Kardinal Marx zu Amoris laetitia Wiederverheiratete Geschiedene nicht in einer Sackgasse lassen

21.12.2016

Kardinal Reinhard Marx hält die päpstlichen Aussagen zu Ehe und Familie für unmissverständlich. Der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sieht auch keinen Bedarf eines erläuternden Schreibens der katholischen Kirche in Deutschland.

Kardinal Marx sieht klare Linie des Papstes © SMB

München – Kardinal Reinhard Marx sieht in dem päspstlichen Lehrschreiben Amoris laetitia keine Missverständlichkeiten hinsichtlich wiederverheirateter Geschiedener. Sie sollen nicht bis zum Ende ihres Lebens "wie in einer Sackgasse eingemauert sein" und gegebenenfalls auch wieder zur Kommunion und zur Beichte gehen dürfen. Das sagte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Dabei handle es sich um keine neue Lehre, betonte Kardinal Marx: "Der Papst will, dass wir einen neuen, pastoralen Blick auf die Realität werfen und unser Leben, auch wenn es nicht immer gelungen ist, mit dem Anspruch des Evangeliums verbinden und der Barmherzigkeit Gottes vertrauen."

Gewissen ist entscheidend

Diesen Standpunkt unterstrich der Erzbischof am Dienstag bei einem Gespräch mit Journalisten im Münchner Presseclub. Er halte die Aussagen in Amoris laetitia "nicht für so missverständlich, wie manche sagen". Es müsse stets auf die "einzelne Situation geschaut werden". Man könne nicht davon ausgehen, „jemand sei für immer im Zustand der schweren Schuld, unabhängig davon in welcher persönlichen Situation er sich befindet.“ Dies habe Papst Franziskus "ganz klar" formuliert. Kardinal Marx lehnte im Münchner Presseclub auch eine weitergehende Stellungnahme oder einen eigenen Hirtenbrief der Deutschen Bischöfe dazu ab: "Wir können ja Amoris laetitia nicht neu schreiben oder korrigieren."

Begleiten, unterscheiden, integrieren

Hinsichtlich der sich daraus ergebenden "anspruchsvollen" Pastoral könnten die Bischöfe aber noch einmal Ermutigungen und Hinweise geben. "Die einzelne Situation und das Gewissen sind die entscheidenden Größen, auf die man sich dann in der begleitenden Seelsorge einlassen muss. Begleiten, unterscheiden, integrieren, das gilt auch in diesen Fällen." Er habe dies auch dem Priesterrat und den Dekanen in seiner Erzdiözese mitgeteilt, so Kardinal Marx. Dies müsse nun auch in den Gemeinden erläutert und weitergegeben werden. Dabei hat der Erzbischof auch die Ausbildung und Begleitung der Priester im Auge: "Da kann man sicher noch etwas tun."

In den vergangenen Wochen hatte es eine intensive Debatte um das päpstliche Lehrschreiben Amoris laetitia in der katholischen Kirche gegeben. Vier Kardinäle hatten den Papst in einem umstrittenen Brief dazu aufgefordert, klarere Aussagen zu treffen. (KNA/Alois Bierl)

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Kardinal Marx im Münchner Presseclub zu Amoris laetitia

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Amoris laetitia

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