Ramadan light? Wie verändert Corona das Fasten

21.04.2021

Muslime auf der ganzen Welt fasten derzeit zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang. Das Fastenbrechen in Gemeinschaft ist aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Die Vize-Direktorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg kann der Situation dennoch etwas Positives abgewinnen.

Koran in einer Moschee
Im Ramdan wird der Koran, die heilige Schrift des Islams, rezitiert. © Saida Shigapova - stock.adobe.com

Penzberg – Seit gut einer Woche begehen Muslime auf der ganzen Welt den Ramadan. Das bedeutet Fasten von Sonnenauf- bis -untergang, es wird dabei unter anderem komplett auf Essen und Trinken verzichtet. Auch im zweiten Jahr der Pandemie gibt es keine Ausnahmen oder Lockerungen, so Gönül Yerli, Vize-Direktorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg. Das Fasten werde nach wie vor eingehalten, „und es ist dieses Jahr etwas schwieriger, weil die Gemeinschaft fehlt, denn Fasten steht auch ganz groß im Zeichen der Gemeinschaft“. Normalerweise laden sich Familien gegenseitig zum Fastenbrechen ein, das sei mit den aktuellen Zahlen und Beschränkungen nicht möglich. Allerdings kann Yerli der Situation auch etwas Positives abgewinnen, denn nun werde mit der Kernfamilie das Fasten gebrochen und man habe mehr Zeit für diese kleine Familie.

Digitaler Kontakt über Facebook und YouTube

Ganz ohne die Gemeinde müssen die Mitglieder in Penzberg nicht durch den Ramadan gehen. Gönül Yerli und ihr Team haben an alle Karten mit tröstenden Worten verschickt, um Verbundenheit herzustellen. Außerdem wird auch digital Kontakt gehalten. „Es gehört zu einer guten Tradition, dass im Ramadan der Koran rezitiert wird, jeden Tag 20 Seiten“, so Yerli. Das werde in diesem Jahr über Facebook und über YouTube geschaltet, „sodass die Familien und die Muslime diese Koranrezitation so auch mitgehen können.“

Monat der Geduld und Solidarität

Dass dieser Ramadan anders, aber auch positiv sein kann, betont auch der Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg in seiner YouTube-Ansprache, „wir können uns mehr auf die Grundidee des Verzichtens konzentrieren“, so Benjamin Idriz, sei es der Verzicht auf Konsum oder auf Treffen. „Der Monat Ramadan ist der Monat der Geduld und Solidarität“.

Ramadan

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Sein Name kommt aus dem Arabischen. Er leitet sich aus der Wurzel "ramida" ab und steht für "brennende Hitze und Trockenheit". Nach islamischer Überzeugung wurde dem Propheten Mohammed in diesem Monat der Koran geoffenbart. Das Fastengebot gilt für alle Muslime ab der Religionsmündigkeit, was dem Alter von etwa 14 Jahren entspricht. Maßgeblich sind die Verse 183 bis 185 von Sure 2. Diese Koranpassage beginnt mit den Worten: "Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist." Zwischen dem Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang ist Muslimen Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt. Mit dem "Iftar", dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. (kna)

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de


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