Besinnung am Sonntagabend Zeit für mich

11.03.2016

Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach persönlichen spirituellen Impulsen. Die Gemeinde Heilig Kreuz hoch oben auf dem Giesinger Berg in München hat ein neues Konzept entwickelt, das auch Kirchenferne anspricht.

Besinnung am Sonntagabend in der Giesinger Heilig-Kreuz-Kirche (Bild: Ertl)

München – Der neugotische Hochaltar und die beiden Seitenaltäre sind vom flackernden Kerzenschein erleuchtet. In Stille haben sich an diesem Sonntagabend rund 80 Leute im weiten Kirchenschiff der Heilig-Kreuz-Kirche eingefunden. Monsignore Engelbert Dirnberger, der Pfarrer, hat in der ersten Stuhlreihe Platz genommen. Die Turmuhr schlägt siebenmal. Punkt 19 Uhr. Leises Violinspiel steigt in das hohe Gewölbe, beschwingt-berührende Klezmer-Musik, der Geigenspieler Mario Korunic schreitet fast tänzelnd vor der Apsis auf und ab. Der letzte Ton ist verklungen, als Dirnberger zum Ambo geht und die Anwesenden zu einer neuen „Zeit für mich“ begrüßt.

Seit der Wiedereröffnung des „Giesinger Doms“ Ende November vergangenen Jahres nach einer viel beachteten Innensanierung (wir berichteten) gibt es nun diese qualitativ hochwertigen Impulse in Wort und Musik am Sonntagabend – zum Abschluss des Wochenendes und als Vorausschau auf die kommende Woche. Der Zuspruch nimmt seit Beginn stetig zu, nur rund ein Drittel der Besucher kommen aus der Pfarrei, die übrigen mittlerweile aus der ganzen Stadt und dem Umland. „Wir haben seinerzeit eine eigene Arbeitsgruppe, zu der auch Kirchenferne gehörten, gegründet, um dieses Format zu entwickeln“, sagt Dirnberger.

Der Grundgedanke war: Ein Teil der Menschen hat keine Zeit oder Lust, zum „normalen“ Gottesdienst zu kommen. Viele suchen Angebote für sich ganz persönlich, ohne Vergemeinschaftungselemente. Die „Zeit für mich“, die zwischen einer halben und einer Dreiviertelstunde dauert, bietet Instrumental- oder Orgelmusik, auch Sologesang, Besinnungsimpulse zu einer der drei liturgischen Lesungen des Tages sowie ein persönliches „Ritual“, eine symbolhafte Handlung – einzeln Weihrauchkörner einlegen, Steine in einer Schale sammeln. Diesmal salbt Dirnberger jedem, der möchte und vortritt, mit duftendem Öl sorgfältig die Handinnenfläche. Alles geschieht in Ruhe und ohne Hetze. Am Ende hat jeder noch die Möglichkeit, einen Einzelsegen zu empfangen. Dirnberger und zwei weitere Geistliche bieten die „Zeit für mich“ im Wechsel jeden Sonntagabend an – an einem normalen Sonntag genauso wie an einem Hochfest. In der Winterzeit um 19 Uhr, ab Ostern (Sommerzeit) um 21 Uhr. Ein Besuch, der lohnt. (Florian Ertl)


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Erklommen gemeinsam den Turm der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Giesinger Berg: Monsignore Engelbert Dirnberger (links) und Florian Ertl
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