Ein Priester pilgert ins Heilige Land Zu Fuß von Liechtenstein nach Jerusalem

18.12.2017

15 Monate, 26 Länder, 14.000 Kilometer. Johannes Schwarz ist von Liechtenstein nach Jerusalem gepilgert. Dabei ist er auch in brenzlige Situationen geraten.

15 Monate war Johannes Schwarz unterwegs.
15 Monate war Johannes Schwarz unterwegs. © Schwarz

 

Johannes Schwarz machte sich vor vier Jahren mit Rucksack, Zelt und Videokamera auf den Weg von Liechtenstein nach Jerusalem. 15 Monate, 26 Länder, 14.000 Kilometer. Über seine außergewöhnliche Reise berichtete er bei einem multi-medialen Vortrag in der Münchner Pfarrei Mariahilf. Seine Leidenschaft für das Pilgern sei aufgekommen, als er mit 20 Jahren den Jakobsweg gegangen ist, erzählt der heute 39-jährige Priester. „Ich wollte sehen, was passiert, wenn ich mich auf nichts mehr verlassen kann. Also zog ich los, ohne Rucksack und ohne Geld.“ 15 Jahre später, nachdem er neun Jahre in einer Liechtensteiner Bergpfarrei als Kaplan tätig war, entschloss sich Schwarz, einen weiteren, noch viel längeren Weg anzutreten. „Ich hatte das Gefühl, dass es viel Arbeit auch neben der Pfarrei gibt. Also habe ich den Bischof um ein Sabbatjahr gebeten.“ Die Auszeit wurde dem gebürtigen Linzer gewährt, und so begann er am 1. Mai 2013 seine Pilgerreise. Videoaufnahmen zeigen, wie die Gemeinde sich von ihrem Kaplan verabschiedet. Die ersten Kilometer in Richtung des Heiligen Landes brauchte Johannes Schwarz nicht alleine zu gehen, denn die Ministranten begleiteten ihn bis zur Grenze.

Ein einfaches und reduziertes Leben

Verfolgt man seinen Weg auf der Landkarte, wundert man sich vielleicht über den ein oder anderen Umweg, den der Priester auf sich genommen hat. „Für mich war es in diesem Sabbatjahr nicht wichtig, nach Jerusalem zu kommen. Sondern ich habe mich auf den Weg gemacht für ein einfaches, reduziertes Leben, Stille und Begegnungen mit Menschen“, erklärt er. Seine Route führte ihn oft in die Berge, die Natur, um die Stille zu erleben, „die im Alltag oft verloren geht“. Die ersten Wochen machten dem Pilger vor allem die Wetterverhältnisse zu schaffen. „Das Rauschen des Wassers war das große Thema der ersten 40 Tage. Es gab zu dieser Zeit kaum einen Tag, an dem ich nicht nass geworden bin“, erinnert er sich.

Johannes Schwarz ist mit 20 Jahren bereits den Jakobsweg gelaufen.
Johannes Schwarz ist mit 20 Jahren bereits den Jakobsweg gelaufen. © Schwarz

Treuer Begleiter für Johannes Schwarz war in den 15 Monaten sein „Carrix“, eine Schubkarre, in der er sein schweres Gepäck transportierte. „Ich hatte alles dabei, um die heilige Messe zu feiern. Ein Messbuch, Kelch, Hostien, Messwein und ein Messgewand.“ Auch sein Zelt hatte ganz besonderen Ansprüchen gerecht zu werden: Es musste hoch genug sein, um darin kniend die Eucharistie zelebrieren zu können. Über Österreich, die Slowakei, Moldawien, die Ukraine und Russland gelangte er schließlich in die Türkei. Von dort aus nahm er einen Umweg über Georgien nach Armenien. „Gerade dieses Land mit einer so tiefen christlichen Tradition wollte ich unbedingt besuchen“, erzählt Schwarz.

Am Montag, 8. Januar, beginnt um 19 Uhr im Münchner Pfarrverband Mariahilf-St. Franziskus die von Johannes Schwarz entwickelte Veranstaltungsreihe „Mein Gott und Walter“. Mit kurzen Videoclips und anschließender Diskussion wird an zehn Montagen die Möglichkeit geboten, sich mit dem katholischen Glauben erstmalig oder vertieft auseinanderzusetzen. Anmeldung bis Mittwoch, 20. Dezember, im Pfarramt Mariahilf, Telefon 089/6512866.

Die Pilgerreise war nicht nur von vielen wertvollen Begegnungen mit Menschen und der tiefen Stille, sondern auch von zahlreichen Abenteuern geprägt, über die Schwarz eindrucksvoll berichtet. In der Südtürkei wurde der Geistliche beispielsweise einer Militärkontrolle unterzogen, da er für einen Dschihadisten auf dem Weg nach Syrien gehalten wurde. Alle Schwierigkeiten heil überstanden, stattete er, bevor er über Syrien nach Jordanien weiterreiste, den für die christliche Tradition so bedeutsamen Ort Antiochia einen Besuch ab. Hier wirkten einst Petrus und Paulus, und die Christen wurden dort erstmals als Christen bezeichnet.

Auf seiner Tour nach Jersualem hat der Priester auch Umwege in Kauf genommen.
Auf seiner Tour nach Jersualem hat der Priester auch Umwege in Kauf genommen. © Schwarz

Pilgern bedeutet sich täglichen Herausforderungen stellen

Als besonders intensiv beschreibt der Pfarrer die anschließende Zeit in der Wüste. „Die Wüste hat mich fasziniert. Diese Stille, diese Einsamkeit, diese Leblosigkeit. Und trotzdem ist sie lebendig“, erzählt er begeistert. Drei Monate verweilte er schließlich in Jerusalem, wo er mit vielen Menschen darüber sprach, was das Pilgern eigentlich bedeutet. Mit vielen Antworten und Fragen trat er den Heimweg an, für den er eine andere Route – über Griechenland, Italien und Frankreich – wählte. Seinen Weg ins Heilige Land und auch den Rückweg schildert Johannes schwarz in zwei Bänden mit dem Titel „Tagebuch eines Jerusalempilgers“. Eine ganz persönliche Einsicht hat der Priester von seiner langen Reise mitgenommen: „Für das Pilgern muss man nicht aufbrechen in fremde Länder. Wenn wir uns den täglichen Herausforderungen des Weges stellen, dann beginnt Pilgern hier, in der Straße, in der wir leben.“ (Katharina Zöpfl)

Ein ausführliches Gespräch mit Johannes Schwarz können Sie in der Sendung „Hauptsache Mensch“ im Münchner Kirchenradio hören, und zwar am Montag, 18., Mittwoch, 20., und Freitag, 22. Dezember, jeweils von 10 bis 12 Uhr, 15 bis 17 Uhr und 22 bis 24 Uhr. Den podcast zur Sendung finden Sie hier.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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