Wie der gute Hirte Bonaventura Lohner ist Schäfer aus Leidenschaft

09.12.2017

Die Bewahrung der Schöpfung ist für Bonaventura Lohner eine wichtige Aufgabe. Wie er sie als Schäfer erfüllt, verrät der 29-Jährige aus Au am Inn hier.

Bonaventura Lohner mit Ehefrau Annemarie und Sohn Wendelin © Huckemeyer

Au am Inn – Er trägt einen ungewöhnlichen Namen und übt einen heute außergewöhnlichen Beruf aus: Bonaventura Lohner aus Au am Inn ist Schäfer. Allerdings nur im Nebenerwerb. Sein Vorname hat in der Familie Tradition. Der heilige Bonaventura wurde, so erzählt die Legende, von Franz von Assisi als Kind geheilt, seine Mutter brachte den Buben später noch einmal zu Franziskus ans Sterbebett und der rief aus „O buona ventura“ – eine gute Fügung. Bonaventura Lohner jedenfalls gehört zu den Menschen, die davon überzeugt sind, dass alles in der Welt sinnvoll gefügt ist, zumindest wenn man nicht zerstörend eingreift.

Eine Überzeugung, die in vielen Stunden draußen in der Natur mit den Tieren bei ihm gereift ist. Als Schäfer verbringt er neben seinem Hauptberuf viel Zeit bei seiner Herde. 40 ostfriesische Milchschafe und drei Böcke hält er, zur Lammzeit vergrößert sich die Herde auf fast 100 Tiere. „Wirtschaftlich ist die Schäferei eigentlich nicht mehr“, bekennt er, der kleine Erlös kommt inzwischen vor allem aus Zuschüssen für die Natur- und Landschaftspflege. Doch genau diesen Schutzfaktor für die Natur sieht Schäfer Lohner als herausragende Aufgabe. Die Schöpfung bewahren, das ist für ihn kein abstrakter Auftrag: „Wir haben sie ja nicht bekommen, damit wir sie zerstören, wir sollen darin auch leben können.“

Für ihre kleine Landwirtschaft im Landkreis Mühldorf hat Familie Lohner deswegen entschieden, bewusst extensiv zu wirtschaften. „Wir haben eigentlich deshalb die Schäferei, weil wir das nicht verantworten wollen, dass man mit einem erheblichen Chemieaufwand mittlere Erträge erzielt und dadurch aber die Natur zerstört“, bekräftigt der Landwirt. Wie groß etwa die Pflanzenvielfalt auf den ungedüngten Wiesen sein kann, erlebt der Schäfer täglich: „Die Natur regeneriert sich ganz von allein wieder, wenn man sie lässt.“ Biodiversität ist für ihn kein Fremdwort. Er betrachtet es als positiven Effekt der Schafhaltung, dass sie die Artenvielfalt unterstützt und die Schafweiden zu Rückzugsräumen für Tiere und Pflanzen geworden sind – ein wirklicher Schatz, findet Lohner. Und da sieht er durchaus Parallelen zur Bibel: „Gott führt uns wie der gute Hirte auf die grünen Auen, genauso führen wir Schäfer unsere Tiere auf diese schützenswerten Grünlandflächen.“

Zu Weihnachten als Bub drei Schafe bekommen

Man braucht Idealismus dazu: Schäferei ist eine Berufung, als Schäfer wird man geboren. Oder zumindest beinahe. Bonaventura Lohner bekam als fünfjähriger Bub zu Weihnachten drei Schafe geschenkt, das war der Anfang. Doch leben könnte er von der Schafhaltung nicht, im Hauptberuf fährt der 29-Jährige deswegen schon in aller Früh zum Schlachthof, wo er als amtlicher Fachassistent für Fleischhygieneüberwachung arbeitet. Die Schäferei ist für ihn der beste Ausgleich zu Belastungen im Beruf. Still werden, innere Einkehr finden, das ist für den jungen Schäfer auch das Zentrum seines Glaubens. Für den spielt die Kirche natürlich eine große Rolle, vor allem das Gotteshaus Mariä Himmelfahrt in Kloster Au am Inn. Der Vater ist dort Mesner und Bonaventura Lohner unterstützt ihn dabei. Die Schöpfung und die Natur sind für den Schäfer wichtige Glaubens-Quellen. Ein Gebet, so findet er, kann auch das innere Gebet sein, wenn er im Wald unterwegs ist und den Vögeln lauscht. Das sei fast wie eine Meditation für ihn. Die Schöpfung bewahren, für die Familie da sein, Gemeinschaft leben – das ist für den Schäfer der Dreiklang seines Glaubenslebens. Die Kraft dafür bekommt er durch innere Ruhe: „Wenn man auf sich hört und nicht der Hektik verfällt, dann merkt man oft, Gott gibt uns Zeichen, wir müssen bloß auf seine Stimme hören.“

So erklärt er sich auch, warum ausgerechnet die Hirten auf dem Feld die Weihnachtsbotschaft als Erste erfahren haben: „Sie sind die, die weitab von Rummel leben, die sich die innere Ruhe bewahrt haben. Und deswegen waren sie für die Botschaft auch am empfänglichsten.“ Sogar die Schafe spürten am Heiligen Abend eine besondere Atmosphäre, meint Bonaventura Lohner. Er wird sich am 24. Dezember eine Weile zu seinen Tieren setzen. „Sie bekommen dann ein paar Streicheleinheiten und dann kehrt tiefe Ruhe ein.“ Die Zeit der Stille im Winter sei zum Kräfteschöpfen da, ist der Schäfer überzeugt. „Im Frühjahr, wenn die Lämmer kommen, steckt wie- der alles voller Kraft, aber um diese Kraft zu gewinnen, muss man erst einmal zur Ruhe kommen.“

Bonaventura Lohner spricht am Mittwoch, 13. Dezember, um 17.30 Uhr in der Reihe „An der Schwelle“ des Fachbereichs Stadtpastoral und der Marianischen Männerkongregation in der Münchner Bürgersaalkirche (Neuhauser Straße 14).

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de


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