Zeuge für das Evangelium

01.02.2018

Am 2. Februar 2008 wurde Reinhard Marx Bischof des Erzbistums München und Freising. Zehn Jahre ist er nun im Amt. Ein Blick zurück.

Am 2. Februar 2008 übergibt Kardinal Friedrich Wetter sein Amt als Erzbischof von München und Freising an Bischof Reinhard Marx.
Am 2. Februar 2008 übergibt Kardinal Friedrich Wetter sein Amt als Erzbischof von München und Freising an Bischof Reinhard Marx. © imago

München – Unermüdlich schüttelte er Hände, redete mit Alt und Jung, strahlte übers ganze Gesicht. Es war ein herzlicher Empfang, den die Gläubigen aus dem Erzbistum München und Freising ihrem neuen Bischof Reinhard Marx bereiteten, vor zehn Jahren, am 2. Februar 2008. Von Bayern und der Erzdiözese wusste der damals 54-Jährige bis dato nicht viel, doch der Westfale aus Geseke akklimatisierte sich schnell. Genuss und Lebensfreude, die Freude am Glauben ist den Westfalen ja auch nicht fremd. Der Geistliche hat – wie viele Bayern – ein Faible für Traditionen und Bräuche, so hatte der Bischof also von Anfang an keinerlei Berührungsängste mit bayerischer Folklore. Er ließ sich bei den Gebirgsschützen aufnehmen, schwingt begeistert im Wiesn-Bierzelt den Taktstock. Er sorgte auch dafür, dass in seinem Bistum die Bayernhymne im neuen Gotteslob steht. Schnell wurde auch deutlich, dass der neue Oberhirte nicht nur ein eloquenter Kommunikator ist, sondern auch ein Macher, einer, der gerne anpackt – getreu seinem bischöflichen Wahlspruch: „Ubi spiritus Domini ibi libertas – Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17).

Begehrter Gesprächspartner

Reinhard Marx, 2010 vom damaligen Papst Benedikt XVI. zum Kardinal erhoben, gilt als gesellig, durchsetzungsstark, humorvoll, ehrgeizig. Er ist nie um eine Antwort verlegen, verschafft sich mit seiner sonoren Stimme überall Gehör. Man hört auf ihn – vielleicht ist es kein Zufall, dass „Reinhard“ im Althochdeutschen „kühner Ratgeber“ bedeutet. So ist der Münchner Erzbischof schnell zu einer der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kirche geworden und zu einem begehrten Gesprächspartner. Auch für die Medien. Denn Kardinal Marx schafft es wie kein zweiter Geistlicher, prägnant auf den Punkt hin zu formulieren. Unerlässlich, wenn man in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen will. Ein kompetenter, katholischer Kommunikator – dank seiner deutlichen Worte geschätzt in Sachen Sozialethik bei den Gewerkschaften genauso wie bei Wirtschaftsnobelpreisträgern.

Kardinal Marx bezieht klare Positionen

Und der Geistliche ist ein politischer Kopf, der klare Positionen bezieht. Die christlichen Parteien erinnert er, beispielsweise während der Flüchtlingskrise, daran, dass das „C“ im Namen auch verpflichte. So äußert sich Kardinal Marx zum Zusammenhalt der Gesellschaft, zum Umgang mit der AfD oder übt deutliche Kritik an der „Ehe für alle“ und am Kapitalismus. „Wir brauchen eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, die um den Menschen herum aufgebaut ist und nicht um das Kapital“, lautet seine Überzeugung. Auch zum Thema Migration meldet sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz regelmäßig zu Wort. Die Kirche habe nie die Auffassung vertreten, dass „alle zu uns kommen können“, stellt er im vergangenen Oktober vor Berliner Hauptstadtjournalisten klar. Auch sei die Bemühung legitim, die Zahl der Zuwanderer zu begrenzen. Die erste Frage aber sei: „Wie helfen wir den Menschen dort, wo sie unter Druck sind?“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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