„Herrgottsbscheißerle“ und „Wassertiere“ Wie mit Fastentricks das Durchhalten erleichtert wurde

09.03.2020

Während wir heutzutage in der Fastenzeit oft auf Alkohol, Süßigkeiten oder auch Plastik verzichten, stand früher meist der Fleischverzicht im Mittelpunkt. Um die 40 Tage gut zu überstehen, haben sich die Menschen einige Tricks einfallen lassen.

Maultaschen
„Hergottsbscheißerle“ tragen die Maultaschen als Beinamen. © quinntheislander - pixabay.com

Es hieß zum Beispiel: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Denn den durfte man in der Fastenzeit essen. Also landeten früher auch Biber und Fischotter auf dem Teller. Einige Mönche sollen das Ganze noch weiter auf die Spitze getrieben und sogar Schweine ins Wasser geworfen und ertränkt haben. Die armen Tiere waren so also auch Wassertiere und durften gegessen werden.

Flüssiges erlaubt

Während wir heute in der Fastenzeit oft auf Alkohol verzichten, lautete damals die Devise: „Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Laut einer Legende wollten die Mönche damals vom Papst wissen, ob das auch für Bier gilt. Der wollte zuerst von dem Fastenbier probieren. Diese Kostprobe soll allerdings auf dem Weg nach Rom verdorben sein, weshalb der Papst es nicht als Genuss gewertet und für die Fastenzeit erlaubt hat. Fünf Liter Bier durfte ein Mönch angeblich in der Fastenzeit trinken – pro Tag!

Versteck vor dem lieben Gott

Auch die so genannten „Hergottsbscheißerle“ waren eine Möglichkeit, um in der Fastenzeit nicht auf Fleisch verzichten zu müssen. Darin haben die Mönche einfach das Fleisch vor dem lieben Gott versteckt. Angeblich soll ein Dieb gegen Ende der Fastenzeit seine Beute verloren haben und ein Mönch hat es entdeckt. Das war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und da war Fleisch natürlich besonders wertvoll. Also hat der Mönch es einfach klein gehackt und zusammen mit Spinat im Nudelteig versteckt. Fertig war die Maultasche.

Fleischfreie Rezepte – ohne Tricks

Für alle, die ganz ohne Tricks während der Fastenzeit auf Fleisch verzichten möchten: es gibt auch leckere fleischfreie Rezepte. Monika Pienßel ist Hauswirtschaftsleiterin im Exerzitienhaus Schloss Fürstenried und hat zwei ihrer Lieblingsrezepte für Sie herausgesucht:

Sauerrahmstrudel mit mediterranem Gemüse (ergibt 2 mittelgroße Strudel)

Teig:
440 g Mehl
120 g weiche Butter
200 g Creme fraiche
1 EL Essig
Salz

Füllung:
250 g Zucchini
250 g Paprika rot
250 g Auberginen
60 g Zwiebelwürfel
1 Knoblauchzehe
Öl zum Anbraten
Salz, Pfeffer, Basilikum, Oregano

1 Eigelb zum Bestreichen

Für den Teig alle Zutaten rasch zu einem glatten Teig verarbeiten und mindestens 1 Stunde abgedeckt ruhen lassen.
Gemüse für die Füllung waschen und zurichten und in ca. 1,5 x 1,5 cm schneiden. Gemüse in Öl und Knoblauch andünsten und mit Gewürzen abschmecken.
Füllung abkühlen lassen, da sonst Teig leicht durchweicht.
Teig in zwei Stücke teilen und Rechtecke zu ca. 30 x 20 cm ausrollen, Gemüsefüllung darauf geben, Strudel zusammenrollen und mit der „Naht“ nach unten auf gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit Eigelb bestreichen.

Bei 180 Grad ca. 20 Minuten backen.

Dazu schmeckt entweder Tomatensauce oder auch ein Dip aus Quark oder Sauerrahm.

Haferflocken-Gemüse-Taler

200 g Haferflocken
250 ml Milch
100 g Möhren
100 g Zucchini
1 Zwiebel in Würfel
1  Ei
1 EL Mehl
100 g geriebener Käse
Salz, Pfeffer, etwas Curry, Thymian
Öl zu Braten

Haferflocken in heißer Milch einweichen.Möhren schälen und fein raspeln, Zucchini waschen und fein raspeln.Zwiebeln in Öl anbraten.Alle Zutaten Haferflocken, Möhren, Zucchini, Zwiebeln, Ei, Mehl und Käse vermengen und würzen.Puffer formen und in Öl ausbraten.

 Dazu passt gemischter Salat, Kartoffelsalat oder Kartoffeln und ein Kräuterdip aus Sauerrahm oder Quark.

Die Autorin
Lydia Jäger
Radio-Redaktion
l.jäger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fastenzeit

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