Netzwerk UNSER LAND Wertschätzung für Land und Lebensmittel

03.08.2021

Die Bewahrung der Schöpfung stand schon 1994 bei der Gründung an erster Stelle. Im Interview erzählt Adriane Schua vom Netzwerks UNSER LAND über die Wurzeln im kirchlichen Bereich und die Bedeutung regionaler Produkte.

Korb mit verschiedenen Lebensmitteln
Die Produktpalette von UNSER LAND beinhaltet heute gut 120 Produkte. © Dachverein UNSER LAND e.V.

mk online: Die Wurzeln des Netzwerks UNSER LAND liegen auch im kirchlichen Bereich. Wer war hier beteiligt und wie kam es 1994 zur Gründung?

Adriane Schua: Genau, im Jahr 1994 engagierten sich Menschen aus der katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Fürstenfeldbruck für die Bewahrung der Schöpfung. Es entstand die Idee, dies praktisch umzusetzen und über ein regionales Produkt zu transportieren. Was lag da näher als das Brot? Zusammen mit Getreidelandwirten, Müllern und Bäckern entstand das erste regionale Produkt – das BRUCKER LAND Brot.

UNSER LAND wurde gegründet, um die Lebensgrundlagen in der Region zu erhalten – für Menschen, Tiere und Pflanzen. Inwieweit spielt der christliche Schöpfungsgedanke bei Ihrer Arbeit heute noch eine Rolle?

Schua: Der Erhalt der Schöpfung ist heute noch so zentral wie damals. Wir gehen achtsam mit Menschen, Tieren und der Natur um und versuchen, diese Werte durch Bewusstseinsbildung zu transportieren. Dafür gründeten sich im Laufe der Zeit die insgesamt zehn gemeinnützigen Solidargemeinschaften im Netzwerkgebiet.

„Erzeugen, Verarbeiten und Handeln – in der Region, für die Region“, lautet einer Ihrer Grundsätze. In welchen Projekten setzen Sie das um?

Schua: Dies möchte ich gerne an einem Beispiel erklären. Das Münchner Trinkwasser ist eines der besten in ganz Europa. Das Wasser stammt aus dem Mangfallgebiet im Miesbacher Land. Von dort stammt auch die UNSER LAND Bio-Milch. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung der MIESBACHER LAND Bio-Milchbauern werden das wunderschöne Naturschutzgebiet und die hohe Trinkwasserqualität erhalten. Hier bieten wir ganz praktisch den Münchnerinnen und Münchnern die Möglichkeit, ihr eigenes Trinkwasser zu schützen, indem sie einen fairen Preis für die UNSER LAND Bio-Milch bezahlen.

Der Begriff der „Solidargemeinschaft“ spielt bei Ihnen eine große Rolle. Was hat man darunter zu verstehen?

Schua: Bei den Solidargemeinschaften – bei uns Solis genannt – handelt es sich um gemeinnützige Vereine. Dort engagieren sich Menschen aus den Bereichen Landwirtschaft, Handwerk/Handel, Kirche und Umweltschutz sowie Verbraucher im Ehrenamt für die Region. Sie betreiben Bewusstseinsbildung bei verschiedensten Veranstaltungen wie beispielsweise beim Bennofest oder Streetlife Festival in München und führen Projekte wie die Sonnenäcker, Kochkurse oder Schule auf der Streuobstwiese durch.

Welche Produkte umfasst Ihre Palette heute?

Schua: Heute haben wir ungefähr 120 Lebensmittel im Sortiment, je nach Saison schwankend. Und auch heute noch erzählt jedes Produkt seine eigene Geschichte, wie zum Beispiel unsere Suppen. Darin wird das krumme Gemüse verwertet, das im Handel keine Chance mehr, aber natürlich nur einen optischen Mangel und keinen qualitativen hat. Die Wertschätzung für Lebensmittel liegt uns sehr am Herzen.

Wo bekommt der Verbraucher UNSER LAND Produkte?

Schua: In den meisten Edeka-, Rewe- oder Alnatura-Märkten. Wir bezahlen unseren Erzeugern faire Preise, für den Mehraufwand in Anbau und Verarbeitung, die Fütterung mit regionalen Futtermitteln und für eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Heimat.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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