Diskussion um Gipfelkreuze in Alpen Zeichen der Verehrung Gottes

05.09.2016

In den Alpen hackt ein Unbekannter derzeit auf Gipfelkreuze ein. Bergsteiger Reinhold Messner verurteilt solche Taten, sieht die Berge aber am liebsten ohne religiöse Symbole. Doch wer jetzt fordert, dass das Kreuz auf die Berge gehört, sollte sich auch fragen, wann er zuletzt eine Bergmesse besucht oder im Gipfelbuch dem Schöpfer gedankt hat, kommentiert Georg Walser.

Gipfelkreuz auf dem Buchenstein
Gipfelkreuz auf dem Buchenstein (Bild: Sankt Michaelsbund/Walser) © Sankt Michaelsbund/Walser

München – Der Schlag sitzt tief. Dudl-Alm, Prinzkopf, Lärchkogel und jetzt am Schafreuter (auch Schafreiter genannt) wurden in den letzten Wochen die Gipfelkreuze umgehackt oder wenigstens so stark beschädigt, dass diese aus Sicherheitsgründen umgelegt werden mussten. Unklar ist, wer so etwas macht. Hat das ein Mensch gemacht, der psychisch krank ist oder steckt böser Wille dahinter, der es auf christliche Symbole abgesehen hat? Fest steht: Das ist kein Scherz, das ist eine Straftat.

Zwar weit entfernt aber getrieben von den gefällten Kreuzen wird derzeit über deren Daseinsberechtigung debattiert. Der einstige Extrembergsteiger Reinhold Messner plädiert für „Berge pur“ ohne religiöse Symbole und bekräftigt damit ein weiteres Mal seine Distanz zur christlichen Religion. Der Alpenverein räumt zwar ein, dass Kreuze christliche Symbole sind, nutzt aber auch den 1799 am Gipfelkreuz des Großglockners befestigten Barometer für den Hinweis, dass diese Balken oft auch für andere Zwecke verwendet werden. Man habe keine Position zu dem Thema und sei für die Kreuze auch nicht zuständig. Auf große Unterstützung aus dieser Ecke sollte man also besser nicht zählen.

Werbekampagne ohne Kreuz

Die Hiebe des „Täters mit der Axt“ haben eine alte Diskussion neu entfacht. 2012 sorgte eine Werbekampagne für Aufregung: zu sehen war die Zugspitze, nicht aber das Gipfelkreuz. Arabische Touristen sollten umworben, aber nicht unnötig mit christlicher Symbolik konfrontiert werden. Auch der Alpenverein berichtet von Zuschriften, die die Entfernung der Gipfelkreuze fordern. Dabei sind die Kreuze schon lange nicht mehr die einzigen religiösen Zeichen in den bayrischen Bergen. Auch tibetische Gebetsfahnen sind dort zu sehen, meist an den Drahtseilen befestigt, mit denen die Kreuze zusätzlich gegen Stürme gesichert werden. Nicht ersichtlich ist, ob hier ein Akt – fernöstlicher – gläubiger Verehrung geschieht oder Urlaubsmitbringsel den Gott der Christen in ein Gesamtbild der Weltreligionen einordnen wollen.

Schmiererei auf der Weiheurkunde am Leonhardstein
Schmiererei auf der Weiheurkunde am Leonhardstein (Bild: Sankt Michaelsbund/Walser)

Religiöse Gefühle verletzt

Uns gläubigen Christen hingegen sind die Gipfelkreuze Zeichen der Verehrung des Herrgotts. Hier geht es also nicht nur um Sachbeschädigung, irgendwo weit weg. Doch nicht erst seit diesen mit archaisch anmutenden Methoden ausgeführten Attacken werden religiöse Gefühle malträtiert. So ist auf dem Leonhardstein die abgedruckte Weiheurkunde mit einem „Fürchtet Euch, der Teufel ist hier“ verschmiert. Was trifft mehr? Die Verunstaltung oder die Untätigkeit von allen, die das Gekritzel inzwischen gesehen haben, den Schreiber dieser Zeilen mit eingenommen? Hat jemand den Versuch unternommen, mit einem Tuch und notfalls Spucke das Gekrakel zu entfernen?

Georg Walser ist Leiter der Onlineredaktion beim Sankt Michaelsbund
Georg Walser ist Leiter der Onlineredaktion beim Sankt Michaelsbund (Bild: Sankt Michaelsbund/Schmid)

Im Isarwinkel wird längst wieder gesägt

Viele Stimmen sind derzeit zu hören, wie sehr die Kreuze auf die bayerischen Berge gehören. Wer von alle denen kündet seinen Glauben durch den Besuch eines Berggottesdienstes oder schreibt im Gipfelbuch vom Schöpfer?

Es ist gut, dass im Isarwinkel längst gesägt und geschraubt wird, während die einen über die Geisteshaltung des Täters spekulieren und „welt.de“ noch recherchiert, wer für die Genehmigung eines Gipfelkreuzes zuständig ist. Bis zum 9. Oktober, wenn an der Tölzer Hütte unterhalb des Schafreuters Eucharistie gefeiert wird, wird aller Voraussicht nach oben auf dem Gipfel wieder ein Kreuz von Christus künden. (Georg Walser)


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