Impuls von Max Kronawitter Wer ist dieser Jesus für mich?

31.03.2019

Wer ist dieser Jesus für mich? Diese Frage treibe die Oberammergauer ein Jahr vor den Passionsspielen um.

Oberammergauer Passionsspiele 2010
Oberammergauer Passionsspiele 2010 © imago/Rudolf Gigler

Nächstes Jahr ist es wieder so weit: Die Oberammergauer werden ein halbes Jahr lang Ostern feiern. Fast täglich werden sie auf ihrer Bühne Jesus ans Kreuz begleiten, um ihn im Schlussakt als den Auferstandenen zu feiern. Spielleiter Christian Stückl hat sich bereits für zwei Jesusdarsteller entschieden. Einer der beiden darf sogar bereits zum zweiten Mal der Christus sein. Nachdem am Aschermittwoch der „Haar- und Barterlass“ ergangen ist, werden sich die Mitwirkenden auch äußerlich mehr und mehr ihrer Rolle angleichen. Wichtiger als das Outfit ist freilich die Frage, wie sie die „größte Geschichte aller Zeiten“ interpretieren wollen.

Kein altes Stück aufwärmen

Als Vorbereitung darauf werden die Hauptdarsteller sogar nach Israel reisen. Die heiligen Stätten sollen sie inspirieren, denn am Ende soll der „Jesus 2020“ wieder ein anderer sein als zehn Jahre davor. Die Macher wollen kein altes Stück aufwärmen und sie sind nicht mehr dieselben wie 2010.

In einem Zeitraum von zehn Jahren verändert sich nicht nur der Blick auf die Welt. Auch die Fragen, die Menschen umtreiben, verändern sich: Manche sind beantwortet, andere werden unbedeutend, wieder andere umso drängender. Wer Jesus auf die Bühne bringen will, kommt an einer Frage nicht vorbei: Wer ist dieser Jesus? Wollte man das Thema nur historisch beantworten, dann könnte daraus keine „Passion“ werden. Die Fragestellung, die die Oberammergauer gerade umtreibt, geht tiefer: Wer ist dieser Jesus für mich?

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Revoluzzer, Friedensfürst oder Tröster?

Ist er der Revoluzzer, der mir Mut macht, auch mal auf den Tisch zu hauen: so, wie er bei der Vertreibung aus dem Tempel die Verkaufsstände im heiligen Bezirk umgeworfen hat?
Oder ist er der Friedensfürst, der mir bei Wutausbrüchen ins Ohr flüstert: „Halte deinem Angreifer auch noch die linke Wange hin!“?
Oder ist er derjenige, der mir in depressiven Phasen, wenn die Sinnlosigkeit überhandnimmt, zuflüstert: „Du bist mir unendlich viel wert.“?
Oder ist er dann, wenn ein geliebter Mensch stirbt, der Einzige, der wirklich trösten kann: weil er den Tod durchschritten hat?

In den kommenden Wochen wird dieser Jesus wieder mehr als im sonstigen Jahr als Thema auftauchen. Selbst in den säkularen Medien ist im Umfeld von Ostern nicht nur von Eiern, Hasen und Festtagsrezepten die Rede. Ohne Hinweis auf die Ereignisse vor 2.000 Jahren in Jerusalem lässt sich das höchste Fest der Christenheit nicht thematisieren. Selbst dort, wo sich sonst Helden wie der Terminator, Harry Potter oder 007 tummeln, wird Jesus auftauchen und in monumentalen Hollywood-Produktionen seine Botschaft vortragen. Womöglich wird er dann auch Sie fragen: Wer bin ich für dich?


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