Neugestaltung des Kardinal-Döpfner-Hauses Wie ein Kirchenschiff

15.02.2017

Viele Freisinger intessesiert, wie das Kardinal-Döpfner-Haus in Zukunft aussehen soll. Was sie über den Siegentwurf denken, erfahren Sie hier.

Dank der Detailtreue der ausgestellten Modelle können sich Interessierte gut vorstellen, wie es rund um den Domberg in Zukunft aussehen könnte. © Glawogger-Feucht

Der Plexiglaswürfel, in den die Besucher den Fragebogen mit ihrer Meinung werfen konnten, war voll. Viele Freisinger nutzten am vergangenen Wochenende die Möglichkeit, sich über die Siegerentwürfe des Architekturwettbewerbes zur Neugestaltung des Freisinger Kardinal-Döpfner-Hauses ein eigenes Bild zu machen und dann ihre Meinung kundzutun. Im Arkadencafé des Kardinal-Döpfner-Hauses waren die ersten drei der insgesamt 14 eingereichten Entwürfe ausgestellt. Zuvor hatte eine Jury um Generalvikar Prälat Peter Beer einen ersten und zwei dritte Plätze vergeben.

Sakral, kirchlich, städtebaulich visionär, beeindruckend, gelungen: Der erste Preis der gmp-Architekten findet einhellig großen Anklang bei den Besuchern der Ausstellung, bei der das weiße Modell des Siegerentwurfs im Mittelpunkt stand. „Fast wie ein Kirchenschiff“ sei der von den Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg des Architekturbüros gmp ausgearbeitete Entwurf des Anbaus mit den Türmen links und rechts und der Glasfront dazwischen, meint eine Besucherin. Zu Recht sei dies der Siegerentwurf – eine städtebauliche Bereicherung, die auch Freising wieder seinen Stellenwert im Erzbistum zurückgebe. Die „Einheit in der Vielfalt“ wahren haben das die Architekten genannt.

Schön, aber ungewohnt

„Mich beeindruckt, wie man so frei denken kann, dass etwas völlig Neues daraus entstehen kann“, sagt Martin Kopf. Der 68-jährige Pastoralreferent aus Freising ist sich gleichzeitig auch sicher, dass er sich noch daran gewöhnen müsse, vom Alten und Gewohnten Abschied zu nehmen – Gedanken, die viele Besucher ausdrücken, wenn sie die drei Entwürfe betrachten und an die kommende Bauphase denken.

Einerseits ist seit geraumer Zeit klar, dass der 60er-Jahre-Bau renovierungsbedürftig ist. Bäder und Schlafräume erfüllen nicht mehr den Anspruch, ein einladendes und der Zeit entsprechendes Bildungshaus zu sein. Egal, ob der neue Anbau nun Lichthof oder Atrium genannt wird, viele Besucher freuen sich bereits auf großartige Blicke zum Diözesanmuseum und in die Umgebung. Trotzdem werde der Neubau den Anblick des Freisinger Domes verändern. Es sollte jetzt vor allem schnell gehen, damit das Kardinal-Döpfner- Haus und auch die Bibliothek wieder mit Leben gefüllt werden, so die einhellige Meinung.

Auch die Details, die am Modell gut zu erkennen sind, werden in Augenschein genommen und kommentiert. Die Meinungen reichen dabei von „die Spitzbogenfenster schaffen ein einheitliches Bild und sind gleichzeitig ein mutiger Akzent“ und „vielleicht sind die Türme des Anbaus doch zu dominant und es muss überlegt werden, ob sie abgesenkt werden“ bis hin zu „gut, dass an Familienzimmer gedacht wird“. Schade ist nach Meinung eines Domministranten allerdings, dass im Zuge des Umbaus wohl das Ministrantenhaus weichen müsse. Den Minis diente es bisher als beliebter Raum für ihre Gruppenstunden, Besprechungen und Feiern. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, kann es abgerissen werden.

Die größten deutschen Architekten haben sich am Wettbewerb zur Neugestaltung des Kardinal-Döpfner- Hauses beteiligt. Gerne hätten viele Besucher auch die restlichen Entwürfe in größeren Räumlichkeiten begutachtet. „Das wäre der Bedeutung dieses Wettbewerbs angemessen gewesen“, so eine Besucherin. Schließlich stecke in den Entwürfen viel Arbeit, die gewürdigt werden sollte. (Alexa Glawogger-Feucht)

Stephan Warsberg © Glawogger-Feucht

Stephan Warsberg, 55, Personal- und Unternehmensberater aus Freising:
Mich begeistert die große Aula, es ist ein Raum, wo Menschen atmen können, wo auch Veranstaltungen, Konzerte und Diskussionen stattfinden können. Sie ist als völlig neue Alternative des Raums konzipiert. Durch diesen Entwurf wird auch das Diözesanmuseum aufgewertet und erhält Platz.

Johannes Dantele © Glawogger-Feucht

Johannes Dantele, 43, Architekt aus Freising:
Von den drei ausgestellten Entwürfen ist dies zu Recht der erste Preis, er hat Qualität und Struktur. Die reduzierte Fassade nimmt Bezug auf die Romanik und ist sehr gelungen. Die Türme, die die Türme des Domes symbolisieren, sind eine logische Struktur. Gerne hätte ich auch die anderen eingereichten Entwürfe gesehen und mich darüber informiert.

Hubert Hierl © Glawogger-Feucht

Hubert Hierl, 72, Stadtrat und Kulturreferent aus Freising:
Das ist ein Bauwerk, das die Harmonie zum Domberg herstellt und kein steriler Bettenbau. Auch das Diözesanmuseum wird mit eingebunden. Die Aufenthaltsqualität ist sehr hoch. Alle Wege führen hier zum Freisinger Dom. Man kann nur hoffen, dass dieser Entwurf umgesetzt wird.


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