Feiertage Zehn Gebote für Weihnachten

23.12.2018

Egal ob beim Weihnachtsbaum, in der Christmette oder beim Geschenk: Mit diesen zehn Geboten des Münchner Stadtjugendpfarrers Tobias Hartmann können die Feiertage nur gelingen.

Fünftes Gebot: Gedenke des Christbaums
Fünftes Gebot: Gedenke des Christbaums © Photocreo Bednarek - stock.adobe.com

I. Du sollst das Weihnachtsfest nicht verunehren

„Denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10)

Puffbeleuchtung in der Innenstadt seit spätestens 29. November. Überall liegt dieser penetrante Glühwein- und Feuerzangenbowle-Dunst in der Luft, Weihnachtsmusik im Kaufhaus und am 28. Dezember muss die Weihnachtsdeko dann weg, weil das Fest ja vorbei ist. Wie schön wäre es denn, wenn man zwischen Advent und Weihnachten unterscheiden könnte.

II. Du sollst dem Süßen Raum im Leben geben

„Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig.“ (Ez 3,3)

„Süßigkeiten sind schlecht für die Zähne und schlecht für die Figur“, sagen Spaßverderber. Sie wissen halt nicht, dass Zucker an Weihnachten nicht auf die Hüfte geht, sondern direkt auf die Seele. Aber auch, wenn die Merci-Packung sich wunderbar als Wandergeschenk eignet: achte auf das Verfallsdatum vor dem Verschenken!

III. Du sollst in der Not zum Gutschein flüchten

„Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!“ (Jes 55,1)

Absolut unromantisch, absolut unkreativ, aber eben absolut praktisch: der Gutschein. Der kann auch noch zehn Minuten vor der Bescherung ausgedruckt oder gebastelt werden (so sieht er ja meist auch aus). Und so ein Gutschein ist immer noch besser als Geld im Kuvert (das geht nur bei den eigenen Kindern und ab mindestens 16 Jahren).

IV. Du sollst das richtige Geschenk besorgen

„Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.“ (Lk 16,9)

Frauen wollen Schmuck oder Selbstgemachtes und bekommen Küchengeräte. Männer wollen Technik und bekommen Socken. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Und nebenbei schimpft jeder über den Konsum. Aber bedenke: Warum hat Gott den 50 Zoll LCD-Fernseher erschaffen? Hast du dann das Recht ihn zu verschmähen?

V. Gedenke des Christbaums

„Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken.“ (Ps 1,3)

Weihnachten wird unter dem Baum entschieden! Deswegen steigt statistisch gesehen auch die Geburtenrate im September. Wenn Anschaffung und Deko des Baumes schief gehen, dann ist das Fest gelaufen. Man sollte es mit dem Kitsch jedoch nicht übertreiben. Oder wie sagte schon Loriot: „Früher war mehr Lametta!“

VI. Du sollst singen

„Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt.“ (Kol 3,16)

Zugegeben, bei manchen Sängern muss man spontan an den Zahnarzt denken. Aber „Stille Nacht“ wird dieses Jahr 200 Jahre alt und das ist schon ein Anlass. Singen ist zweifaches beten. Und so hat man mit drei Strophen schon fast nen ganzen Gottesdienst zusammen.

VII. Gebot: Du sollst es so machen, wie immer

„Seid also standhaft und haltet an den Traditionen fest.“ (2 Thess 2,15)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier wenn es um Feste geht. Gerade an Weihnachten verbieten sich daher kulinarische Experimente. Selbst wenn einem die Würstel mit Kraut längst bei den Ohren rauskommen. Weiterlächeln, reinstopfen, durchhalten. Spätestens der Glühwein nach der Christmette beendet das Völlegefühl.

VIII. Gebot: Du sollst bei der Bescherung dein Gesicht kontrollieren.

„Mache kein finsteres Gesicht!“ (Mt 6,25)

Die Bescherung: Ground-Zero familiärer Kommunikation. Wer hier falsch reagiert, provoziert epische Dramen: auch die selbst gestrickten Socken von Tante Erna sind ein Geschenk. Notfalls gilt es hier Freude zu heucheln. Bis Jahresende bleibt ja noch eine Woche für bittere Rache oder Entsorgung.

IX. Gebot: Du sollst an Weihnachten nicht knausern.

„Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen.“ (2 Tim 3,5)

An Weihnachten wird für das Hilfswerk Adveniat gesammelt. Das ist nicht der Moment um sich von Kleingeld oder Hosenknöpfen zu trennen. Nach all den Ausgaben für da Fest muss man jetzt nicht anfangen mit knausern. Kleiner Tipp: 10 € Scheine lassen sich am leichtesten zählen.

X. Gebot: Du sollst für die Christmette das richtige Outfit wählen.

Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit (Jes 61,10)

Wenn man schon einmal im Jahr in die Kirche geht, dann muss das auch jeder mitbekommen. Der Pfarrer soll ruhig sehen, was ihm das ganze Jahr entgeht. Notfalls mit Pelzmantel, auch wenn man darin schwitzt wie ein Schwein: mal ehrlich, wer geht schon wegen der Predigt in die Christmette? (Tobias Hartmann, Stadtjugendpfarrer München)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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