Adventrufe Willkommen bei warmer Suppe

07.12.2019

Mit ihrem roten Rollermobil will Kirsten Arnold vom Projekt "MyWay" mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen an den Brennpunkten in Freising ins Gespräch kommen.

Caritas-Sozialpädagogin Kirsten Arnold im Gespräch mit Suppenmobil-Besuchern. © Caritas Freising/Caritas München und Oberbayern

Freising – Dienstags und freitags fährt ein rotes Rollermobil, eine Ape, durch Freising. Am Steuer sitzt Kirsten Arnold, Sozialpädagogin bei den Caritas-Beschäftigungsbetrieben. Im dreirädrigen 3-PS-Gefährt mit Kastenaufbau transportiert die Caritas-Mitarbeiterin seit 1. Juli an warmen Tagen Sandwiches, Pizza und an kalten Tagen einen großen Topf Suppe. Ihr Ziel: einer der Freisinger Brennpunkte, an denen sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren aufhalten, die vor allem ohne soziale Anbindung sind. Bei Speisen und Getränken will die Sozialpädagogin niedrigschwellig ins Gespräch kommen und die, die sie regelmäßig antrifft, durch das „MyWay“-Projekt in die Gesellschaft zurückführen.

Treffpunkt für junge Menschen

Freitag, 15 Uhr, unter einer Freisinger Brücke: Arnold parkt die Ape. Dort wird die Sozialpädagogin bereits von einer kleinen Gruppe junger Erwachsener erwartet. Nachdem die Ape-Fahrerin ausgestiegen ist, begrüßt sich die Runde per Handschlag und mit einem Lächeln. Dann öffnet Arnold die Klappe und zieht einen ZehnLiter-Suppentopf hervor. „Heute gibt es Kürbissuppe“, erklärt sie. Sie greift zu den kompostierbaren Suppenschalen und den Löffeln, verteilt beides unter den Wartenden und schöpft alle Teller voll. „Die hat unser Koch Patrick im Caritas-Buchcafé Etappe zubereitet“, berichtet Arnold.

Hilfe bei Behördengängen

„Die mobile Suppenküche ist gut. Man kann sich da treffen und das Essen ist lecker“, berichtet der 18-jährige Tim. „Das Projekt MyWay hat mir schon geholfen, Behördengänge zu erledigen. Beispielsweise als ich zum Jobcenter, Arbeitsamt oder Jugendamt musste. Auch ein Praktikum zum Kfz-Mechatroniker wurde mir vermittelt.“ Er komme immer vorbei, wenn er Zeit habe. „Ich helfe ehrenamtlich im Buchcafé Etappe in der Küche, im Service oder auch in der Gartenpflege mit und habe deshalb jeden Tag einiges zu tun.“
Tim ist einer der etwa 180 jungen Menschen, die seit Jahresanfang auf das rote Caritas-Gefährt aufmerksam geworden sind. „Bei der Suppenausgabe gehen die Gespräche nicht sehr in die Tiefe“, sagt der junge Mann. „Hier geht es eher ums Willkommensein, Suppeessen, Trinken und auch mal Bocciaspielen. Im MyWay-Büro lassen sich die Gespräche dann vertiefen und auch konkrete Hilfe erfragen. Die Stunde, die die Ape Halt macht, vergeht wie im Flug. Arnold packt zusammen und bringt das Suppen-Gefährt zurück zum Parkplatz des Caritas-Gebrauchtwarenhauses Rentabel, wo die Ape bis zum Dienstagnachmittag auf ihren nächsten Einsatz wartet.

Pädagogische Begleitung

Bereits im Dezember 2018 hatte sie ihre Premierenfahrt. „Damals, passend zur Adventszeit, mit Lebkuchen und alkoholfreiem Punsch“, berichtet Fachdienstleiterin Andrea Lachner. Ihr Team und sie haben das innovative Projekt im Brainstorming-Verfahren entwickelt, für das sie mit der Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugend und Familie, dem hiesigen Jobcenter und dem Jugendamt kooperieren. Mit „MyWay“ soll vor allem die junge Generation niederschwellig und anonym abgeholt und aufgefangen werden, die keine Schulausbildung oder keinen Ausbildungsplatz hat, aber auch nicht beim Jobcenter oder woanders gemeldet ist und durchs Netz zu fallen droht.

Adventrufe

In der Vorfreude auf Weihnachten und in besinnlichen Stunden wird besonders deutlich, dass Krankheit, Armut und Schicksalsschläge vor der „staaden Zeit“ nicht Halt machen. Daher werden in der Reihe "Adventrufe" auch heuer wieder Menschen vorgestellt, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Um Familien, Frauen, Männern und Kindern in großen Notlagen gezielt helfen zu können, bitten Caritas und Münchner Kirchenzeitung auch dieses Jahr in der Adventszeit wieder gemeinsam um Spenden für die Aktion „Adventrufe“. Wenn Sie helfen möchten, können Sie unter dem Stichwort „Adventruf 2019“ auf folgendes Konto des Caritasverbandes der Erzdiözese bei der Liga-Bank München spenden: IBAN: DE 53 7509 0300 0002 2977 79 BiC: GENODEF1M05

„Der regelmäßige Kontakt zu unseren Caritas-Mitarbeitenden soll die Suppenmobil-Besucher ins Sozialkaufhaus Rentabel oder ins Buchcafé Etappe bringen. Dort finden Menschen mit multiplen Problemlagen eine Beschäftigungsmöglichkeit mit pädagogischer Begleitung“, berichtet Lachner. Dafür gibt es in der Etappe eine halbe Sozialpädagogenstelle. Erste Erfolge gibt es bereits. „Der ein oder andere engagiert sich inzwischen für die Etappe oder unterstützt unser Projekt durch das Verteilen von Flyern“, freut sich Arnold. „In den kommenden Wochen wird das Projekt überprüft und anschließend entschieden, ob es bestehen bleibt. Ich hoffe sehr, dass es weitergeht, da die Netzwerkarbeit gerade erst so richtig anläuft.“ Dann bestünde auch die Chance, dass das „MyWay“-Ziel, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen langfristig auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, real wird. Einen weiteren Wunsch hat Arnold zur Winterszeit: „Wir können momentan Mützen, Schals, Handschuhe, Socken, Decken und Schlafsäcke gut gebrauchen. Außerdem Geldspenden, damit wir eine Küche zum gemeinsamen Kochen anschaffen können.“ (Valentina-Anna Rätz)

 

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