Priesterweihe im Erzbistum Zölibat heute - unerhört, aber wichtig

02.07.2018

Priester leben wirklich alternativ, verzichten auf vieles, was in unserer Gesellschaft selbstverständlich ist, auf Sex und möglichst viel Geld: ein wichtiges Zeichen gerade in unserer Gesellschaft.

Starke Unterwerfungsgeste bei der Priesterweihe: Die Kandidaten versprechen ein Leben in Ehelosigkeit. © Kiderle/SMB

Das Ritual einer Priesterweihe lässt keinen kalt. Wenn Ministranten, Priester, das Domkapitel, die Bischöfe und die Weihekandidaten unter den Klängen einer Fanfare in den Freisinger Dom einziehen, dann ist das großes liturgisches Kino, Gänsehaut und feuchte Augen inklusive. Ohne viele Worte macht ein solcher Gottesdienst deutlich, dass hier etwas Besonderes geschieht. Es ist eigentlich ein Aussteiger-Fest, das hier gefeiert wird. Die jungen Männer machen öffentlich klar, dass sie sich ganz mit Gott verbinden und den Gläubigen dienen wollen. Sie erklären damit einen Verzicht, mit dem sich unsere Gesellschaft schwertut: auf sexuelle Beziehungen, Ehe und Kinder. Einem herkömmlichen Leben sagen sie damit Ade. Drei junge Männer haben das am vergangene Samstag wieder im Freisinger Dom gegenüber Kardinal Reinhard Marx getan. Es ist eine mutige Entscheidung und sie tut gerade unserer Zeit gut, in der es selbstverständlich ist, auf das eigene Wohlbefinden und das ganz persönliche Glück zu schauen. Freiwilliger Zölibat wirkt da undenkbar und völlig unzeitgemäß!

Leben gegen den Trend

Der große Konzils- und Reformtheologe Karl Rahner hat vom Zölibat einmal als einem "Stück kieender und betender Theologie" gesprochen und davor gewarnt, dass die Kirche ohne dieses Gelübde verspießern könnte. Dass er eine große Herausforderung ist, war auch ihm klar. Aber gerade weil der Zölibat so schwierig ist, ist er auch ein so schwergewichtiges Zeichen. Da leistet sich die Kirche etwas Unerhörtes, da nehmen Männer bestimmt auch Nöte auf sich, „nur“ um zu zeigen, dass sie ihr Leben ganz Gott und ihren Mitmenschen widmen wollen. Das ist in einer Welt, in der Sexualität und Körperkult ein allgegenwärtiges Werbemittel und Life-Style-Produkt geworden sind, ein Leben gegen den Trend. Es ist ein bemerkenswertes Symbol, dass die Priesterweihen meistens auch in zeitlicher Nähe zum Namensfest Johannes des Täufers gefeiert werden: Er hat Entbehrungen und Einsamkeit bewusst gewählt, um ein Wegweiser zu Gott und Zeuge der Hoffnung auf Gott zu sein. Johannes macht klar, dass der Weg zu Gott auch über den persönlichen Verzicht führt. Die drei Neupriester haben dem am Samstag zugestimmt.

Gemeinde muss Zölibat mitleben


Sie gehen aber nicht in die Wüste, wie Johannes der Täufer, sondern leben bewusst in der Spannung zwischen Allein-sein und Gemeinschaft. Und hier zeigt sich, dass der Zölibat in der katholischen Kirche jeden Gläubigen angeht. Die Gemeinden müssen Partner für die Priester sein, ja und ihnen auch Geborgenheit geben. Der Zölibat katholischer Weltpriester ist ja nicht auf ein Einsiedlertum hinausgelegt, sondern auf Begegnung. Das heißt auch, dass sich die Gemeinde auf den Priester zubewegt, ihn stützt und trägt. Wenn das geschieht, hilft jeder Gläubige mit, dass der „Skandal“ des Zölibats auch in unserer Zeit gelingen kann.

Audio

Zum Nachhören

Zölibat-Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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