Eucharistie Wie wird Jesus in Brot und Leib gegenwärtig?

07.04.2018

Pfarrer Stephan Fischbacher versucht es zu erklären und vergleicht die Tatsache mit einem Zigarettenstummel.

In Brot und Wein wird Jesus gegenwärtig.
In Brot und Wein wird Jesus gegenwärtig. © AdobeStock/Magdalena Kucova

Wenn ich als Gemeindepfarrer im Gottesdienst den Leib Christi spende, dann zeige ich dem oder der Gläubigen ein kleines Stückchen trockenes Brot und spreche: „Der Leib Christi.“ Mein Gegenüber stimmt der Aussage zu und sagt: „Amen.“ Es ist ziemlich schwer zu begreifen, was wir Christen hier tun. Etwas, das wie Brot aussieht, riecht und schmeckt, das nennen wir Leib Christi.

Dieser Glaube basiert vor allem auf zwei biblischen Aussagen, die eine aus dem Johannesevangelium: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6,51) Die andere wird so ähnlich bis heute in jeder Messfeier zitiert: „Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,23) Dass wir in der Messfeier das Brot den Leib Christi und den Wein das Blut Christi nennen, geht also direkt auf Jesus zurück. Er selbst ist die wesentliche Grundlage für unseren Glauben, dass er in der Gestalt des Brotes und des Weines unter uns gegenwärtig wird.

Nicht den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen

Doch wie kommt das zustande? Im Rahmen der Messfeier geschieht das, indem der Priester gemeinsam mit der Gemeinde um den Heiligen Geist bittet, der Brot und Wein in Leib und Blut Christi wandelt. Dazu spricht der Priester die Einsetzungsworte: Das ist mein Leib – Das ist mein Blut. In der Erinnerung an Jesu Leben – von der Empfängnis, über die Geburt, seine Lehre und seine Taten, seinen Leiden, seinen Tod und schließlich seine Auferstehung und Himmelfahrt – erfährt die Gemeinde die reale Anwesenheit desjenigen, an den sie denkt: Jesus Christi selbst. Im Leib und Blut Christi wird Jesus so gegenwärtig, wie ihn die Jünger erlebt haben: nicht als sie beim Letzten Abendmahl neben ihm saßen, sondern als er wenige Tage später als Auferstandener in ihre Mitte getreten ist. Da ist er leiblich erschienen, war aber nicht den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen. In der Messfeier tritt Jesus in die Mitte jeder Gemeinde, die sich in seinem Namen versammelt, um Eucharistie zu feiern. Und die Gemeinde begegnet dem auferstandenen Christus.

Pfarrer Stephan Fischbacher
Pfarrer Stephan Fischbacher © privat

Die letzte Zigarette des Vaters

Leib und Blut meinen also keinesfalls die materielle Substanz, aus denen der menschliche Körper aufgebaut ist, sondern sie bezeugen den Auferstehungsleib. Der brasilianische Theologe Leonardo Boff wollte das einmal mit einem ungewöhnlichen Vergleich verdeutlichen. Als er in München studierte, bekam er eines Tages einen Brief mit der Nachricht, sein Vater sei gestorben. Im Briefumschlag fand Leonardo einen Zigarettenstummel. Die letzte Zigarette, die sein Vater geraucht hat. Er schreibt: „Von diesem Augenblick an ist der Zigarettenstummel kein einfacher Zigarettenstummel mehr. Denn er wurde zu einem Sakrament: (Er) lebt, spricht vom Leben und begleitet mein Leben. (…) Mein geistiges Auge sieht die väterliche Gestalt vor sich, wie sie (…) den Tabak rollt, das Feuerzeug anzündet, lang an der Zigarette zieht, (…) Zeitung liest bis tief in die Nacht hinein, im Büro arbeitet und dabei raucht (…) und raucht.“ (Leonardo Boff: Kleine Sakramentenlehre, Patmos Verlag, Düsseldorf 1976, Seite 29 f.)

Verpackung und Inhalt unterscheiden

Auch wenn der Vergleich Boffs hinkt: In der Kommunion müssen wir die Verpackung vom Inhalt, das heißt die äußere und die innere Wirklichkeit unterscheiden. Im äußeren Zeichen des Brotes und des Weines erfahren wir ganz konkret (leiblich): Jesus ist unter uns. Durch den leiblichen Vollzug des Mahles wird das Leben Jesu immer mehr zu unserer eigenen, inneren Lebenswirklichkeit. (Pfarrer Stephan Fischbacher ist Leiter des Pfarrverbands Waakirchen)


Das könnte Sie auch interessieren

Bischöfe debattieren über den Kommunionempfang für nicht-katholische Ehepartner.
© Fotolia/Gerhard Seybert

Deutsche Bischofskonferenz Bischöfe setzen Gespräche über Kommunionempfang fort

Unter welchen Bedingungen dürfen nicht-katholische Ehepartner an der Kommunion teilnehmen? Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu eine Handreichung beschlossen. Nun gibt es eine finale Fassung.

24.04.2018

Die meisten Erstkommunikanten sind sieben bis neun Jahre alt.
© AdobeStock/slavio2004

Frühkommunion Empfang der Eucharistie vor der dritten Klasse möglich

Wann soll ein getaufter Christ zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen? Die Frage ist so alt wie die Kirche selbst.

10.04.2018

Die Farbe Weiß steht oft für Erleuchtung, Unschuld und Einfachheit.
© AdobeStock/jakkapan

Klassisches Datum für Erstkommunion Weißer Sonntag – was ist das?

Der Weiße Sonntag wird am ersten Sonntag nach Ostern begangen

06.04.2018

Mit Abendmahls- und Eucharistiefeiern gedenken Christen des letzten Abendmahls Jesu.
© AdobeStock/wideonet

Wird Mundkommunion zum neuen Trend? Erfahrungen eines Pfarrers mit der Mundkommunion

Pater Alfons Friedrich, Pfarradministrator im Pfarrverband Haidhausen, hat in mehr als 30 Jahren als Priester mit Sicherheit schon über 100.000 Mal die Kommunion ausgeteilt. In der Sendung „Die...

04.04.2018

Das Ausnahmerecht für die Handkommunion muss der Heilige Stuhl erteilen.
© AdobeStock/pawel70

Hand - oder Mundkommunion? Den Leib Christi in das Leben legen

Die Hände erzählen viel über das Leben des einzelnen Menschen. Für Pater Gunnar Bauer ist es daher etwas Besonderes den Leib Christi in diese zu legen.

03.04.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren