Missbrauch Wie nah ist zu nah?

28.02.2020

Kinder und Jugendliche vor Missbrauch zu schützen, ist seit rund 30 Jahren eines der wichtigsten Ziele des Vereins Amyna. Dazu bietet er auch spezielle Informations- und Fortbildungsangebote für Pädagogen an, die dazu beitragen sollen, sexuelle Übergriffe innerhalb von Kitas, Schulen oder Vereinen zu verhindern.

Mädchen kniet in einer Ecke und hält die Hand wie ein Stopp-Schild vor sich.
„Nein!“ sagen ist erlaubt © doidam10 - stock.adobe.com

München –  Sexueller Missbrauch findet nach wie vor dort am häufigsten statt, wo sich Kind und Täter beziehungsweise Täterin kennen, also im sozialen Umfeld der Kinder und Jugendlichen. Gerade auch Kitas, als Orte an denen Kinder einen Großteil ihres Tages verbringen, sind daher besonders verpflichtet sicherzustellen, dass Kinder dort in geschützter Atmosphäre groß werden können. Beim Verein „Amyna“ aus München finden Pädagogen dafür Unterstützung.

Kein Kind kann sich allein schützen

Das Wort „Amyna“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Widerstand. Genau diesen Widerstand gegen jegliche Form von sexueller Gewalt zu stärken hat sich der Verein Amyna zur Aufgabe gemacht.  Aber, so erklärt die Mitarbeiterin Yvonne Öffling: „Kein Kind kann sich allein schützen.“ Aus dieser Haltung heraus wenden sich alle Angebote von Amyna „grundsätzlich an Erwachsene, die dafür Verantwortung tragen den Schutz von Mädchen und Jungen zu gestalten“. Die verschiedenen Fortbildungen, Elternabende, Beratungen und das Medienangebot in der Infothek des Vereins am Mariahilfplatz konzertiert sich dabei immer auf die Prävention. „Wenn sich aber Fachkräfte an uns wenden, weil sie einen Verdachtsfall haben, sehen wir es als unsere Aufgabe an, sie weiterzuvermitteln an die entsprechenden Stellen“ versichert die Sozialpädagogin.

Schutzkonzepte als Voraussetzung für Missbrauchsprävention

Gerade auch für Kitas sollte es zum pädagogischen Standard gehören, ein eigenes Schutzkonzept vorweisen zu können. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen von Amyna können Pädagogen solche Schutzkonzepte, speziell für Ihre Einrichtung, erarbeiten.

Dabei legen sie gemeinsame Verhaltensregeln fest, wenn es z.B. um Nähe und Distanz zwischen Kindern und Pädagogen geht. Außerdem werden Beschwerdeverfahren und Möglichkeiten der Elternarbeit bestimmt, oder auch Kinderrechte im Leitbild der Einrichtung verankert.

Bisher gibt es leider keine gesetzlichen Vorgaben, die das Vorhandensein von Schutzkonzepten in Kitas regeln.  Was sich der Verein Amyna daher wünschen würde ist, „dass die Gesetzgebung nochmal deutlicher Schutzkonzepte von allen Einrichtungen fordert“.

Sprachfähig bleiben über Sexualität

Damit Missbrauch von Kindern verhindert oder zumindest schnellstmöglich aufgedeckt werden kann ist es wichtig, das Thema Sexualität nicht auszuklammern. Sowohl in Betreuungseinrichtungen als auch innerhalb der Familie. Denn, so die Sozialpädagogin Yvonne Öffling: „Wenn Sie nicht über Sexualität sprechen, geben sie den Kindern eine sehr klare Botschaft, dass sie nicht sprachfähig in diesem Bereich sind und dann werden die Kinder mit unangenehmen oder sehr übergriffigen Erfahrungen nicht zu ihnen kommen.“ Nur Erwachsene, für die Sexualität kein Tabuthema ist, können Kinder wirksam vor Missbrauch schützen. (Carolin Engel)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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