Ehrenamt stärkt demokratisches Gemeinwesen Wir profitieren persönlich

09.11.2018

47 Prozent der Bayern engagieren sich ehrenamtlich. Für den Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer, sind diese Engagierten unverzichtbar für das Gemeinwesen. Doch Staat und Kirche müssen ihnen auch entgegenkommen.

Autor und CSU-Politiker Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. © privat

Die Kultur eines demokratischen Gemeinwesens und eine aktive, vom Ehrenamt geprägte Bürgergesellschaft gehören eindeutig zusammen. Wir erleben im Freistaat Bayern eine gute und starke Beteiligung am Gemeinwesen, an dem sich nach einer derzeit bundesweit erhobenen Studie 47 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger beteiligen. In dem aktuell gültigen sogenannten „Freiwilligensurvey“ zeigt sich auch, dass Frauen daran zu 44 Prozent und Männer zu 51 Prozent beteiligt sind. Erfreulich ist, dass sich in den Altersgruppen von 14 bis 45 Jahren überdurchschnittlich viele Personen beteiligen (54 Prozent).

Viele konfessionell aktiv gebundene Ehrenamtliche

Die meisten davon engagieren sich in Vereinen und Initiativen (52 Prozent). 13 Prozent aller bayerischen Bürgerinnen und Bürger sind nach dieser Umfrage kirchlich engagiert. Überdurchschnittlich groß ist der Anteil der konfessionell aktiv gebundenen Bayern an diesem Personenkreis. Bei 64 Prozent ist dies trotz des zunehmenden Trends zur Pluralisierung der Gesellschaft der Fall.

Auch namhafte Soziologen und Kriminologen weisen darauf hin, dass ein so geprägtes Gemeinwesen für Zusammenhalt und Stabilität sorgt. Überall, wo dies der Fall ist, funktioniert auch das demokratische Gemeinwesen gut. Allen Unkenrufen zum Trotz ist dies auch ein lebendiger Beweis für die Entwicklung im Freistaat Bayern.

Subsidiarität und Solidarität

Ohne dieses ehrenamtliche Engagement würde unser demokratischer, freiheitlicher und sozialer Rechtsstaat ausgehöhlt werden. Gerade auch Bürger- und Volksentscheide verknüpfen diese Entwicklung positiv. Nicht zuletzt werden viele Gemeinschaftskosten und öffentliche Ausgaben mittelbar durch diese Struktur eingespart. Das Ehrenamt hilft also, Steuergelder einzusparen, obwohl dies keinesfalls ein erklärtes Ziel sein kann. Die Grundpfeiler der katholischen Soziallehre, Subsidiarität und Solidarität werden dadurch praktisch gelebt.

Nicht nur die Gesellschaft, sondern wir alle profitieren persönlich durch ehrenamtliches Engagement. Gemeinschaft und menschliches Miteinander prägen die Persönlichkeit und sind unverzichtbar für eine positive Entwicklung.

Anerkennungskultur

Es gibt so viel positives Engagement, das die Demokratie stärkt, aber eigentlich auch ein konstitutives Element für das Gemeinwesen in unserem Land ist. Unzählige ermunternde Beispiele sind festzustellen: Feuerwehren, Katastrophenschutz oder auch der Naturschutz, Bürgervereine in der Kommunalpolitik, Sport- und Kulturvereine, Nachbarschaftshilfen, das große Engagement für Asylbewerber und Flüchtlinge in den Pfarrgemeinden und Helferkreisen sowie auch politisches Handeln der vielen ehrenamtlichen Mitglieder sind hierfür exemplarisch.

Doch der Freistaat Bayern muss ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement auch stützen, begleiten und bei Bedarf beraten lassen. Dies geschieht in Staat und Kommunen durch eine Förderung von Strukturen und eine Anerkennungskultur, etwa durch die Ehrenamtskarten und Helferfreistellungen. An diesen Begleitungen darf der Staat auch bei großen finanziellen Herausforderungen nicht sparen. Im Gegenteil ist sicherzustellen, dass niemand größere persönliche Belastungen dadurch hinnehmen muss.

Innerkirchlich Laien stärker beteiligen

Dieses positive Klima ist nicht nur im Sinne der demokratischen Kultur zu erhalten, sondern muss sich auch in unserer Kirche abbilden. Wir alle sind Kirche. Betrachten wir das Leben zum Beispiel in unseren Pfarreien, Dekanaten, Vereinen und Räten, so könnte dies ohne das ehrenamtliche Engagement insbesondere von Laien nicht existieren. Deshalb muss auch dieses bürgerschaftliche Handeln bei anstehenden innerkirchlichen Reformen zu einer stärkeren Beteiligung der Laien beiderlei Geschlechts führen.

Dieses immer wachzuhaltende Denken in unserer demokratischen bayerischen Tradition muss seinen Part auch in unserer Kirche finden. Dann befruchten sich das demokratische Gemeinwesen, aber auch eine lebendige Kirche gegenseitig. (Joachim Unterländer)

Der Autor und CSU-Politiker war Mitglied des Bayerischen Landtags (1994 – 2018) und ist Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken sowie Mitglied im Vorstand des Diözesanrats.


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