Leistbares Wohnen Zuhause auf Zeit

28.11.2019

Das katholische Jugendsozialwerk e.V. bietet Auszubildenden bezahlbaren Wohnraum in München. Ein Lokalaugenschein im Wohnheim München-Süd.

Das katholische Jugendsozialwerk e.V. vermietet Zimmer speziell an Studierende und Auszubildende.
Das katholische Jugendsozialwerk e.V. vermietet Zimmer speziell an Studierende und Auszubildende. © pixabay

Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Semester oder ein Praktikum im Ausland, was mit einer der Gründe dafür ist, dass die Nachfrage nach Wohnraum in den Großstädten in den letzten Jahren enorm stieg. Vor allem in München haben junge Menschen enorme Schwierigkeiten, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Aus diesem Grund vermietet das katholische Jugendsozialwerk e.V. Zimmer in München speziell an Studierende und Auszubildende. Eines davon, das Jugendwohnheim München-Süd in der Forstenrieder Allee, bietet jungen Menschen Appartements zum fairen Preis – und gibt ihnen dabei viel mehr, als nur ein Dach über dem Kopf.

190 Bewohner gibt es in dem Wohnheim München-Süd – die 21-jährige Elahe ist eine davon. Sie kommt aus dem Iran und begann vor einigen Monaten ihre Ausbildung zur Arzthelferin bei einem Zahnarzt in Forstenried, ganz in der Nähe des Wohnheims. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Elina lebt sie seitdem in einem Appartement des Wohnheims. „Ich bin echt zufrieden“, erzählt Elahe und lächelt. Unser Zimmer ist zwar nicht groß, aber wir haben alles, was wir brauchen.“

Fußball, Fitness und eine Bar

Vor vier Jahren kam Elahe mit ihrem Ex-Mann schwanger nach Deutschland. „In unserer Heimat ist es schwer, als Frau einer Ausbildung nachzugehen, vor allem als Mutter“ erzählt sie. „Doch auch als alleinerziehende Mutter möchte ich mich weiterbilden und nicht nur zu Hause den Haushalt machen.“ Zuvor lebte sie in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Menschen unterschiedlichster Nationen, doch dort hätte es vor allem mit den männlichen Mitbewohnern Schwierigkeiten gegeben: „Dort lebten viele junge Männer, für meine Tochter und mich als alleinerziehende Mutter war das sehr anstrengend. Sie respektierten die Regeln im Haus nicht, hatten Drogen- oder Alkoholprobleme und nachts war es sehr laut. Das war kein Ort für meine Tochter“, erzählt die 21-jährige.

Das Essen sei auch nicht gut und gesund gewesen, das wäre hier im katholischen Jugendwohnhaus anders. Der Leiter Herr Frank, erzählt: „Wir bieten ein großes Freizeit- und Versorgungsangebot. Man kann hier frühstücken und zu Abend essen und wir bieten viele Freizeitmöglichkeiten, da wir einen großen Fuß- und Basketballplatz haben. Zudem haben wir ein Fitnessstudio, das für alle Bewohner zugänglich ist.“

Pädagogen helfen bei Problemen

Es gibt in diesem Wohnheim allerdings noch eine weitere Besonderheit: Pädagogische Fachkräfte stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern, ob minderjährig oder nicht, jederzeit zur Verfügung. Sie intervenieren vor allem dann, wenn es bei den Auszubildenden in ihrer Ausbildungsstätte Probleme gibt, oder wenn einer der internationalen Austauschstudenten sich unwohl fühlt, Heimweh hat oder sogar nach Hause möchte. „Das ist allerdings sehr selten der Fall – die meisten fühlen sich bei uns sehr wohl“ erzählt Thomas Frank. Schließlich hätten sie bei Problemen immer einen Ansprechpartner im Wohnheim – und langweilig würde es auch nie werden, denn die Hausbar sei täglich geöffnet und es gäbe regelmäßig Veranstaltungen.

Besondere Regeln für die Minderjährigen

Für die, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, bestünden besondere Regeln: „Jeder kann hier kommen und gehen wann er will, abgesehen von den minderjährigen Bewohnern. Die müssen um 22 Uhr zu Hause sein – sollte das mal nicht der Fall sein, dann gehen wir dem Ganzen natürlich nach!“

Elahe hat damit kein Problem: „Ich finde es gut, dass diese Regeln existieren. Schließlich sind wir zum Lernen und Arbeiten hier. In München gäbe es genügend Veranstaltungen, feiern müsse man deshalb nicht zu viel im Wohnheim. Heimweh habe sie nicht, erzählt sie. „Die deutsche Kultur gefällt mir echt gut. Die Deutschen sind nicht komisch, sie haben immer einen Grund, warum sie etwas Feiern!“ Dabei habe sie schon alles mitgemacht: Weihnachten, Silvester – „und natürlich das Oktoberfest“ erzählt sie und lacht herzlich.

Mit einem Blick auf die Uhr verabschiedet sie sich – es ist Essenszeit. Die Kantine öffnet in fünf Minuten. „Heute freuen wir uns besonders auf´s Essen“, erzählt Elahe. Es gibt Fisch – und den mögen wir am liebsten!“

Die gesamte Folge gibt es bei „Total Sozial“ zu hören – dem Podcast des Münchner Kirchenradios – entweder in der Mediathek auf mk-online oder auch bei allen relevanten Streamingplattformen wie Spotify, Deezer, AppleMusic & Co.!


Das könnte Sie auch interessieren

© imago/Panthermedia

Total Sozial Internationales Jugendwohnen in München

Internationale Austauschprogramme gewannen in den letzten Jahrzehnten unter den Auszubildenden und Studierenden aus aller Welt immer mehr an Beliebtheit. Das Problem: Wohnraum ist knapp. Hilfe gibt's...

15.11.2019

© SMB/Hafner

Neue Wohnformen (nicht nur) fürs Alter Traumwohnung gesucht

Im Alter nicht vereinsamen, barrierefrei und in einer lebendigen Gemeinschaft wohnen - Besuche bei einer Initiative, die demnächst ihr Traumhaus bauen wird und in einem Mehrgenerationenhaus einer...

13.11.2019

Das oberbayerische Kloster Schlehdorf der Missionsdominikanerinnen soll in eine große Wohngemeinschaft umgewandelt werden.
© imago

Schlehdorf Wohnungsgenossenschaft will aus Kloster WG machen

Ins Kloster der Missionsdominikanerinnen in Schlehdorf kann man künftig einziehen und das ganz ohne Gelübte. Gemeinschaftswohnungen, Gewerbeeinheiten und Coworking-Bereiche sollen entstehen.

16.10.2019

Diskutierten miteinander (von links): Gariele Stark-Angermeier, Andrea Meiler, Moderator Martin Schneider, Christiane Thalgott und Minister Hans Reichart
© Kiderle

Herbstvollversammlung des Diözesanrats Wer kann sich München noch leisten?

Bezahlbarer Wohnraum in München ist ein Thema, das alle Institutionen betrifft – auch die Kirche, ist Staatsminister Hans Reichhart überzeugt.

16.10.2019

Total Sozial Hürden bei Sprache und Kultur

Ob in der Schule, bei Behörden oder beim Arzt: Ohne Kenntnisse der Sprache oder der Mentalität ist es für Flüchtlinge und Einwanderer schwer Fuß zu fassen. Die Sprach-und Kulturmittler des...

04.10.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren