Eine Hütte unweit des Klosters Zu Besuch in der Einsiedelei in Maria Eck

22.07.2018

Mitten im Wald auf einer Lichtung steht eine kleine Hütte unweit des Klosters Maria Ecks im Chiemgau. In der Einsiedelei gehen Menschen auf die Suche nach Gott und werden fündig. Ein Besuch.

Die Einsiedelei.
Die Einsiedelei. © SMB/Fleischmann

Maria Eck – Als ich bei der Klosterpforte in Maria Eck im Chiemgau die Tür öffne, läuft mir Bruder Christian bereits entgegen. In der Hand hat er einen Sack Zwiebeln und ein Kanister voll mit Wasser – Proviant für die Einsiedelei, sagt er. Ich frage ihn, wo sich die denn befinde und er zeigt in Richtung eines kleinen Wegs, der sich malerisch das Voralpenland hinaufschlängelt. „500 Meter weiter und dann kurz den Hang hinab und dann kommen wir an eine schöne Lichtung“, sagt der Franziskaner Minorit. Kurz darauf kommt Elisabeth Mayer zu uns. Sie ist jedes Jahr für fünf Tage in der Einsiedelei und will mir von ihren Erfahrungen berichten. „Das ist ein Ort, an dem man Gott näherkommt“, sagt sie und lächelt dabei.

Franziskaner Minorit Bruder Christian
Franziskaner Minorit Bruder Christian © SMB/Fleischmann

Seit 2013 gibt es die kleine Hütte aus Baumstämmen unweit des Klosters. Bruder Christian hatte die Idee, als er selbst auf Exerzitien in einem anderen Kloster war. Seither kommen zahlreiche Menschen, die auf spiritueller Suche sind. „Das sind nicht mal zwangsläufig alles Christen“, erklärt mir Bruder Christian, „Wir hatten zum Beispiel auch schon mal eine bekennende Buddhistin da.“ Voraussetzung, ein paar Tage im begehrten Holzhäuschen zu bekommen, ist ein Vorgespräch mit Bruder Christian. „Es muss klar sein, dass die Menschen auf der Suche sind oder sich wichtige Fragen stellen“, sagt er.

Die Lichtung im Wald

Wir gelangen gemeinsam zur Hütte und ich bin sofort vom Ambiente dieses Ortes überwältigt. Es erscheint mir fast schon absurd, wie ein Ort dermaßen viel Leben beherbergt und trotzdem so viel Stille ausstrahlt. Überall surrt es, im kleinen Teich schwimmen Frösche, Vögel singen. „Ein Tag in der Einsiedelei fängt meistens mit einer Stunde körperlicher Arbeit an“, sagt Bruder Christian, „das kann Holzhacken im Winter sein oder Unkraut jäten im Sommer. Außerdem gibt es jeden Tag ein spirituelles Gespräch mit den Besuchern. Das dauert meistens eine Stunde, kann aber auch mal drei Stunden lang werden.“

Viele Menschen öffnen sich dabei dem Ordensmann. Für Einige ist die Hütte wie ein Ventil. Das kann auch Elisabeth Mayer bestätigen. Die Kinderpflegerin und Mutter dreier Kinder erklärt mir, dass jedes Mal in der Hütte anders sei. „Beim ersten Mal dachte ich, so jetzt hab‘ ich alles erkannt und doch will ich jedes Jahr wieder kommen, weil immer etwas anders passiert. Man kommt weiter, je öfter man hier ist.“ Tränen flössen jedes Mal, weil man auch mit den schlechten Dingen an sich konfrontiert werde, sagt sie ganz ohne Scham zu mir. „Doch am Ende ist das Gefühl so positiv und ich fühle mich wirklich geliebt.“ Die Frage, was sie das erste Mal dazu bewogen hat, in die Einsiedelei zu gehen, kann sie mir gar nicht so recht beantworten. „Irgendwie wollte ich Gott näherkommen“, sagt sie.

Elisabeth Meier vor der Hütte.
Elisabeth Meier vor der Hütte. © SMB/Fleischmann

Zuhause im Alleinsein

Die jüngste Einsiedlerin bisher war eine Studentin Anfang zwanzig, der älteste ein Mann weit über achtzig. Die Motivation der einzelnen Menschen sei immer unterschiedlich, sagt Bruder Christian. „Wir haben hier Leute, die sich existenziellen Fragen stellen, kurz vor oder bereits mitten im Burnout sind. Bald besucht uns eine Ordensschwester, die vor ihrem ewigen Gelübde steht und vorher noch einmal tief in sich gehen will.“

Bruder Christian und Elisabeth Mayer kehren wieder zum Kloster zurück, ich möchte noch ein wenig bleiben. Es erscheint mir wichtig, den Ort alleine wahrzunehmen. Ich laufe ein wenig umher, fotografiere die Natur, besuche die Kapelle nebenan. Ein Satz, den mir Bruder Christian im Kloster gesagt hat, fällt mir gerade ein: „Du siehst diesen Ort und fühlst dich sofort zu Hause.“ Und ja, irgendwie fühle ich mich nach zwei Stunden schon zu Hause. (Lukas Fleischmann)

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Urlaub!

