Kampagne „Mein Gott.“ Woran Juden, Christen und Muslime glauben

12.11.2016

In den drei großen monotheistischen Religionen gibt es unterschiedliche Gottesvorstellungen. Welche das sind, erklären Experten im Rahmen der Kampagne „Mein Gott.“ des Katholischen Medienverbands.

Der Tempelberg in Jerusalem ist Juden, Christen und Muslimen heilig. © imago/Friedrich Stark

Gott im Judentum

Gott wird im Judentum als der „Unaussprechliche“ bezeichnet. Denn Gott ist so heilig, dass nicht einmal sein Name ausgesprochen wird. Immer dann, wenn im Tenach, der jüdischen Bibel, und in den Schriften der jüdischen Traditionsliteratur das Wort „Gott“ steht, benutzen Juden im Bewusstsein, dass Gott nicht in Worten erfasst werden kann, eine Umschreibung dafür wie zum Beispiel der „Heilige, gelobt sei Er“, der „Barmherzige“ oder der „Ewige“. Gerade deshalb finden sich in der jüdischen Bibel wunderbare Anthropo- morphismen, bildhafte Umschreibungen Gottes unter Zuhilfenahme menschlicher Kategorien, wie zum Beispiel „Wie eine Mutter ihre Kinder beschützt, so erbarme ich mich über euch“ oder „Mit starker Hand und ausgestrecktem Arm habe ich euch aus Ägypten geführt“.

Gott zeigt sich seinem Volk auf unterschiedlichste Weise, sei es im brennenden Dornbusch, in einer Wolken- und Feuersäule oder in Geboten. Der eine und einzige Gott hat die Menschheit erschaffen und sich insbesondere seinem Volk Israel als Retter und Helfer, als Schöpfer und Herr der Welt offenbart. Sein Wort und Wille ist Lebensgesetz der Menschen, denn der Mensch ist Ebenbild Gottes. Er ist zum Bund mit Gott aufgerufen, um seine Gebote im Alltag umzusetzen: Juden wurden am Berg Sinai durch die Übergabe der Tora zu Gottes auserwähltem Volk, aber auch jeder nichtjüdische Mensch ist Kind Gottes durch den Bund, den Gott mit Noah nach der großen Flut schloss.

Gott ist treu, auch wenn Menschen untreu werden. Gott ist der Herr über Leben und Tod. Aber Gott hält auch die Treue über den Tod hinaus. Im Tod gibt der Jude seine Seele Gott mit Vertrauen zurück. Er hofft auf die Auferstehung und das Leben bei Gott. Der Mensch soll die Welt als Partner Gottes verwalten, das heißt verantwortungsvoll mit ihr umgehen und sie ein Stück weit ihrer Vervollkommnung entgegenführen. (Marcus Schroll)

Der Autor ist Leiter des religiösen Erziehungswesens der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Gott im Christentum

Der Gott im Christentum ist der Gott Abrahams, der Gott unserer Urväter und -mütter im Glauben. Es ist Jahwe, der Ich-bin-da-bei-euch. Er ist mit seinem Volk und auch mit uns heute noch unterwegs durch die Höhen und Tiefen des Lebens. „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid … Ich bin der ,Ich-bin-da‘.“ (Ex 3,7.14)

Das alttestamentliche Wort „Du sollst dir kein Bild von Gott machen“ hält uns vor Augen: Gott lässt sich nie mit menschlichen Begriffen ganz erfassen. Es ist ein Gott, der uns immer wieder überraschen will und uns zugleich verborgen, manchmal unbegreiflich bleibt.

