Neue Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung „Wir geben Raum, sich zu öffnen“

10.01.2019

Seit fast einem halben Jahr leitet Brigitte Hauner-Münch die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Rosenheim und Wasserburg. Die Therapeutin erläutert, was diese Einrichtung auszeichnet.

Die Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Familien- therapeutin Brigitte Hauner-Münch ist seit fast einem halben Jahr Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Rosenheim und Wasserburg.
Die Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Familientherapeutin Brigitte Hauner-Münch ist seit fast einem halben Jahr Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Rosenheim und Wasserburg. © Schlecker

Rosenheim/Wasserburg – Brigitte Hauner-Münch ist eine gute Zuhörerin. Als Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Rosenheim und Wasserburg wird sie tagtäglich mit den unterschiedlichsten Sorgen und Nöten konfrontiert. „Wir geben Raum, sich zu öffnen“, beschreibt sie ihre Arbeit. Das kostenlose Fachangebot der Erzdiözese steht allen Menschen offen – unabhängig von Alter, Familienstand, Konfession und Weltanschauung. Der Grundgedanke ist christlich: „Jeder soll sich mit seinen Stärken und Schwächen angenommen fühlen.“

„Jeder soll sich angenommen fühlen“

Hauner-Münch arbeitete lange für den Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie in Hof. Von 2006 bis 2011 war sie Bereichsleiterin der Diakonie Hochfranken für Sozialpsychiatrie, Gefährdetenhilfe und Offene Hilfe. Ab 2012 arbeitete sie als Abteilungsleiterin in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Evangelischen Beratungszentrum München. 2016 trat sie eine Stelle in der Chiemgau-Klinik Marquartstein an. Im August vergangenen Jahres übernahm die Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Familientherapeutin dann die Leitung der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Rosenheim und Wasserburg, nachdem ihr Vorgänger Egon Seits nach 26-jähriger Tätigkeit dort in den Ruhestand gegangen war.

In der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Rosenheim und Wasserburg werden rund 600 Menschen in mehr als dreitausend Stunden pro Jahr beraten. Hauner-Münch bereitet die Arbeit sehr viel Freude. „Diese Tätigkeit umfasst den gesamten Lebensbereich.“ Paare suchen die Beratungsstelle auf, wenn es in ihrer Ehe oder Partnerschaft kriselt. Ratsuchende kommen aber auch allein, wenn sie auf ihrem Lebensweg Unterstützung brauchen.

Grundsätzlich geht es in der Beratung viel um Beziehungen und dabei nicht nur um die zwischen zwei Partnern: „Beziehung fängt schon beim Kontakt zwischen Berater und Klient an.“ Aber auch in den Einzelgesprächen gehe es oft um diese Thematik: Wie steht der Ratsuchende zu einem tatsächlichen oder ersehnten Partner, zu seinen Kindern, aber auch zu sich selbst? Nicht selten fasst ein Klient im Gespräch den Mut, zum ersten Mal offen über seine Probleme, Sorgen und prägenden Erlebnisse in der Vergangenheit zu sprechen. Manchmal liegen ihm diese seit Jahrzehnten schwer auf der Seele. Auch für ältere Menschen sei das oftmals eine Befreiung. „Früher, besonders in Kriegszeiten, hatte man mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Da sprach man nicht über die eigenen Gefühle. Die wurden verdrängt und damit niemals aufgearbeitet“, erklärt Hauner-Münch. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie darum darin, „Raum zu schaffen, um Beziehung und Begegnung möglich zu machen“.

Auch der Glaube und die Frage nach Gott spielen eine Rolle

Der Glaube nehme dabei vordergründig keinen Platz ein, fließe aber dennoch bei vielen Gesprächen ein. „Besonders in schwierigen Phasen geht es den Menschen um die Sinnhaftigkeit ihres Lebens. Dabei spielen natürlich auch der Glaube und die Frage nach Gott eine Rolle“, betont Hauner-Münch.

Viele ihrer Klienten betreut die Psychologin über längere Zeit: „Was sich in vielen Jahren aufgestaut hat, lässt sich nicht in ein oder zwei Sitzungen bereinigen.“ Besonders gelte das für Paare, die in die Beratungsstelle kommen. Auch da fungiert Hauner-Münch erst einmal als Zuhörerin. Beide Seiten bekommen die Möglichkeit, sich Frust und Ärger von der Seele zu reden. Die hohe Kunst in diesen Gesprächen: „wegzukommen von den Schuldzuweisungen, hin zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, um dann auch offen zu sein für die Wünsche und Bedürfnisse des anderen“. Viele Menschen müssten zuerst einmal lernen, ihre Wünsche frei zu äußern: „Es ist gar nicht so leicht, zu sagen, wie es einem wirklich geht.“

Mit dem ersten Besuch in der Beratungsstelle werde ein längerer Reflexionsprozess gestartet, in dem die Partner lernten, sich gegenseitig wieder zuzuhören und wertzuschätzen. „Das ist eine Herausforderung, die lohnt“, ist Hauner-Münch überzeugt. Bei Jung-Verliebten würden die Hormone noch purzeln. „Das betrifft aber nur die Oberfläche. Erst mit den Jahren gewinnt eine Beziehung an Tiefe und Verbundenheit“, erläutert Hauner- Münch. Sie erlebe immer wieder, dass Paare gestärkt aus einer Krise hervorgingen.

„Alles, was besprochen wird, bleibt auch hier“

Jede Beziehung retten kann Hauner-Münch aber nicht. „Es gibt natürlich Situationen, in denen es für beide Seiten besser ist, eine Beziehung zu beenden und seine eigenen Wege zu gehen – manchmal auch zum Wohl der Kinder.“ Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet deshalb auch Trennungsberatung an, um Paare vor allem darin zu unterstützen, weiterhin für ihre Kinder gemeinsam Eltern sein zu können. Auch in diesem Punkt bekommt die Beratungsstelle keinerlei Vorgaben von der Erzdiözese. Grundsätzlich gelte: „Alles, was besprochen wird, bleibt auch hier.“ (Karin Wunsam)


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