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Ruhe kommen im Tutzinger Wald.
© SMB/Fleischmann

Waldbaden im Selbstversuch Im Tutzinger Wald zur Ruhe kommen

"Shinrin Yoku" - ein Trend aus Japan kommt zu uns nach Deutschland. Das könnte man frei mit "Waldbaden" übersetzen und bedeutet, mit Achtsamkeitsübungen ein paar Stunden im Wald zu verbringen. Ein...

28.05.2019

Schweißarbeiten am Krankenwagen
© SMB/Fleischmann

Kirchseeon Krankenwagen für Syrien

Ein ehrgeiziges Projekt steht kurz vor dem Abschluss: Ehrenamtliche und Azubis richten im Berufsbildungswerk in Kirchseeon einen alten Krankenwagen für ein syrisches Krankenhaus her. Doch für die...

29.11.2018

Die Einsiedelei bei Maria-Eck
© SMB/Fleischmann

Die Hütte im Chiemgau Wie die Einsiedelei im Herbst Menschen verändert

Auf einer kleinen Lichtung unweit des Klosters Maria Eck steht die Einsiedelei im Wald. Im Sommer erinnert sie an Bergurlaub, im Herbst toben die Stürme um die kleine Hütte. Und trotzdem ist sie...

29.10.2018

Michael Aufhäuser zwischen zwei Rettungsfahrzeugen.
© SMB/Fleischmann

Malteser am Flughafen München Im Einsatz zwischen Turbinen und Terminals

Rund 45 Millionen Menschen fertigt der Flughafen München jedes Jahr ab. Ganz klar also, dass da ab und an mal Notfälle passieren. Wenn es zu dieser Situation kommt, sind Menschen wie Michael Aufhäuser...

04.08.2018

Zeiten der Entspannung sind wichtig.
© D.aniel - stock.adobe.com

Zum Beginn der Ferienzeit Kardinal Marx ermutigt zu Zeiten der Ruhe

Nicht nur in den Ferien, auch im Alltag, sollen wir uns Zeiten der Ruhe nehmen, so Kardinal Reinhard Marx. Denn nur wer sich Zeit nimmt, kann angesichts aktueller Fragen angemessen urteilen, reden und...

03.08.2018

"Wirkliche Erholung, ganz ohne Leistungsdruck"
© Voyagerix - stock.adobe.com

Ferienzeit Urlaubsziele mal anders

Die Sommerferien in Bayern stehen an: Wie es gelingen kann, den Urlaub nicht zu überfrachten und sich treiben zu lassen, lesen Sie hier.

26.07.2018

Ausgerechnet im Urlaub wird oft gestritten.
© Maksim Toome - stock.adobe.com

Streit in der „schönsten Zeit des Jahres“ Tipps für einen harmonischen Urlaub

Es sollte die schönste Zeit des Jahres sein: der wohlverdiente, lang ersehnte Urlaub. Doch ausgerechnet da gibt es oft Streit mit dem Partner. Laut einer Studie wird jede dritte Scheidung nach dem...

26.07.2018

Im Urlaub die Natur genießen
© Jenny Sturm - stock.adobe.com

Besinnung zum Ferienbeginn Was unser Leben reich macht

Minoritenpater Franz-Maria Endres aus dem Kloster Maria Eck erklärt, worauf es beim Urlaubmachen wirklich ankommt.

25.07.2018

Pfarrer Andreas Zach beim Berglaufen
© SMB/Fleischmann

Ein Priester und sein Hobby Berglaufen mit Pfarrer Zach

Pfarrer Andreas Zach aus Rosenheim hat ein sportliches Hobby: das Berglaufen. Wir haben ihn auf seiner Strecke in Tirol begleitet.

28.06.2018

Niko Sommer fährt die Piste hinab
© SMB/Fleischmann

Von der Lähmung auf die Piste Niko Sommer und der Traum von den Paralympics

Niko Sommer galt lange als Nachwuchshoffnung der deutschen Ski-Elite. Doch dann kommt alles anders: Bei einem Trainig stürzt er schwer und ist seither querschnittsgelähmt. Doch die Hoffnung, und vor...

23.03.2018

© Martina Fischer, kailash Verlag

Ein anderer Mensch werden auf der Alm Harte Arbeit und Glückseligkeit

"Spüriger" sei sie geworden in ihren Sommern auf der Alm, sagt Martina Fischer und zeitweise liest sich ihr Bericht über das Leben als Sennerin wie eine Anleitung zur Achtsamkeit, aber eben voll...

13.06.2016

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren