Papst Franziskus besucht Assisi Wunden heilen und Mut machen

01.10.2013

Papst Franziskus träumt von einer Kirche, die verständlich spricht, die Wunden heilt und Menschen Mut macht. Für Pater Dr. Hermann Schalück geht der Papst der Erneuerung selber voran - ganz im Sinne des heiligen Franziskus.

Pater Dr. Hermann Schalück war von 1991 bis 1997 Generalminister der Franziskaner und von 1997 bis 2008 Präsident von missio in Aachen (Bild: privat)

Im April 1209 pilgerte Bruder Franz von Assisi nach Rom. Er wollte Papst Innozenz III. sprechen. Der hielt Hof in seinem Lateranpalast, umgeben von Juristen und Militärberatern. Sein Ziel: die Kirche zu einer sicheren Festung zu machen und ihren Wahrheits- und Herrschaftsanspruch dem Islam, aber auch christlichen Erneuerungsgruppen gegenüber durchzusetzen. Es war die die Zeit der Kreuzzüge. Hofschranzen und Kurienprälaten stellten sich dem Bettler aus Assisi in den Weg, konnten ihn aber nicht aufhalten. Der Papst selber war milde gestimmt. Dem Ansinnen, wie Jesus arm, gewaltfrei und ohne klerikale Privilegien leben zu dürfen, stimmte er, wenn auch verwundert, zu. Die Quellen sagen auch, der Papst habe in der Nacht vorher einen Albtraum gehabt: Die Laterankirche drohte einzustürzen. Doch der kleine Bruder aus Assisi stützte sie.

Nun macht ein Papst mit Namen Franziskus einen Gegenbesuch. Er ist nach seiner Wahl aus seinem Palazzo ausgezogen und wohnt einfach. Er begegnet allen freundlich. Er speist gern mit den Armen. Er verabscheut elitäres Getue und fromme Floskeln. Er spricht von der Milde und Barmherzigkeit Jesu. Das Evangelium ist ihm wichtiger als alle menschlichen Gesetze. Er träumt von einer Kirche der Armen, von einer Kirche als „Mutter und Hüterin“. Kurz vor seiner Pilgerreise überraschte er Bischöfe und andere Monsignori mit der Mahnung, das Volk Gottes wolle „Hirten, nicht Funktionäre oder Staatskleriker“. Und Frauen, so weiter, sollen endlich wichtige Verantwortung übernehmen.

Auch Papst Franziskus hat also vor seiner Begegnung mit Bruder Franz geträumt. Nämlich von einer Kirche, die verständlich spricht, die Wunden heilt und Menschen Mut macht. Und auch Millionen von Christen und Nichtchristen reiben sich wie nach einem Albtraum die Augen: Es gibt sie also doch noch – die „andere“ Kirche. Und ein Papst mit Namen Franziskus geht der Erneuerung selber voran.

Pater Dr. Hermann Schalück war von 1991 bis 1997 Generalminister
der Franziskaner und von 1997 bis 2008 Präsident von missio in Aachen


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