Wir Christen können nicht von Gott sprechen, ohne im selben Atemzug von Jesus Christus zu reden. Gott wendet sich den Menschen in Jesus Christus zu – radikal und bedingungslos. Um der Menschen willen ist er gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben. Gott tritt in Beziehung zu den Menschen durch Jesus, in ihm kommt uns Gott selbst entgegen. Zugleich zeigt er uns durch Jesu Handeln: Gott steht auf der Seite der Menschen, gerade derer, die am Rande stehen. Im Mitmenschen haben wir die Möglichkeit, Gott zu begegnen. (vgl. Mt 25,40)

Die Beziehung Jesu zu seinem Vater ist so einzigartig und unmittelbar, dass sie uns in eine neue Intensität der Gottesbeziehung hineinführt und eine neue Qualität erreicht. Jesus lebt die Beziehung zu seinem Vater mit jeder Faser seines Lebens. Er ist erfüllt davon und gestaltet aus diesem Geist heraus die Beziehung zu den Menschen. Er zeigt uns, dass wir uns jederzeit Gott zuwenden können.

Wenn wir Christen vom Dreieinigen Gott sprechen, der sich geoffenbart hat durch Jesus Christus und im Geist weiterwirkt, dann drücken wir damit diese einzigartige, innige Beziehung Gottes zu den Menschen aus und seine bleibende Gegenwart im Hier und Jetzt. Als Zeugen Gottes sind wir berufen, aus seinem Geist heraus zu handeln und seine Stimme hörbar zu machen. „Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist nicht der Gott der Menschen in einem universalen, unpersönlichen Sinn. Gott lebt zu jedem Menschen eine konkrete, einzigartige Beziehung: Er ruft einen jeden von uns bei seinem Namen und in-spiriert uns in seinem Geist.“– Zitat von E. Dirscherl (Claudia Pfrang)

Die Autorin ist Direktorin der Stiftung Bildungszentrum im Kardinal-Döpfner-Haus Freising. Sie hat das Dialogforum „GOTT.neu.denken“ konzipiert. Näheres dazu finden Sie hier.

Gott im Isalm

Genauso, wie es nicht den Islam gibt, so gibt es auch nicht das Gottesbild der Muslime. Dennoch sind einige Elemente muslimischer Gottesvorstellungen für den islamischen Glauben so zentral, dass ihnen jeder Muslim und jede Muslimin zustimmt. „La ilaha illa Allah“ – so lautet der erste Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses in der rituellen Sprache der Muslime, in Arabisch: Es gibt keine Gottheit außer den einen Gott. Das Bezeugen der Einsheit Gottes gehört zu den fünf Glaubenssäulen des Islams. Mit ihr ist gemeint, dass kein Wesen in seinen Eigenschaften und Handlungen Gott ähnlich ist und er der Einzige ist, der anbetungswürdig ist. Sure 112 – hier nach der Koranübersetzung von Hans Zirker – benennt dieses zentrale Glaubensprinzip:
Im Namen Gottes, des Allerbarmenden und Barmherzigen.
Sag: „Er ist Gott, ein Einziger,
Gott, der Allüberlegene.
Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden.
Nicht einer ist ihm gleich.“

Im Koran und in den Hadithen, den Überlieferungen Muhammads, werden zahlreiche weitere Attribute Gottes genannt, die auch als die 99 Schönen Namen Gottes bekannt sind: Gott der Allwissende, Allmächtige, der Unbesiegbare, Friedensstiftende, der Gerechte, Verzeihende, der Erbarmende, Barmherzige, der Liebevolle.

Als der Schöpfer und Richter im Himmel und auf Erden straft und vergibt Gott – insha’allah, so Gott will –, den Taten der Menschen und ihrer Gottesfurcht entsprechend. Auch wenn Gott fern und nicht sichtbar ist, so ist er nach eigenen Angaben im Koran der ganz nahe, der allgegenwärtige: „Wir sind ihm [dem Menschen] näher als die Halsschlagader“ (Sure 50,16). In seiner Nähe Gott personifiziert als Vater anzubeten, entspricht aber nicht dem muslimischen Gottglauben, da er nicht zeugt, sondern erschafft und nichts ihm Ähnliches neben ihm existiert. So ist Jesus für Muslime Prophet, aber nicht Sohn Gottes. (Magdalena Ebertz)

Die Autorin ist katholische Theologin, Nahost-Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin.


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