Herbstvollversammlung des Diözesanrats Wer kann sich München noch leisten?

16.10.2019

Bezahlbarer Wohnraum in München ist ein Thema, das alle Institutionen betrifft – auch die Kirche, ist Staatsminister Hans Reichhart überzeugt.

Diskutierten miteinander (von links): Gariele Stark-Angermeier, Andrea Meiler, Moderator Martin Schneider, Christiane Thalgott und Minister Hans Reichart
Diskutierten miteinander (von links): Gariele Stark-Angermeier, Andrea Meiler, Moderator Martin Schneider, Christiane Thalgott und Minister Hans Reichart © Kiderle

München – Vergangene Woche war der Münchner Lokalpresse zu entnehmen, dass sich zwischen 2013 und 2018 der Mietpreis in München um knapp fünf Euro erhöht hat, von 13,50 Euro auf 18,10 Euro – die Werte verstehen sich kalt. Wer kann sich Wohnen in der bayerischen Landeshauptstadt noch leisten? Auch wenn von den dramatisch steigenden Wohnungskosten gerade in der Metropolregion München „Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende, Familien und ältere Menschen besonders betroffen sind“, betont Diözesanratsvorsitzender Professor Hans Tremmel, „ist das Problem längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. „Menschenwürdiges Wohnen – die neue soziale Frage“ hatte der Diözesanrat daher seine Herbstvollversammlung überschrieben. Sie fand im Salesianum im Münchner Stadtteil Haidhausen statt, einem Quartier, das sich mittlerweile vom ehemaligen Arbeiter- und Kleine-Leute-Viertel zum teuren gentrifizierten In-Viertel gewandelt hat.

Alle mit ins Boot holfen

Die rund 150 Teilnehmer aus den Pfarrgemeinderäten und Verbänden diskutierten die Problematik zuerst in insgesamt 14 Kleingruppen zu verschiedenen Themenbereichen wie etwa „Wohnraumversorgung und Bodenrecht“, „Kirchlicher Immobilienbesitz“ oder „Wohnraum für junge Menschen in Gebäude der Pfarrei“. Daran schloss sich eine Diskussionsrunde an zum Thema „Weichenstellungen für bezahlbaren Wohnraum“. Auf dem Podium saßen Hans Reichhart (CSU), Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, die frühere Münchner Stadtbaurätin Christiane Thalgott (parteilos) von der Münchner Initiative für ein soziales Bodenrecht, die stellvertretende Finanzdirektorin des Erzbistums, Andrea Meiler, sowie Gabriele Stark- Angermeier, Vorständin des Caritasverbands des Erzbistums. Martin Schneider, Theologischer Grundsatzreferent des Diözesanrats, moderierte.

Der Staatsminister will bei allen Anstrengungen, die in Sachen sozialer Wohnungsbau seitens Bund, Freistaat und Kommunen unternommen werden, auch andere Beteiligte wie private Investoren, Genossenschaften und die Kirche mit ins Boot holen. Zudem dürfe man, gab er zu bedenken, auch jene Bevölkerungsgruppen nicht vergessen, die knapp über den festgelegten Berechtigungsgrenzen für Sozialwohnungen lägen. Diese hätten es besonders schwer.

Mehr als Beton bieten

Thalgott sagte, die schwierige Wohnungssituation sei vor allem auch ein „Problem des menschlichen Zusammenlebens“. Die Alten lebten nach Auszug der Kinder oft allein in den eigenen (zu groß gewordenen) Häusern oder Wohnungen, die Jungen fänden aufgrund der Preise keinen Wohnraum. Sie appellierte, „Gemeinschaften zu bilden“. Je kleiner die Familie werde, desto notwendiger würden andere Modelle wie etwa Genossenschaften. Es gelte, „mehr anzubieten als nur Beton“, es gehe auch um das soziale Miteinander. Zudem müssten die großen Grundbesitzer ihre Grundstücke für sozialen und kostengünstigen Wohnungsbau zur Verfügung stellen, „auch die Kirche“.

Erbbaurecht vorziehen

Diese engagiere sich in diesem Bereich nach Kräften, erklärte Meiler: 60 Prozent der kirchlichen Wohnungen würden unter der ortsüblichen Miete, „zum Teil 20 Prozent darunter“ angeboten. Derzeit überlege man, Mieterhöhungen für drei Jahre auszusetzen, um so weiter zum sozial-karitativen Auftrag der Kirche beizutragen. Die Vergabe kirchlicher Liegenschaften im Erbbaurecht sei im Übrigen einem Verkauf zumeist vorzuziehen, da dies aus Sicht des Grundstückseigentümers eine optimale Verwertungsmöglichkeit darstelle: Der Erhalt des Vermögens bleibe sichergestellt, langfristige Einnahmen seien gewährleistet und der Verwaltungsaufwandsei gering. Darüber wolle man die Kirchenstiftungen verstärkt informieren. Stark-Angermeier verwies auf die Caritas-Kampage 2018 „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“, mit der man sich öffentlichkeitswirksam für bezahlbaren Wohnraum eingesetzt habe und weiterhin einsetze.

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Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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