"Schindlers Liste" wieder im Kino "Wer nur ein einziges Leben rettet..."

25.01.2019

An diesem Sonntag, 27. Januar, wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Aus diesem Anlass kommt Steven Spielbergs Meisterwerk „Schindlers Liste“ – ein Vierteljahrhundert nach seiner Premiere – für einen Tag wieder in die Kinos.

Szenenfoto aus „Schindlers Liste“: Oskar Schindler (Liam Neeson) verabschiedet sich von „seinen“ jüdischen Arbeitern.
Szenenfoto aus „Schindlers Liste“: Oskar Schindler (Liam Neeson) verabschiedet sich von „seinen“ jüdischen Arbeitern. © Universal Pictures International Germany

München – Der erste Mord in „Schindlers Liste“ passiert nach rund einer halben Stunde Laufzeit. Er kündigt sich nicht durch dramatische Filmmusik an, es gibt keinen inszenierten Kampf auf Leben und Tod. Beinahe beiläufig, mit einem pervertierten Lächeln auf den Lippen, erschießen zwei SS-Männer einen jüdischen Zwangsarbeiter aus dem Krakauer Ghetto. Der freundliche alte Mann tat sich schwer mit dem angeordneten Schneeschaufeln, weil er nur einen Arm hatte. Das bedeutete sein Todesurteil.

Regisseur Steven Spielberg wagt sich in seinem oscarprämierten Meisterwerk – wohl aus Respekt vor den Millionen Opfern – nie in die Gaskammern vor, er zeigt keine skelettierten Leichenberge aus den Konzentrationslagern. Es sind Szenen wie die willkürliche Hinrichtung des alten Mannes, die „Schindlers Liste“ zu einem äußerst bedrückenden Kinoerlebnis machen. Sie machen die alltägliche Brutalität, die tödliche Gefahr, der Menschen jüdischen Glaubens unter der nationalsozialistischen Rassenideologie ausgesetzt waren, sichtbar.

Audio

Rabbi Tom Kucera über "Schindlers Liste"

Itzhak Stern (rechts), gespielt von Ben Kingsley, hilft Schindler bei der Erstellung der Liste.
Itzhak Stern (rechts), gespielt von Ben Kingsley, hilft Schindler bei der Erstellung der Liste. © Universal Pictures International Germany

Aktualisierte Fassung

Für die Wiederaufführung des Werkes jetzt am 27. Januar wurde das Negativ des Originalfilms restauriert, so dass der Film in moderner Bild- und Tonqualität auf die große Leinwand kommt. „Es ist schwer zu glauben, dass es 25 Jahre her ist, seit Schindlers Liste in die Kinos kam“, stellt Regisseur Spielberg fest. „Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocaust dürfen nie vergessen werden.“ Er fühle sich geehrt, dass das Publikum die Geschichte der von Oskar Schindler geretteten Juden noch einmal in den Lichtspielhäusern erleben könne, betont Spielberg.

Im Mittelpunkt seines Films steht der sudetendeutsche Geschäftsmann Oskar Schindler (gespielt von Liam Neeson), der 1939 nach Krakau kommt, um in den Wirren des Zweiten Weltkrieges Profit zu machen. Er übernimmt eine stillgelegte Emaille-Fabrik, in der er Zwangsarbeiter aus dem jüdischen Ghetto beschäftigt. Doch seine wachsende Abscheu gegen die Brutalität der Nazis und das unbeschreibliche Leid der Juden wecken in dem zunächst opportunistischen Fabrikanten und Lebemann einen ungeahnten Idealismus. Als „seine“ Juden nach Auschwitz deportiert werden sollen, setzt Schindler sein Privatvermögen und auch sein Leben aufs Spiel, um schließlich mehr als 1.100 Menschen vor dem Tod zu retten.

Zum Dank ein Ring

Dennoch bricht der sonst so kontrolliert auftretende Geschäftsmann gegen Ende in einer beeindruckenden Szene weinend zusammen, als ihm seine Arbeiter für die Rettung danken wollen. Schindler hadert damit, nicht noch mehr Menschen freigekauft zu haben. So hätte er etwa sein teures Auto gegen mehrere jüdische Leben eintauschen können. Die Arbeiter versuchen ihn zu trösten und überreichen ihm zum Dank einen Ring, in dem sie einen Spruch aus dem Talmud eingraviert haben: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“

Regisseur Steven Spielberg (links) und Hauptdarsteller Liam Neeson während der Dreharbeiten 1993.
Regisseur Steven Spielberg (links) und Hauptdarsteller Liam Neeson während der Dreharbeiten 1993. © Universal Pictures International Germany

Wichtiger Kontrastpunkt

Auch wenn ein Spielfilm über den Holocaust niemals ein Happy End haben kann, so ist es doch diese Mitmenschlichkeit, die am Ende in Spielbergs Film über den Hass und die unbegreiflichen Verbrechen der Nationalsozialisten triumphiert. „Schindlers Liste“ ist so ein schwer auszuhaltendes und zugleich tief bewegendes Drama. In Zeiten, in denen fast jeden Tag irgendwo im Fernsehen eine sensationslüsterne Dokumentation über die „Geheimnisse“ Hitlers oder die des Dritten Reiches läuft, stellt die Wiederaufführung von Schindlers Liste einen wichtigen Kontrastpunkt dar.

Hier können Sie den Film in München und Umgebung am Sonntag, 27. Januar, sehen.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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