Freundschaft und Partnerschaft Wie leben junge Menschen Beziehungen?

29.04.2019

Julia Schwarz (22) und Johannes Stopfer (25) erzählen wie sie Beziehungen pflegen. Dabei spielt die Digitalisierung eine Rolle.

Junge Menschen kommunizieren durch die Digitalisierung schneller und direkter. Dadurch steigt auch der Druck von ständiger Erreichbarkeit.
Junge Menschen kommunizieren durch die Digitalisierung schneller und direkter. Dadurch steigt auch der Druck von ständiger Erreichbarkeit. (Symbolbild) © Halfpoint - stock.adobe.com

Beim Einkaufen ist es selbstverständlich: Etwas vergessen? Kein Problem! Das Internet bietet eine große Auswahl. Ähnliches bewirken Soziale Medien in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie spiegeln die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit wieder. Neue Menschen kennenzulernen, ist leicht: egal, wann, wo und mit welchem Hintergedanken. Ist meine „Wahl“ nicht zufriedenstellend, kann ich jederzeit erneut das Smartphone zücken.

Nicht selten ist Social Media der Grund für Streit. Alles dreht sich um die perfekte Darstellung der eigenen Person. Eifersucht macht sich dabei oft unter Paaren, aber auch unter Freunden breit; etwa weil jemand ein Foto mit einer anderen Person geposted oder das eigene Bild nicht geliked hat. Aus der ständigen Erreichbarkeit entwickelt sich ein gewisser Druck. Antwortet jemand länger nicht, kommen oft Fragen auf: „Hab ich etwas falsch gemacht?“ oder „Mag mich die Person nicht mehr?“.

Julia Schwarz: "Die Sozialen Netzwerke bieten Chance"
Julia Schwarz: "Die Sozialen Netzwerke bieten Chance" © privat

Klärung per Chat

Die daraus resultierenden Diskussionen klären wir natürlich auch per Chat. Da die Reaktion der anderen Person nicht direkt sichtbar ist, entstehen häufig Missverständnisse, es fallen verletzende Worte oder es wird sich gegenseitig ignoriert. Warum nutzen wir die Sozialen Netze trotzdem so gerne? Der wohl größte Pluspunkt ist eben diese Vernetzung, die hin und wieder zu Problemen führt. Durch WhatsApp und Co. ist es unglaublich einfach geworden, mit alten Bekannten Kontakt zu halten – auch wenn alle über den Globus verstreut sind. Ebenso ist die Flexibilität gestiegen: Die Organisation eines spontanen Treffens ist absolut kein Problem mehr.

Es war auch noch nie so einfach, Gleichgesinnte zu finden. Das Knüpfen neuer Bekanntschaften, aus denen sich intensive Freundschaften entwickeln können, kennt – etwa durch Foren und verschiedene Gruppen – keine Grenzen mehr. Sowohl kulturelle als auch räumliche oder zeitliche Unterschiede können überwunden werden. Die Sozialen Netzwerke bieten Chancen, die vor einiger Zeit undenkbar gewesen wären. Jeder Mensch sollte sich aber seinen eigenen Umgang damit und deren Macht dringend bewusst machen, um vor allem vom Positiven profitieren zu können und die Probleme klein zu halten. (Julia Schwarz. Die Autorin ist Studentin der Zahnmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und BDKJ-Social Media Managerin.)

Johannes Stopfer: "Zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln sich weiter, seitdem es den Menschen gibt."
Johannes Stopfer: "Zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln sich weiter, seitdem es den Menschen gibt." © privat

Zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln sich weiter – und zwar, seitdem es Menschen gibt. Damit meine ich nicht nur die Beziehung im partnerschaftlichen Sinn, sondern jede Form der Beziehung zwischen Freundinnen und Freunden, Verwandten und Bekannten. Die weitläufige Meinung, dass „die Jugend von heute“ nicht mehr zu Beziehungen fähig sei, ist meines Erachtens auf alle Fälle Blödsinn.

Kommunikationswege und die Kommunikation selbst entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit weiter. Das ist meiner Meinung nach jedoch keine Gefahr für Beziehungen, sondern vielmehr eine große Chance. Da persönliche Treffen, Telefonate oder das klassische Date nicht verboten sind, stellen Soziale Medien, Messenger-Dienste, Dating-Plattformen und vieles mehr im digitalen Bereich ein buntes Potpourri an Kommunikationsmöglichkeiten dar. Und überall dort, wo Kommunikation stattfindet, findet auch Beziehung statt. Die Klassenkameradinnen und -kameraden aus der Grundschulzeit nicht aus dem Blick verlieren? Gut und unkompliziert möglich! Mit den Eltern in Berlin in Kontakt bleiben, während man in München studiert? Ganz einfach! Eine Partnerschaft zwischen Südamerika und Europa? Kein Problem! Eine Partnerin oder einen Partner aus dem Ruhrgebiet kennenlernen? Warum nicht?!

Toleranz ist wichtig

Neben der Kommunikation, die meiner Meinung nach den wichtigsten Teil von Beziehungen ausmacht, haben sich aber auch die Beziehungen selbst weiterentwickelt. Dabei legt „die Jugend von heute“ den Fokus nicht mehr auf das, was gesellschaftlich als „normal“ angesehen wird, sondern auf das, was für die Partnerinnen oder Partner der Beziehung richtig ist. Warum denn nicht in einer WG wohnen, wenn es gut zur Lebensphase passt? Warum denn nicht in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, wenn sich die Partnerinnen oder Partner lieben?

Warum denn nicht eine Fernbeziehung pflegen, wenn es gut klappt? Warum denn nicht Nationalität, Religion, Herkunft oder ähnliche Charakteristika links liegen lassen, wenn man doch gut zueinander passt? Persönliche Beziehungen – ganz egal, ob partnerschaftlich oder freundschaftlich – betreffen tendenziell eine sehr kleine Anzahl an Personen, nämlich die, die die Beziehung zueinander pflegen. Deshalb ist es meiner Meinung nach nur richtig, wenn man Unverständnis anderer in Hinblick auf die eigene Beziehung gekonnt ignoriert. Das große Gebot unserer aktuellen Zeit heißt nach wie vor Toleranz. Und das gilt auch für den Bereich Beziehungen. (Johannes Stopfer. Der Autor ist Student im Masterstudiengang Management von Sozial- und Gesundheitsbetrieben an der Katholischen Stiftungshochschule (KFH) München und Mitglied der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB).


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