Bischofskonferenz in Fulda Zollitsch will bescheidene und barmherzige Kirche

23.09.2013

Zum letzten Mal hat Erzbischof Robert Zollitsch mit einem Referat eine Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eröffnet. Darin unterstrich er von Papst Franziskus in jüngster Zeit gesetzte Akzente.

Erzbischof Robert Zollitsch (Bild: Sankt Michaelsbund)

Fulda -  Eine bescheidene, barmherzige und mutige Kirche hat der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angemahnt. In seinem letzten Referat zur Eröffnung einer Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe betonte Zollitsch am Montag in Fulda seine Übereinstimmung mit den neuen Akzenten von Papst Franziskus. Es gelte, an die Ränder zu gehen, um die Bekanntschaft der Menschen zu schließen und "nahbar statt unnahbar" zu sein. Dabei seien der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Unter Hinweis auf den Missbrauchsskandal und auf die Frage des rechten Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche sprach Zollitsch von einem Misstrauen gegenüber dem kirchlichen Amt, den kirchlichen Strukturen sowie der Lehre und pastoralen Praxis. Misstrauen, so Zollitsch, hebe Vertrauen auf. Ohne Vertrauen aber könne die Glaubensverkündigung keine Früchte bringen. Zollitsch unterstrich, es gehe darum, herauszufinden, "wie wir mehr Barmherzigkeit mit den Menschen zeigen und bezeugen können", die in einer Welt voller Brüche und Widersprüche lebten.

Der noch bis zum Frühjahr 2014 amtierende Vorsitzende betonte, die Kirche könne es nicht aufhalten, dass "das Netz alter Sicherheiten zerreißt". Wer als Missionar Christi unterwegs sei, müsse bereit sein, alte, scheinbar unaufgebbare Sicherheiten hinter sich zu lassen. Die Bischöfe müssten unter den veränderten Bedingungen einer neuen Epoche kirchlichen Lebens noch stärker in diese "innere Freiheit der Jünger Jesu" hineinwachsen.

Ausdrücklich berief sich Zollitsch in seinen Ausführungen mehrfach auf Papst Franziskus und insbesondere auf dessen vor wenigen Tagen veröffentlichtes umfangreiches Interview für Jesuiten-Zeitschriften. Darin wirbt der Papst für ein Klima der Offenheit und für mehr Barmherzigkeit in der Kirche. Zollitsch sprach in Fulda von wertvollen Impulsen, die der Papst gebe. Franziskus fordere die Kirche "zum Nachdenken über das eigene Tun auf".

Die von Zollitsch angemahnte "bescheidene und barmherzige" Kirche muss nach seinen Worten auch eine Kirche gelebter Kollegialität und eine glaubensstarke Kirche sein. Es bedürfe einer "steten Vergewisserung, dass wir selbst tief in Gott verankert sind", sagte Zollitsch. "Wie können wir den Menschen Weggefährten sein und Helfer, mitten im Alltag die Spuren Gottes zu entdecken, wenn wir selbst zu wenig mit ihm vertraut sind?", fragte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Er hob vor den in Fulda versammelten Bischöfen hervor, ein gläubiger Mensch und zumal ein Bischof sei immer dazu berufen, den Mitmenschen zu dienen. Anderes verdiene nicht, Nachfolge Jesu genannt zu werden, "der gekommen sei, nicht zu herrschen, sondern zu dienen". "Wir tun gut daran, keine Berührungsängste zu haben - auch nicht mit denen, die uns auf den ersten Blick fremd vorkommen und deren Leben uns unverständlich erscheint", betonte Zollitsch. (kna)


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