Einsiedelei in Maria Eck "Wider Willen" zurück zum Christentum

29.01.2021

Psychotherapeutin Ruth Rosenberger hat sich schon zweimal aufgemacht in die Einsamkeit der Einsiedelei des Klosters Maria Eck, um sich dort mit sich selbst zu beschäftigen und ihre Beziehung zu Gott zu hinterfragen.

Die Hütte des Klosters Maria Eck.
Einsiedler genießen die Abgeschiedenheit der Hütte. © SMB/Fleischmann

Maria Eck  Ruth Rosenberger hat schon früher an Exerzitien Gefallen gefunden. Im österreichischen Maria Kirchental bei Lofer entdeckte sie das Alleinsein für sich, auch wenn sie den Aufenthalt dort eher als Auszeit von der Familie sah. Doch das Franziskanerkloster Maria Eck war anders: Hier musste sie ein Vorgespräch mit dem zuständigen Bruder Christian führen. Er wollte wissen, warum sie die Einsamkeit für sich entdecken will und welchen religiösen Hintergrund sie hat. Da wusste die Ärztin für psychosomatische Medizin: „Da steht was dahinter!“

Sie war sofort angetan: „Und ich bin nicht mal katholisch“, sagt sie lachend. Ihre Eltern haben sie evangelisch-lutherisch erzogen, schon früh leitete sie Jugendgruppen und Schülerbibelkreise. „Als Erwachsene kam dann das knallharte Leben. Da habe ich mich für die Welt geöffnet, für alles, was es neben dem Christentum noch gibt“, erzählt Rosenberger. Seit sieben Jahren übt sie sich im Zen-Buddhismus. Daher hatte sie sich schon eine Alternative überlegt, wenn die geistliche Begleitung sie nicht angesprochen hätte: „Dann hätte ich einfach geschwiegen, gesessen und meditiert.“  

Plötzlich hört man ihr zu

Als Psychotherapeutin ist Rosenberger es gewöhnt, anderen zuzuhören. Umso dankbarer war sie, dass es nun Bruder Christian war, der ihr zuhörte. „Er hatte keinen Blick für die Uhr, sondern eine große Akzeptanz für mich und meine Ansichten. Seine Begleitung hat mich sehr berührt.“ Auch die Hütte hat ihr gut gefallen. Schon als Kind war die Natur eine Kraftquelle für sie. So war es kein Problem für sie, sich auf einen 15 Quadratmeter großen Wohn- und Schlafraum zu beschränken. Neben einem noch kleineren Gebetsraum bietet Maria Eck einen Steingarten, einen Teich und einen Zen-Garten. Die Toilette befindet sich außerhalb der Hütte in Form eines „Plumpsklos“. Geheizt wird mit einem Holzofen, der auch zum Kochen dient. Man ist dort Selbstversorger, aber die dreifache Mutter brauchte nicht so viel wie sonst im Alltag: „Der Körper kommt dort ins Gleichgewicht“, meint sie. Der Aufenthalt ist günstig, nur 20 Euro kostet die Hütte pro Tag, für die geistliche Begleitung kann eine Spende entrichtet werden.     

"Der Wald ist nicht still"

Man sei in Maria Eck dazu angehalten, möglichst nichts mitzubringen, soll tatsächlich einsiedeln und mit sich und Gott alleine sein, berichtet Rosenberger. Die Stille konnte sie genießen, aber: „Der Wald ist ja gar nicht still.“ Sie fühlte sich eher gestört, wenn andere Wanderer in ihre Einsamkeit platzten. Die Verbindung zur Natur ist für die Einsiedelei essentiell. Gleich am ersten Tag wurde Rosenberger raus ins Freie geschickt, um absichtslos in den Wald zu gehen. Was kommt auf mich zu? Was passiert in mir? Das waren die Fragen, die sie sich in diesen Momenten stellte.

Damals war sie zwischen zwei Jobs und es gab wenig, was sie belastete. Als eine Freundin sie nach ihren Erwartungen fragte, war die Antwort eindeutig: Sie wollte Gott begegnen! Das ist dann auch passiert, sagt sie. Das sei jedoch schwer zu beschreiben, doch der Moment hat sich in ihr eingebrannt: „Es war, als würde Gott aus seiner Dimension in meine hinabkommen und eine heilige Begeisterung in mir wecken.“ Durch die Zeit in Maria Eck ist sie näher ans Christentum gerückt, „wider Willen“, sagt sie lachend.  

Einsiedelei zur Nahrung geworden

Inzwischen ist die Zeit in der Einsiedelei unverzichtbar für Rosenberger geworden: „Es ist für mich wie Nahrung. Der spirituelle Weg ist der Weg zum Glücklichsein. Den kann man nicht nur einmal einschlagen, man muss ihn mehrmals gehen.“ Auch für dieses Jahr hat sie schon wieder einen Aufenthalt geplant. (Maximilian Lemli, Volontär beim Sankt Michaelsbund)


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