Priester aus dem Ausland berichten "Zuerst kein Wort verstanden"

21.05.2018

Deutsch ist keine einfache Sprache. Zwei Pfarrer mit Wurzeln im Ausland erzählen, wie es ihnen mit der Fremdsprache ergangen ist.

München – Der Heilige Geist ließ die Jünger in allen Sprachen sprechen. So weit ist Pater Abraham Nedumthakidy noch nicht. Aber er spricht Englisch, Deutsch und seine indische Muttersprache. Seit 2002 ist er in Deutschland und leitet nun den Pfarrverband St. Quirin-St. Michael in Aubing-Lochhausen im Münchner Westen. Er kann sich noch gut erinnern, wie er 2002 aus Kerala in Indien nach Aubing kam. „Das war ein Kulturschock“, erzählt er.

Erst zwei Monate zuvor habe er in seiner Heimat einen Deutschkurs besucht, den er hier an der Uni fortsetzte. Bereits nach zwei Wochen in München habe ihm der Aubinger Pfarrer gesagt, er solle doch mit auf den Seniorenausflug fahren. Eine tolle Chance, bayerische Kultur und die Gemeindemitglieder kennenzulernen, dachte der Pater.

Pater Abraham Nedumthakidy kommt aus Indien.
Pater Abraham Nedumthakidy kommt aus Indien. © SMB/Schmid

Voller Begeisterung fuhr er mit, musste aber schnell feststellen, dass die „Sprache“, die da bei den älteren Damen und Herren gesprochen wird, eine völlig andere ist, als das Deutsch, das er in Indien vor seiner Abreise gelernt hatte. „Ich habe vom Boarisch erst kein Wort verstanden. Es war sehr, sehr mühsam, Gespräche zu führen“, erzählt der 46-Jährige. „Trotzdem war es ein toller Erfolg und es gab viele Menschen, die mir sehr offen gegenübertraten und mir viel beigebracht haben.“

Mit Hilfe der Menschen wurde er schnell heimisch im Münchner Westen und lernte die Sprache. „Mittlerweile brauche ich nur auf einen Knopf zu drücken und kann prompt zwischen Indisch und Deutsch hin- und herschalten. Wenn ich in Indien bin, spreche ich automatisch Indisch, hier automatisch Deutsch. Das ist auch für mich immer wieder überraschend“, schmunzelt der Pfarrer.

Pater Ante Babic
Pater Ante Babic © privat

Auch Pater Ante Babi?, Pfarrvikar in der Pfarrei St. Gabriel im Münchner Stadtteil Haidhausen, kann sich noch gut an seine ersten deutschen Worte erinnern, selbst wenn sie schon viel länger zurückliegen. 1978 kam er das erste Mal nach Deutschland. Außer „Guten Tag“ und „Wie geht es Ihnen?“ habe der Kroate kein Wort Deutsch gekonnt, erinnert er sich. Acht Monate habe er dann im Goethe-Institut Kurse besucht, bevor er seinen ersten Gottesdienst in Kelkheim im Main-Taunus-Kreis hielt. „Ich hatte richtige Angst davor“, erzählt er. „Ich habe mich gefragt, wird mein Deutsch ausreichen, um eine Messe zu zelebrieren und Sakramente zu spenden? Werden die Menschen mit mir zufrieden sein?“ Viel geübt habe er dafür, mit der Sekretärin tagelang an den Texten und seiner Aussprache gefeilt. „Als der Gottesdienst begann, habe ich nur noch auf meine Worte geachtet. Ich habe die Gottesdienstbesucher gar nicht wahrgenommen – bis am Schluss großer Applaus kam und alle sagten: Bravo, Pater, es hat geklappt!“

1984 ging der Pater zurück in seine Heimat – vor fünf Jahren kam er wieder nach Deutschland – diesmal nach St. Gabriel in München und hat sein Deutsch wieder hervorgekramt. Schwer ist ihm das nicht gefallen. Es sei zwar schon mal passiert, dass er plötzlich „Seht das Lamm Gottes“ auf Kroatisch gesagt habe, aber dann würden die Gottesdienstbesucher lachen und keiner nehme ihm das krumm. Der 68-jährige Babi? fühlt sich mittlerweile in Deutsch wie in seiner Muttersprache. Er ist stolz, es so gut zu beherrschen, und schreibt nicht nur Predigten, sondern hat sogar schon kleine Texte und Gedichte in der Fremdsprache verfasst.

Im gesamten Erzbistum München und Freising leben Menschen aus vielen Nationen der Erde. In den jeweiligen muttersprachigen Gemeinden feiern sie zusammen Gottesdienste und heilige Messen in 20 verschiedenen Sprachen. Dort stehen muttersprachliche Priester und pastorale Mitarbeiter aus den einzelnen Ländern zum Gespräch in allen Anliegen bereit.
In der katholischen Kirche im Erzbistum wird so ein Stück Weltkirche lebendig.
Auf Initiative von Mitgliedern der muttersprachigen Gemeinden war der „Kreuzweg der Völker“, die traditionelle Karfreitagsprozession, 1998 zum ersten Mal in der Münchner Fußgängerzone durchgeführt worden. Insbesondere Gläubige aus spanischsprachigen Ländern, aus Italien und Vietnam, die dieses Brauchtum aus ihrer Heimat kennen, hatten sich für eine Karfreitagsprozession in der bayerischen Landeshauptstadt eingesetzt. Damit wurde eine Tradition aus der Barockzeit, in der Karfreitagsprozessionen in Deutschland weit verbreitet waren, in neuer Form wieder belebt.
Jährlich beteiligen sich daran mehrere tausend Gläubige, jede einzelne Station wird mit Musik, Liedern und Gebeten aus einem anderen Land gestaltet. Auch an der Feier des Münchner Fronleichnamsfestes nehmen jedes Jahr zahlreiche Vertreter der muttersprachigen Gemeinden teil, sowohl beim Gottesdienst am Marienplatz als auch an der großen Stadtprozession, viele in ihren traditionellen Trachten.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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