Klostergarten Gars Wunderbares Werk der Natur

04.06.2018

Eine echte Augenweide: die blühenden Kräuter und Blumen im Garser Kloster. Dass der Kräutergarten so prächtig gedeiht, ist vor allem zwei Pflanzenliebhabern zu verdanken.

Klostergarten Gars
Klostergarten Gars © Huckemeyer

Gars – Freilich braucht es das ganze Team der Gärtnerei, um den einzigartigen Kräutergarten am Redemptoristenkloster in Gars instand zu halten und zu pflegen. Trotzdem liegt das Wohl des Gartens federführend in den Händen zweier Herren. Einmal ist das Bruder Ulrich Gaugele und zum anderen Gärtner Martin Schechtl, der sich im Kloster als Kräuterspezialist einen Namen gemacht hat. Und Spezialisten sind auf alle Fälle gefragt, wenn es um den klösterlichen Garten geht, der vor genau zehn Jahren aus seinem Dornröschenschlaf erwachte.

Wasser, Weg und Kreuz

Durch alte Aufzeichnungen, die als Vorlagen dienten, gelang es, dem einstigen Novizengarten wieder Form und Gestalt zu schenken. Heute besticht der Kräutergarten neben den Bepflanzungen durch einen Dreiklang der Symbole Wasser, Weg und Kreuz. Kein Wunder also, dass Bruder Ulrich jährlich zwischen fünfzig und einhundert Führungen anbietet, an denen jeweils etwa 40 Personen teilnehmen. Überwiegend interessieren sich Gartenbauvereine und Frauengemeinschaften aus Bayern und Österreich für das wunderbare Werk, in dem eindeutig die Natur dominiert.

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„Chemie wollen wir im Kräutergarten keine haben“, betont der 84-jährige Bruder Ulrich. Er und die Gärtnermannschaft setzen vielmehr auf resistente Sorten sowie auf Pflanzenvielfalt. Beides schrecke Schädlinge ab. Aber ohne Schnecken-Einsammeln am frühen Morgen geht es auch im gepflegten Kräutergarten nicht. Bevor sich die Nacktschnecken genüsslich über Blumen und Kräuter hermachen, greift Bruder Ulrich ein. Seinem geschulten Auge kommt keiner dieser Plagegeister aus. Das Gießen der Anlage gehört zusätzlich zum Aufgabengebiet des Gärtnermeisters, der jahrzehntelang die Klostergärtnerei leitete und aus ihr das machte, was sie heute ist: eine der besten und angesagtesten Gärtnereien der Region.

Martin Schechtl (links) und Bruder Ulrich kümmern sich gemeinsam um den Garser Klostergarten.
Martin Schechtl (links) und Bruder Ulrich kümmern sich gemeinsam um den Garser Klostergarten. © Huckemeyer

„Geheimrezept“ für „Grünen Daumen“?

Heuer darf Bruder Ulrich sogar ein Jubiläum feiern. Er lebt sage und schreibe seit 1958 im Garser Kloster. „Ich fühle mich nach wie vor hier wohl, auch noch nach 60 Jahren“, lacht er verschmitzt. Ob es vielleicht ein „Geheimrezept“ für seinen „Grünen Daumen“ gibt? Augenzwinkernd meint der rüstige Senior, der immer mit Strohhut unterwegs ist: „Vom Beten geht das Unkraut natürlich nicht weg, das muss auch bei uns regelmäßig ausgezupft werden.“ Aber dann verrät der Gärtner noch Folgendes: Kühles und luftiges Kultivieren sei sehr wichtig, das härte die Pflanzen ab.

Pflanzen erzählen Geschichte

Klostergärten waren früher das, was heute die Apotheken sind. Die Gesundung des Menschen lag den Klöstern immer schon am Herzen. Weil heutzutage Gesunde und Kranke wieder mehr Wert auf Ursprüngliches legen, erfuhren Kräuter eine große Renaissance. „Viele unserer Pflanzen erzählen eine Geschichte“, berichtet Martin Schechtl, dem es gefällt, dass immer mehr Menschen Zugang zu altem Wissen finden. Die Klöster seien aber auch stets für Neues aufgeschlossen gewesen, weiß Schechtl. Auch bei „seinen“ Kräutern gedeihen ganz alte Sorten neben neuen Errungenschaften, zu denen beispielsweise der Anis-Ysop gehört. Er erfreut den geneigten Besucher bereits mit seinem angenehmen Duft. Der eigentliche, schon in der Bibel erwähnte Ysop, auch Essigkraut genannt, wächst ebenfalls windgeschützt hinter den Klostermauern.

Schauen Sie sich um! Auf der facebook-Seite von mk online können Sie einen 360-Grad-Blick in den Klostergarten werfen.

Wenn Martin Schechtl von den rund 200 Kräutern erzählt, die im Klostergarten sprießen, dann geht ihm das Herz auf. Er spricht vom Mutterkraut, welches Migräne und Kopfweh vertreibt, von der Weinraute und den Luftzwiebeln und nicht zu vergessen vom jeher begehrten und besonderen Marienblatt. Im Volksmund wird diese Pflanze auch „Schmeckablattl“ genannt. Das Kraut wirkt entzündungshemmend und riecht nach Kaugummi. Das getrocknete Blatt diente früher so mancher Bäuerin als Lesezeichen im Gebetbuch. Und nicht nur das, wie Bruder Ulrich aus dem Nähkästchen plaudert: „Predigte der Pfarrer zu lange, dann holte so manche Bäuerin schnell das Marienblatt aus dem Gebetbuch um daran zu riechen. Schon kehrte bei der Messbesucherin wieder gute Laune ein.“

Mariendistel entgiftet Körper

Eine weitere Pflanze im Kräutergarten, die den Namen Marias trägt, und so auf die Gottesmutter hinweist, ist die Mariendistel. „Gerade für Menschen, die eine Chemotherapie ertragen mussten, kann die Mariendistel hilfreich sein. Sie entgiftet nämlich den Körper“, sagt Schechtl, der in der Klostergärtnerei natürlich sämtliche Kräuter zum Kauf anbietet, die sich im Garten befinden. Schechtls Bestreben ist es, dass sich gerade alte Sorten wieder vermehren und im Alltag der Menschen Verwendung finden.

Bruder Ulrich und Gärtner Schechtl haben es neben ihren Mitmenschen aber auch auf Insekten und Bienen „abgesehen“. Ihnen bietet der Kräutergarten mit seiner Vielfalt einen sehr wichtigen und wunderbaren Lebensraum. Auch die Vögel sind gern gesehene Gäste. „Die picken uns die Läuse von den Rosen weg“, freuen sich die leidenschaftlichen Gärtner. (Ursula Huckemeyer)

Sie wollen den Klostergarten besichtigen? Terminvereinbarung für Führungen nimmt Bruder Ulrich unter Telefon 08073/388245 entgegen.


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