Pilgern Wie Pilgern und Wallfahren ineinander übergehen

01.06.2018

Die einen pilgern auf dem Jakobsweg, andere machen eine Wallfahrt nach Altötting. Ist das beides das Gleiche in Grün?

Pilger auf dem Jakobsweg. © imago

Pilgern heißt, sich auf den Weg zu machen zu einem heiligen Ort, der eine größere Nähe zu Gott verspricht. Die Tradition des Pilgerns zu wichtigen religiösen Zentren gibt es in allen Religionen. Die Erfahrung gläubiger Menschen, auf bestimmten Wegen oder an besonderen Orten die Nähe Gottes in spezieller Weise zu erleben hat den Brauch des Pilgerns begründet. Das Wort Pilgern kommt ursprünglichen aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „unterwegs sein“, „wandern“, „in der Fremde sein“. Diese Bedeutungen erschließen den tieferen Sinn des Pilgerns: Pilgern beschreibt eine Grundhaltung des Menschen, denn als Menschen sind wir immer unterwegs, immer auf der Suche. In diesem Sinn ist Pilgern eine religiös motivierte Reise, die in vieler Hinsicht mit einer Wallfahrt vergleichbar ist.

Abraham als erster Pilger

Pilgern gehört zur christlichen Heilsgeschichte und wird schon im Alten Testament beschrieben. Abraham hat sich als einer der ersten Pilger auf den Weg gemacht: Er folgt dem Ruf Gottes, verlässt mit seiner Frau Sarah und seiner Familie seine Heimat und macht sich auf den Weg, um das verheißene Land Kanaan zu suchen. Für den Pilger Abraham stehen die Erlebnisse unterwegs im Vordergrund, anders als die den Jahreslauf prägenden Wallfahrten, die schon früh zum religiösen Leben Israels gehören und an den Tempel in Jerusalem als heiligen Ort gebunden waren.

Für Wallfahrer steht das Ziel im Vordergrund

Dass der Tempel von Jerusalem bevorzugtes Wallfahrtsziel und Höhepunkt im Leben jedes gläubigen Juden war, berichtet der Psalmist: „Ich freute mich, als man mir sagte: ,Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.‘“ (Ps 122,1) Zu den Wallfahrtsfesten nach Jerusalem war auch Jesus als Pilger unterwegs, wie im Neuen Testament erzählt wird. Die bekannteste biblisch berichtete Wallfahrt Jesu nach Jerusalem ist die zu dem Pessachfest, an dem er mit seinen Jüngern das Letzte Abendmahl feiert. Jesu Tod und Auferstehung bewegt später die ersten Christen, an die Orte seines Wirkens zu reisen, um ihren Glauben zu stärken.

Im Laufe der Geschichte wurden die Orte, wo Jesus geboren, gekreuzigt und begraben wurde und wo er auferstanden ist, zu beliebten Pilgerzielen. Der Bau von Wallfahrtskirchen an diesen heiligen Orten machte diese Pilgerstätten auch für die nachfolgenden Generationen von Christen attraktiv.

Tempelberg mit Felsendom in Jersualem
Tempelberg mit Felsendom in Jersualem © Wolfgang Radtke

Mittelalter bringt Pilger- und Wallfahrtsboom

Mit Beginn der Heiligenverehrung wurden auch die Gräber der Märtyrer und Heiligen zu Anziehungspunkten der Pilgernden. Seit dem vierten Jahrhundert setzte die Verehrung der sterblichen Überreste der Heiligen ein. Im Mittelalter war die Hoffnung auf Heilung einer der wichtigsten Beweggründe für das Pilgern. Ein regelrechter „Pilgerboom“ setzte ein: Freiwillige Bitt- oder Dankpilgerreisen innerhalb einer Gruppe prägten die mittelalterliche Frömmigkeit. Nach der Reformation begannen viele dann auch, sich privat auf den Weg zu machen. Was sich aber nicht verändert hat: Zu den drei bedeutendsten christlichen Fernpilgerzielen gehörten weiterhin Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela.

Pilger machen eine Reise zu sich selbst

Ob Menschen nun auf dem Weg sind zur Grabeskirche in Jerusalem, zum Grab des heiligen Jakobus im spanischen Santiago oder zur Muttergottes Maria im französischen Lourdes: Pilger machen immer auch eine Reise zu sich selbst. Das Ziel des Pilgerns ist das Gehen des Weges selbst. Dabei zeigt sich oft eine Erfahrung von Freiheit. Die persönlichen religiösen Überzeugungen können dabei sehr individuell sein. In einem weiteren Sinn kann man diese Pilgerhaltungen auch in den Alltag mitnehmen, und dann so manches als Pilgererfahrung in das eigene Leben integrieren.

Wallfahrt als kurze Unterbrechung des Alltags

Die Wallfahrt ist da schon eher eine religiöse Unterbrechung des Alltags. Viele wollen dabei auch ein Fest des Glaubens erleben. Die Weltjugendtage beweisen das immer wieder aufs Neue. Natürlich sind auch die beschriebenen Pilgerhaltungen für eine Wallfahrt wertvoll, bleiben aber doch mehr im Hintergrund.

Pilgerweg und Wallfahrt sind also kein Widerspruch. Es gibt auch beides in einem, wenn die jeweiligen Gegebenheiten bei den verschiedenen Etappen entsprechend hervortreten. Beide weiten den Horizont, vertiefen den Glauben und stärken das Vertrauen in Gott, der alles zum Guten führt bei den Menschen, die ihn suchen.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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