Zum Reformationsgedenkjahr Wunderbare Fügung

16.07.2017

Ökumene an historischem Ort: Der evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm predigte in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael zur Bach-Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seiner Predigt © Ertl/SMB

München – Heinrich Bedford-Strohm blickt im Chorraum der St. Michaelskirche um sich und ist sichtlich bewegt: „Ein evangelischer Bischof predigt zu Klängen von Johann Sebastian Bach in einer katholischen Kirche – und das im Reformationsjubiläums- und -gedenkjahr 2017!“ Und Bedford-Strohm zitiert aus der eben verklungenen Bach-Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von 1724: „Ja, trau des Himmel reichem Segen. So wird bei dir er werden neu. Und ich möchte jetzt am liebsten weiterdichten: Wer seinen Blick auf Christus lenkt, dem wird die Einheit bald geschenkt!“

Es ist wirklich ein kleiner historischer Moment, den man am vergangenen Sonntagnachmittag in St. Michael miterleben konnte. Solch ökumenisch-verbindende Worte in dieser beliebten Münchner Citykirche – wer hätte je daran gedacht, als St. Michael vor über 400 Jahren als eines der Zentren der katholischen Gegenreformation in Bayern erbaut wurde? Eine wunderbare geschichtliche Fügung.

Sänger und Musiker hatten sich vor dem Hochaltar positioniert © Ertl/SMB

Möglich gemacht hat es die diesjährige Wort-Gottes-Reihe mit Johann- Sebastian-Bach-Zyklus in St. Michael. An insgesamt neun Sonntagnachmittagen erklingt um 16 Uhr eine bekannte Bach-Kantate und ein prominenter – katholischer wie evangelischer – Prediger spricht dazu. Für die Musik und die gelungene Interpretation der Bach’schen Weisen zeichneten diesmal das „Collegium Monacense St. Michael“, das Barockorchester „La Banda“ und Organist Michael Leyk unter der Leitung von Chordirektor Frank Höndgen verantwortlich.

Zuhörer und Musiker hatten sich gleichermaßen in der bestuhlten Apsis vor dem mächtigen Hochaltar mit dem berühmten Engelssturz von Christoph Schwarz sowie im Chorgestühl der Jesuitenkirche eingefunden. Der Gleich- und Wohlklang von Musik und Wort öffnete in dieser knappen Stunde tatsächlich die Herzen vieler für die Botschaft des Evangeliums und richtete die Seele, so wie es Bedford-Strohm ausdrückte, neu auf Gott aus: „Nichts kann uns mehr trennen von der Liebe Gottes, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, und auch keine konfessionellen Grenzen.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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