierig ist, dass er sich von einem ersten Eindruck nicht täuschen lässt, sondern dass er recherchiert. Bei allem, worüber er berichtet, vergisst er den Menschen nicht. Man könnte das etwas pathetisch auch als Zuneigung oder Liebe zu den Menschen bezeichnen.

MK: Ist das der Unterschied zwischen einem Christen und einem Nichtchristen im Journalismus?

REMMERS: Darauf könnte es hinauslaufen. Allerdings möchte ich denjenigen, die nicht an Jesus Christus glauben, nicht absprechen, dass sie auch den konkreten Menschen im Blick haben. Für mich ist es ein wichtiger Punkt, im Anderen das Ebenbild Gottes zu sehen. Dann bin ich auch in meiner Arbeit aufgefordert, Menschen mit einem gewissen Respekt zu begegnen und ihre Würde zu wahren. Das heißt jedoch nicht, dass ich im konkreten Fall nicht kritisiere.


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