Tuntenhausen Windeln für das Jesuskind

26.04.2019

Die Marienstatue in der Basilika in Tuntenhausen bekommt nach der Renovierung pünktlich zu Ostern ein neues Gewand angelegt. Und auch das Jesuskind bekommt neue Kleider.

Zu Ostern bekommt Maria ein weißes Kleid angezogen.
Zu Ostern bekommt Maria ein weißes Kleid angezogen. © Stache

Tuntenhausen – Was ziehe ich heute an? Diese Frage stellt sich besonders vor wichtigen Anlässen und Feiern. Nicht aber bei der Muttergottes am Hochaltar der Wallfahrtskirche von Tuntenhausen (Dekanat Bad Aibling). Die Tradition, Heiligenfiguren mit Textilien zu bekleiden, scheint es schon zur Zeit der Gotik gegeben zu haben. Auch in Tuntenhausen wird dieser Brauch gepflegt, war bislang jedoch Pfarrer Amit Sinha Roy vorbehalten.

Zur Wiedereröffnung der Basilika am Palmsonntag stand nach langer Zeit wieder einmal eine Einkleidung an. Nach der zwischenzeitlichen krankheitsbedingten Beurlaubung von Pfarrer Sinha Roy hat dies Pfarradministrator Bruno Bibinger gemeinsam mit Sakristanin Erika Zimmert und ihrem Mann Bruno übernommen.

14 verschiedene Gewänder

Aber so einfach ist die ganze Sache nicht, denn die Marienstatue thront in rund vier Metern Höhe über dem Hochaltar. Zum Glück steht diesmal noch das Gerüst im Gotteshaus und erleichtert das Einkleiden ungemein. Zwei enge Leitern führen schnell auf eine Zwischenebene und schon stehen Pfarrvikar Bibinger sowie das Ehepaar Zimmert vor der Muttergottes mit dem Jesuskind. Auf der Gerüstpalette können sie ungestört auf Augenhöhe mit der Madonna arbeiten.

„Mit einer großen Leiter vom Boden aus ist das Unterfangen wesentlich schwieriger“, meint Horst Zimmert, der all die Jahre immer fleißig mitgeholfen hat. „14 Gewänder stehen uns in Tuntenhausen für die Einkleidung zur Verfügung“, erzählt Pfarrvikar Bibinger, unterschiedliche Kleider in Abhängigkeit vom liturgischen Kalender. Jetzt, zu Ostern, wird der gut 1,40 Meter hohen Figur ein weißes Kleid angezogen, für das große Fest der Wiedereröffnung nach der Sanierung am Jahresende dann das Prunkgewand. Aber auch ohne Kleid ist das Gnadenbild wunderschön anzuschauen, die damaligen Baumeister schufen hier ein wahres Prunkwerk, von dem Erika Zimmert immer wieder angetan ist.

Sogar Windeln bekommt das Jesuskind

Doch nicht nur die Gottesmutter wurde neu eingekleidet, auch das Jesuskind. „Selbst Windeln ziehen wir ihm an“, verrät Erika Zimmert und lächelte liebevoll. Pfarradministrator Bibinger berichtet auch, woher die Kleider kommen: „Sie stammen aus großzügigen Spenden der Bevölkerung.“ Viele Gläubige wollten nämlich nicht nur Kerzen spenden, sondern etwas gänzlich anderes; ein Gewand eben. 300 Euro etwa kostet ein Meter dieses wunderschönen Brokatkleides.

„Letztmals trug die Muttergottes vor drei Jahren ein Kleid“, ergänzt Erika Zimmert, denn dann begann die Renovierung, die Madonna wurde entkleidet und verhüllt. Aufbewahrt werden die Kleider in der Sakristei, zuletzt allerdings im Pfarrhof, da auch die Sakristei stark renovierungsbedürftig war und dort viele Bauarbeiten durchgeführt wurden. „Jedes Kleid hat einen eigenen Bügel“, weiß Erika Zimmert. Nach einer guten Stunde ist die „Einkleidung“ vorbei. Nun erstrahlt das Gnadenbild wieder in seinem früheren Glanz. (Werner Stache)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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