Widerstandsgruppe "Weiße Rose" Willi Graf: Ein Vorbild, das prägt

06.05.2021

Mitglieder der "Weißen Rose" sind in Deutschland die häufigsten Namensgeber für Schulen. Am Willi-Graf-Gymnasium geht es aber um mehr als den Namen.

Auch Direktor Dominik hat den Anspruch, die Schule nach den Idealen Willi Grafs zu führen.
Auch Direktor Dominik hat den Anspruch, die Schule nach den Idealen Willi Grafs zu führen. © SMB/Bauer

München – Willi Graf ist nicht nur Name, sondern Programm. Darauf legt man am 1972 erbauten gleichnamigen Gymnasium am Scheidplatz seit fast 50 Jahren großen Wert. Der Münchner Medizinstudent leistete als Mitglied der „Weißen Rose“ aktiv Widerstand gegen die Nationalsozialisten und wurde wie viele seiner Mitstreiter 1943 ermordet. Der Erinnerungskultur an sein Engagement wird am Münchner Gymnasium viel Raum gegeben. Büsten, Gemälden, Wandtattoos und Zitate Grafs findet man fast überall im Gebäude. Dabei liegt der Fokus weniger auf der historischen Person als vielmehr auf dessen Idealen. Der Namensgeber soll für die Schüler ein Vorbild sein – und ist es auch. „Er hat mein Interesse an der weißen Rose, an Antirechtsextremismus oder an Antirassismusbewegungen überhaupt erst geweckt“, sagt Siebtklässler Quirin.

In der Haltung reifen

„Lernen am Modell“ – so nennt Schulleiter Dominik Blanz die Erinnerungskultur um Willi Graf an seiner Schule. Eine kleine Büste des Widerstandskämpfers steht auf dem Besprechungstisch im Direktorat. Er ist der rote Faden, der sich vom ersten Schultag an bis zum Abitur durch die Schulzeit zieht. „Die Kinder sollen Willi Grafs Werte, Ideale und seine Haltung selbst leben und mitnehmen, wenn sie hier diese Schule verlassen“, betont Blanz. Dafür arbeitet das Lehrerkollegium eng mit dem Elternbeirat zusammen. Im Zentrum dieser Zusammenarbeit steht zu Beginn jedes Schuljahres ein Thementag rund um Willi Graf für die neuen fünften Klassen.

Graf-Neffe Joachim Baez reist dafür trotz seiner 77 Jahre jeden Herbst die rund 800 Kilometer aus Ostfriesland an, um den neuen Schülern von seinem Onkel und der Weißen Rose zu erzählen. Wie auch schon seiner Tante Anneliese vor ihm ist Baez das Andenken an seinen Onkel ein großes Anliegen. Die Familie will dem Widerstandskämpfer so auch in der heutigen Zeit eine Stimme verleihen. „Es geht darum, den Kindern eine Gelegenheit zu geben, Fragen stellen und einen Bezug auf sich selbst herstellen zu können.“ Das gelingt vor allem, weil die Schüler nicht nur über jemanden, sondern mit jemandem aus Grafs Familie auf Augenhöhe sprechen können, erinnert sich Siebtklässler Quirin.

Überzeugt sein und andere überzeugen

Damit die Eindrücke dieses Treffens nicht verloren gehen, bekommt jede Klasse am Ende der Veranstaltung einen weißen Rosenstock überreicht. In einem Beet im Schulhof eingepflanzt, sollen die Pflanzen die Schüler über ihre gesamte Schulzeit daran erinnern, wie wichtig es ist, Werte und Ideale zu pflegen. „Es geht aber nicht nur um einen selbst“, betont Baez, „es geht auch darum, andere Leute zu überzeugen.“  So wie es eben auch Willi Graf selbst getan hat. Ein Motto, dass bis zum Abitur, bei dem die Absolventen neben ihrem Zeugnis ein weiteres Mal jeweils eine weiße Rose erhalten, prägend bleibt. Dafür sorgen vor allem auch die Schüler selbst: Seit einigen Jahren wird besonderes couragiertes soziales Engagement mit dem „Willi Graf Preis“ ausgezeichnet. 2021 wurde Ehrung verliehen „für das bewundernswerte Durchhaltevermögen, die Geduld und die Anstrengung, den Mut gerade in außergewöhnlichen Zeiten nicht zu verlieren“ – an die ganze Schulfamilie.

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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