Fastenzeit Wie im Kloster gefastet wird

26.02.2020

Mönche im Kloster Scheyern fasten nach der Franz-Xaver-Mayr-Methode. Dabei handelt es sich um eine "Semmel-Milch-Diät". Abt Markus Eller schwört neben der körperlichen auch auf die geistige Wirkung.

Glas Milch und zwei Semmeln
Im Kloster Scheyern wird nach der Franz-Xaver-Mayr-Methode gefastet. © seite3 - stock.adobe.com

Scheyern – Als er seine erste Fastenkur nach Franz Xaver Mayr hinter sich hatte, war für Abt Markus Eller klar: „Einmal und nie wieder.“ Das war ungefähr 2008 und seither wiederholt der Scheyerner Benediktiner diese Fastenkur jedes Jahr. Denn mit etwas Abstand nach der Premiere, „dachte ich mir, so schlecht war’s eigentlich doch nicht.“

Einen Tag nach Aschermittwoch verzichtet er seither für 14 Tage auf alles, was sonst ganz selbstverständlich auf dem Speiseplan steht: Nudeln, Kartoffeln, Obst, Fleisch, Käse. „Ich esse stattdessen alte, zähe Semmeln und die muss man kauen bis man einen Muskelkater im Gesicht hat“, schmunzelt Abt Markus. Dazu darf er eine Suppe aus ausgekochtem basischem Gemüse, also etwa Spinat oder Wirsing, zu sich nehmen und Milch, „aber die mag ich nicht und deshalb trinke ich Tee“.

Bei der „Semmel-Milch-Diät“ des österreichischen Arztes Franz Xaver Mayr, die zumindest bei Anfängern nicht ohne ärztliche Begleitung geschehen sollte, geht es weniger um die Gewichtsabnahme, sondern um die Entschlackung des Körpers.

Die geistige Wirkung


Für einen Mönch wie Abt Markus ist die geistige Wirkung aber mindestens genauso wichtig: „Durch diese Art des Fastens wird die Ernährung schon einmal hinterfragt, wie viel esse ich, was esse ich und vor allem wie schnell.“ Denn die F.-X.-Mayr-Kur, wie sie auch genannt wird, fordert eine langsame Nahrungsaufnahme und ein gründliches Zerkauen der Speisen. Die Mahlzeiten geschehen bewusst und entschleunigt. Gewürzt wird nicht, „also die Suppe schmeckt jetzt nicht besonders“, räumt der Abt ein.

Sinne werden geschärft

Ihn mache die Fastenmethode aber frischer: „Ich habe das Gefühl, dass ich mir in der Früh um 5.10 Uhr etwas wacher aus dem Spiegel entgegenblicke“. Außerdem bemerkt er, wie die Sinne geschärft werden, besonders das Geruchsempfinden. Das macht es oft schwer, den Anfechtungen beim Fasten standzuhalten. Abt Markus erinnert sich noch heute genau, wie er während einer F.-X.-Mayr-Kur einmal schon von weitem den Duft von Schweinswürsteln und Sauerkraut aus der Klosterküche gerochen hat und nur mit viel Willenskraft seinen Fastenvorsatz halten konnte.

Gemeinsam geht es leichter

Seit einigen Jahren braucht er eine solche Versuchung aber kaum noch zu fürchten. Denn schon seit längerem verzichten die Scheyerner Benediktiner während der Fastenzeit auf Fleisch und Wurst, nur am Sonntag kommt eine Bratenscheibe auf den Teller. Auf die verzichtet der Abt an den zwei ersten Fastensonntagen natürlich, denn da hält er ja seine Diät.

Alleine ist er dabei nicht: Über die Hälfte der elf Mönche ist bei der Semmel-Milch-Diät dabei, alle freiwillig, versichert Markus Eller. Aus praktischen Gründen lösen sie aber die sonst übliche Tischordnung auf, dann sitzen sich Normal- und Diätesser gegenüber: „Ich sage immer mit einem Augenzwinkern: die Schlemmer- und die Hungerseite.“ Ihre gemeinsamen Mahlzeiten wollen die Scheyerner Mönche aber keinesfalls aufgeben.

Fastenzeit ist viel mehr

Der Abt will die Fastenmethode auch „nicht auf eine ideologische Schiene schieben“. Die Fastenzeit sei „ja ein Ausdruck der Freiheit“, um Gewohnheiten zu überprüfen und bewusster zu leben. „Da soll jeder selbst etwas heraussuchen und vielleicht ist es gerade ein Phänomen unserer Zeit, dass man das Fasten nur auf Ernährung beschränkt, Fastenzeit ist viel viel mehr“, betont der 53-Jährige.

Und er schiebt einen Satz aus der Benediktregel nach: Die Mönche sollen wenigstens in den Wochen vor Ostern „in aller Lauterkeit auf unser Leben achten“.  Abt Markus hilft da die Semmel-Milch-Diät schon im Vorfeld, er nimmt in diesen zwei Wochen keine Termine an, „bei denen erwartet wird, dass ich etwas esse“.

Hat er die Diät konsequent durchgehalten, beflügelt ihn „schon ein Erfolgsgefühl und das ist auch etwas Schönes“. Danach freut er sich mit den anderen Mönchen auf das erste Frühstücksei: „Das zelebrieren wir!“ Ganz langsam essen sie es auf, so wie sie das 14 Tage lang geübt haben.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fastenzeit

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