Impuls von Pater Cornelius Bohl Zeit mit Gott

10.02.2019

Die Zeit, die mich oft hetzt, ist umgriffen von einem größeren Geheimnis. Für Pater Cornelius Bohl wird die Zeit wie von selbst zum Gebet.

Es reicht, wenn ich einfach Zeit vor und mit Gott verbringe, meint Pater Cornelius Bohl.
Es reicht, wenn ich einfach Zeit vor und mit Gott verbringe, meint Pater Cornelius Bohl. © Foto: manaemedia – stock.adobe.com2

Das neue Jahr ist nicht mehr neu. 2019 ist schon wieder sechs Wochen alt. Die Zeit rast nur so. Das ist die eine Frage: Was macht die Zeit und was macht sie mit uns? Sie vergeht. Sie lässt sich nicht festhalten. Sie verändert mich. Manchmal macht sie Angst. Sie lässt mich alt werden. Die andere Frage heißt: Was mache ich mit der Zeit? „Spiritualität im Alltag“ muss etwas mit meinem Alltag zu tun haben. Es gibt nichts Alltäglicheres als meinen Umgang mit Zeit. Geistliches Leben im Alltag zeigt sich wesentlich darin, was ich mit meiner Zeit anstelle.

Als Erstes fällt mir ein: Die begrenzte Zeit gut nutzen! Das hört sich furchtbar moralisch an und kann Druck machen. Falsch finde ich es trotzdem nicht. Dahinter stehen wichtige Fragen: Was ist wirklich wichtig im Leben und was nicht? Wofür lohnt es sich, kostbare Lebenszeit zu investieren? Die Zeit an sich ist leer. Es ist nicht egal, wie ich sie fülle oder „vertreibe“. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Sinn.

Sich nicht von der Zeit versklaven lassen

Das scheinbare Gegenteil ist genauso wichtig: sich nicht von der Zeit versklaven lassen. Geistliches Leben wird immer wieder Löcher in die Zeit schlagen: Es braucht Leer-Zeiten und Frei-Zeiten, Zeit zum Feiern und Spielen, unverzweckte Zeit, um einmal nichts zu tun und einfach da zu sein. Durch solche Zeit-Löcher spüre ich: Leben ist mehr als Produzieren und Funktionieren. Zeit ist geschenkt. Die Zeit, die mich oft hetzt, ist umgriffen von einem größeren Geheimnis.

In dieser Zeiterfahrung erahne ich etwas von Gott, sie wird wie von selbst zum Gebet. Dabei muss ich keine schlauen Gedanken vorweisen und angestrengt andächtig sein. Es reicht, wenn ich einfach Zeit vor und mit Gott verbringe.

Pater Cornelius Bohl ist Provinizialminister der Deutschen Franziskanerprovinz.
Pater Cornelius Bohl ist Provinizialminister der Deutschen Franziskanerprovinz. © privat

Geteilte Zeit bekommt eine neue Tiefe

Will ich immer nur Zeit horten und sparen oder Zeit „ausgeben“ und teilen? Natürlich brauche ich Zeiten nur für mich. Geteilte Zeit aber bekommt nochmals eine neue Tiefe. Manchmal ist es wie bei der Brotvermehrung: Ich habe oft Angst, dass die Zeit für mich selbst nicht reicht. Wenn ich trotzdem etwas davon verschenke, komme ich seltsamer Weise meistens nicht zu kurz.

Für den Sekundenzeiger sind alle Zeiten gleich. Für mich nicht. Kindheit und Jugend sind etwas anderes als die Lebensmitte oder das Alter. Es gibt den Kairos, die ganz besondere Zeit: Eine verpasste Chance kehrt nie wieder. Und ich bin immer Kind meiner Zeit. Wahrscheinlich war früher nicht alles besser, und auch morgen wird nicht alles besser sein. Aber selbst, wenn es so wäre: Ich komme aus meiner Zeit nicht heraus. Gott spricht zu mir immer heute, und nur heute kann ich antworten. Es gibt keine zeitlose Frömmigkeit.

Sechs Wochen von 2019 sind vorbei. Aber es bleibt noch eine Menge Zeit in diesem Jahr. Damit bewusst umzugehen, ist eine spannende Herausforderung für eine Spiritualität im Alltag.


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