Amoris laetitia Zu Gott führen

06.02.2017

Jetzt ist es da – das Wort der deutschen Bischöfe zum Papstschreiben „Amoris laetitia“. Pfarrer Stephan Fischbacher erklärt hier, warum er froh darüber ist.

Pfarrer Stephan Fischbacher © SMB

Ein Beispiel aus der Praxis, einige Jahre her: Eine erwachsene Frau möchte konvertieren und katholisch werden. Bei der Anmeldung stellt sich heraus: Ihre erste Ehe wurde geschieden, sie ist standesamtlich wieder verheiratet. Auskunft des Ordinariats: Die Frau könne ich durch die Firmung in die katholische Kirche aufnehmen, aber die Kommunion dürfe ich ihr nicht reichen. Ich erschrecke, aber die Mitteilung entsprach dem Kirchenrecht. Dennoch empfinde ich bis heute als zutiefst unchristlich, wie pauschal über das Leben einer mündigen Christin geurteilt wurde.

Es war dringend notwendig (und dreißig Jahre überfällig), dass unsere Kirche differenzierter mit gebrochenen Lebenswegen umgeht und nicht pauschal von der Kommunionbank ausschließt. "Amoris laetitia" weist in die richtige Richtung: Die Eucharistie sei ein Heilmittel für die Schwachen, keine Belohnung für die Vollkommenen, schreibt der Papst. Ich bin sehr froh, dass die Deutschen Bischöfe das für die Praxis konkretisieren: Pauschale Urteile vermeiden, auf den einzelnen Menschen eingehen, ihm zu einer Gewissensentscheidung helfen. Ich finde diesen Weg richtig, denn: „Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist.“ (Gaudium et Spes 16).

Gott im Gewissen wahrnehmen

Unsere Aufgabe als Kirche ist es, den Menschen beizustehen, Gott in ihrem Leben wahrzunehmen, auch im eigenen Gewissen. Für viele Gläubige und viele Gemeinden ist dies schon längst selbstverständlich. Deswegen gibt es auch keine aufgeregten Diskussionen über das Schreiben mehr. Für viele ist die Kirche wegen ihrer starren Haltung längst kein Ansprechpartner mehr, wenn es um die Bewältigung von Lebenskrisen geht. Es bleibt zu hoffen, dass das Vertrauen in die Kirche wieder wächst, wenn wir uns neu anstrengen, die Menschen auf ihrem Weg zu Gott zu begleiten.

Pfarrer Stephan Fischbacher ist Leiter des Pfarrverbands Waakirchen und Mitglied im Diözesanverband des Sankt Michaelsbunds.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Amoris laetitia

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