Liebe und Partnerschaft Wenn die Ehe scheitert

06.05.2018

In der Seelsorge ist die Begegnung mit einem Menschen, dessen Ehe zerbrochen ist, eine Aufgabe, die eine hohe Professionalität erfordert, sagt Pater Alfons Friedrich.

Wenn die Ehe zerbricht, ist dies mit vielen Enttäuschungen und Problemen verbunden.
Wenn die Ehe zerbricht, ist dies mit vielen Enttäuschungen und Problemen verbunden. © imago/blickwinkel

München – Wenn aus einem „für immer und ewig“ ein „Aus. Ende. Vorbei.“ wird, dann ist dies mit vielen Enttäuschungen, Problemen und oftmals Verwerfungen verbunden. Der Mensch, mit dem ich mir einst vorstellte, für immer zusammen zu bleiben, hat mir diese tiefe Lebenshoffnung zerstört oder für mich diese unbedingte Bedeutung verloren. Ein Vakuum entsteht, das sich nur schwerlich neu füllen lässt. Ich brauche eine Zeit der Trauer, in der ich meine Wut, Enttäuschung, Leere und den Kummer ausleben kann. Eine solche Zeit ist notwendig; lasse ich sie nicht zu, holt sie mich später immer wieder ein. Wie lange sie andauert, ist nicht festlegbar.

Sicher hingegen ist, dass in solchen Situationen Menschen hilfreich sind, die mich zunächst so annehmen, wie ich gerade bin – mir nicht mit Vorwürfen begegnen oder mit billigen Hoffnungen, sondern einfach nur mit echtem Interesse, und die vermitteln: „Ich bin da für dich, wenn du mich jetzt brauchst, mit mir reden willst, mit mir weinen willst, mit mir lachen willst.“ Jegliche moralische Verwerfung hilft nicht weiter, sondern verstärkt vielmehr das Gefühl, versagt und Fehler gemacht zu haben.

Erfahrung des Gescheitertseins

In der Seelsorge ist die Begegnung mit einem solchen Menschen eine Aufgabe, die eine hohe Professionalität erfordert und zunächst gilt es hier genau das zu unterbinden, was für eine ehrliche Begegnung hinderlich ist: Moralische Anweisung oder Reglementierung. Was stattdessen angesagt ist, zeigt uns das Gleichnis vom barmherzigen Vater, der die Arme ausbreitet und dem Gegenüber signalisiert: Gut, dass du da bist! Komm, wann immer du willst! Bleib und sprich über das, was dich bewegt. In diesen Gesprächen hat eine vorschnelle Deutung oder Erklärung keinen Platz. Der betroffene Mensch muss selbst in den Gesprächen erkennen und akzeptieren können, was zu dem Zerwürfnis und dem Scheitern geführt hat. Da ist auch kein scheinbarer Trost aus dem Glauben angesagt, der leicht in Gefahr gerät, zu verdecken oder zu verdrängen, was geschehen ist. Wenn etwas Neues entstehen soll, dann braucht es die Erfahrung des Gescheitertseins und die Erkenntnis darüber, was bisher in die Trennung führte.

Pater Alfons Friedrich ist Geschäftsführer des Münchner Don-Bosco-Verlags und Pfarradministrator des Münchner Pfarrverbands Haidhausen.
Pater Alfons Friedrich ist Geschäftsführer des Münchner Don-Bosco-Verlags und Pfarradministrator des Münchner Pfarrverbands Haidhausen. © Caritas/Klinger

Diese Phase der Begleitung und der damit verbundenen Unterstützung bei der Verarbeitung des Geschehenen hat sodann auch eine tiefe spirituelle Dimension. Der sich als scheiternd erlebende Mensch macht seine Karfreitagserfahrung, in dem er aufschreit: Warum hast du mich verlassen? Damit ist nicht nur das Gegenüber gemeint; genauso ist es die ins Wort gebrachte Erfahrung des Verlassenseins von der Liebe, der Verlust des Vertrauens. Es ist eine intensive existenzielle Erschütterung, eine Art von Todeserfahrung mitten im Leben.Der glaubende Mensch kann sich bei seiner Verarbeitung des Geschehenen auch fragen: Gibt es hier auch Auferstehung für mich?

Todeserfahrung der Liebe

Wenn ich schwer gefallen bin, dann brauche ich jemanden, der mir hilft, aufzustehen, wieder auf die Füße zu kommen, der mich motiviert, die ersten eigenen Schritte wieder zu gehen. Hier kann der Seelsorger eine wichtige unterstützende Rolle einnehmen. Es geht darum, nicht vorschnell von einem neuen Glück zu schwärmen, sondern zunächst die Todeserfahrung der Liebe zusammen auszuhalten; Schritt für Schritt das Leid verarbeiten zu helfen; die Stärken und das Schöne des Betroffenen wieder erlebbar zu machen; den Alltag wieder normal werden zu lassen.

Glaube - Hoffnung - Liebe

Das ist der Weg vom Karfreitag in den Tag der Grabesruhe. Erst wenn diese Phase durchlebt ist, erscheint Licht am Horizont. Wie lange es dauert, bis meine Auferstehung in der Liebe geschieht, ist nicht planbar. Aber der Blick auf das österliche Geschehen und das Vertrauen, dass Gott mich aus meiner Not und meinem Liebestod befreien wird, sind helfende Komponenten im Glauben. Wenn der betroffene Mensch zurück im Leben ist, ist nichts mehr so, wie es war. Nicht nur, dass sich die Umstände verändert haben – man selbst ist durch die Erfahrungen des Verlustes und der Auferstehung verändert worden. Das „Aus. Ende. Vorbei“ ist aber nicht länger die bestimmende Größe in meinem Leben. An diese Stelle sind Hoffnung und Glaube getreten – und die Liebe kann sich dazugesellen. (Pater Alfons Friedrich)

Programmhinweis

9§§ Aus.Ende.Vorbei. Pater Alfons Friedrich und Moderatorin Tanja Bergold diskutieren über das Scheitern von Ehen. Wie geht man damit um? §§ Die vollständige Sendung können Sie hier nachhören.


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