Beistand wünschen Wie geht segnen?

24.01.2021

Es muss nicht gleich "Urbi et Orbi" sein: Segnen kann jeder - und tut es im Alltag vielleicht auch schon unbewusst.

Ein Brautpaar segnet sich gegenseitig mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn.
Ein Brautpaar segnet sich gegenseitig mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn. © imago images/Roland Mühlanger

Am Ende jedes Gottesdienstes gehört er dazu: Der Segen. Der Priester breitet die Arme aus, an Ostern und Weihnachten kommt vielleicht noch Weihwasser dazu, und dann segnet er die Gemeinde. So umständlich muss es aber gar nicht sein. Man muss sich dafür nicht in einer Kirche aufhalten und man muss vor allem kein Priester sein. Andrea Staufer ist zum Beispiel auch kein Priester, leitet aber Kinderwortgottesdienste in der Münchner Ludwigskirche und hat dort schon viele Menschen gesegnet. Sie sagt: Jeder kann segnen! Man muss dafür nur wissen, was beim Segen passiert.

„Im Grunde wünscht man beim Segen jemandem, der zum Beispiel in die Arbeit, auf eine Reise oder in die Schule geht, Gottes Beistand“, sagt Staufer. Der, da ist sich die Mutter sicher, sei zwar auch sonst vorhanden, aber die Menschen brauchen Zeichen, in die dieser Beistand gefasst wird. Das lateinische Wort für Zeichen „signum“ ist dabei auch der Ursprung des deutschen Wortes „Segen“. Die einfachste Form des Segens kommt daher sogar ohne Worte aus: Das Kreuzzeichen. „Jedes Kindergartenkind kann einen anderen Menschen mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn segnen, wenn es das bewusst tut“, erklärt Andrea Staufer.

Es geht auch ohne Weihwasser

Auch in anderen Bereichen des Lebens „verstecken“ sich ganz alltägliche Segen. So entspricht zum Beispiel auch ein Tischgebet einem Segen – vergleichbar mit dem, der an Ostern vom Priester über die Speisen für das Osterfrühstück gesprochen wird. „Das funktioniert auch ohne Weihwasser“, verspricht Staufer.

Wie das Segnen von einzelnen Personen im Privaten erfordert auch das Segnen von großen Gruppen in der Öffentlichkeit, zum Beispiel bei einem Gottesdienst, keine spezielle Ausbildung. Da ist es zwar ratsam, den Segen zuvor aufzuschreiben, aber eine bestimmte Formel oder eine Checkliste muss man nicht beachten. Ein „Segensbuch“ zum Spicken braucht es ebenfalls nicht, sagt Andrea Staufer, „denn das wichtigste ist, dass ein Segen von Herzen kommt!“

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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